Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krankheit oder Gene? – Wissenschaftler können genetischen Einfluss auf den Stoffwechsel nachweisen

20.04.2011
Internationale Fachmagazine veröffentlichten die Greifswalder Forschungsergebnisse

Wenn der Hormonhaushalt gestört ist, gerät der menschliche Körper schnell aus dem Gleichgewicht. Dabei wird man künftig eine neue Frage stellen müssen. Ist die Abweichung aktuell krankheitsbedingt oder liegen die Ursachen in den Erbanlagen?

Greifswalder Wissenschaftler haben jetzt nachgewiesen, dass die Konzentration zentraler stoffwechselregulierender Hormone im Blut genetisch bedingt ist. Die Ergebnisse der Studien sind in den renommierten medizinischen Zeitschriften „Human Molecular Genetics“ (Januar) und „PLoS GENETICS“ (April) veröffentlicht worden.

Wissenschaftler des Metabolic Center am Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin und des Interfakultären Instituts für Genetik und Funktionelle Genomforschung haben gemeinsam internationale Forschungskonsortien gegründet, um die erbliche Regulation von Hormonen zu ergründen. Daran sind zehn Forschungseinrichtungen aus acht Ländern beteiligt. Als Basis dienten die Untersuchungsdaten und Blutproben der seit 1997 laufenden Greifswalder Bevölkerungsstudie „Gesundheit in Vorpommern“ SHIP (Study of Health in Pomerania) mit über 7.000 Probanden und mittlerweile drei Untersuchungswellen. Dabei setzt die interdisziplinäre Arbeitsgruppe des Metabolic Center, bestehend aus Hormonexperten (Endokrinologen), Labormedizinern, Biochemikern und Versorgungsforschern (Epidemiologen), modernste analytische und statistische Verfahren ein.

In der jüngsten Untersuchung standen insbesondere die Hormone insulin like growth factor (IGF-I) und Dehydroepiandrostendionsulfat (DHEAS) im Fokus. Beide Hormone steuern eine Reihe von physischen und psychischen Vorgängen und werden mit allgemeinen Alterungsprozessen in Verbindung gebracht. In enger Kooperation mit den Wissenschaftlern des Interfakultären Instituts für Genetik und Funktionelle Genomforschung konnten dabei erstmals bisher nicht bekannte genetische Faktoren identifiziert worden, die einen Einfluss auf die Hormonregulation haben. „Damit können neuartige Einblicke in den menschlichen Stoffwechsel und auftretende Störungen gewonnen sowie individualisierte Therapieansätze erschlossen werden“, erklärte Dr. Georg Homuth, Arbeitsgruppenleiter im Interfakultären Institut für Genetik und Funtkionelle Genomforschung. Genetische Auswirkungen auf den Hormonspiegel könnten zukünftig ein anderes medizinisches Herangehen erfordern, beispielsweise bei der Diagnostik oder medikamentösen Behandlung.

Die Wissenschaftler des Metabolic Center befassen sich schwerpunktmäßig mit diesen Botenstoffen des menschlichen Körpers und deren Einfluss auf Erkrankungen wie Typ 2 Diabetes und Osteoporose. In begleitenden Analysen der Daten der SHIP-Studie konnten die Wissenschaftler belegen, dass Abweichungen dieser Hormone im Blut häufig mit Übergewicht und Adipositas, einer Leberverfettung und der Entwicklung eines Typ 2 Diabetes verknüpft sind. „Diese hormonbedingten Stoffwechselstörungen sind nicht nur mit häufigen Erkrankungen, sondern auch mit einer geringeren Lebenserwartung verbunden“, betonte Prof. Henri Wallaschofski. Das habe die Auswertung der Verlaufsbeobachtung von bereits verstorbenen Teilnehmern der Studie ergeben. „Der genetische Einfluss auf den Stoffwechsel könnte ein Grund sein, warum Arzneimittel nicht bei allen Patienten den gleichen Erfolg zeigen.“

„Ziel ist es, eine individuelle Diagnostik mit Risikoanalyse, Lebensstilberatung und Therapie zu etablieren und den wissenschaftlichen Schwerpunkt für Stoffwechselerkrankungen an der Universitätsmedizin weiter auszubauen“, erläuterte Prof. Matthias Nauck, Direktor des Instituts für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin. Die Individualisierte Medizin ist das zentrale Forschungsthema an der Universitätsmedizin Greifswald (s. http://www.gani-med.de).

Weitere Informationen

PLoS GENETICS http://www.plosgenetics.org/article/info:doi/10.1371/journal.pgen.1002025

doi:10.1371/journal.pgen.1002025

Human Molecular Genetics http://hmg.oxfordjournals.org/content/early/2011/01/07/hmg.ddq560

doi:10.1093/hmg/ddq560

SHIP http://www.medizin.uni-greifswald.de/cm/fv/ship.html

GANI_MED http://www.gani-med.de

Metabolic Center http://www.medizin.uni-greifswald.de/klinchem/index.php?id=320

Ansprechpartner
Universitätsmedizin Greifswald
Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin
Direktor: Prof. Matthias Nauck
Prof. Henri Wallaschofski
Sauerbruchstraße, 17475 Greifswald
T +49 3834 86-55 00
E henri.wallaschofski@uni-greifswald.de
Interfakultäres Institut für Genetik und Funktionelle Genomforschung
Abteilung Funktionelle Genomforschung
Leiter: Prof. Uwe Völker
Dr. Georg Homuth
Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 15 a, 17489 Greifswald
T +49 3834 86-58 71

Constanze Steinke | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-greifswald.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen
20.09.2017 | Veterinärmedizinische Universität Wien

nachricht Molekulare Kraftmesser
20.09.2017 | Max-Planck-Institut für Biochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik