Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krankhaft erhöhte Blutfettwerte bei starkem Übergewicht: Forscher entschlüsseln molekulare Ursache

06.02.2009
Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben einen Mechanismus im Leberstoffwechsel entdeckt, der für die krankhaft erhöhten Blutfettwerte bei schweren Stoffwechselkrankheiten verantwortlich ist.

Mäuse, die am Metabolischen Syndrom oder an Diabetes Typ 2 leiden, produzieren nur geringe Mengen des Moleküls LSR in der Leber, schreiben die Forscher um Dr. Stephan Herzig im Fachblatt "Diabetes". Infolgedessen wird nur wenig Fett aus dem Blut in die Leber transportiert und die Blutfettwerte steigen stark an.

Stephan Herzig leitet am DKFZ die Abteilung Molekulare Stoffwechselkontrolle.
Menschen, die stark übergewichtig sind, leiden häufig am "Metabolischen Syndrom". Ihr Blutdruck und ihre Blutfettwerte ("Triglyzeride") sind krankhaft erhöht und sie haben zuviel Zucker im Blut. Das Metabolische Syndrom kann sich zu einem Diabetes Typ 2 entwickeln und Verengungen der Blutgefäße (Arteriosklerose) zur Folge haben, wodurch wiederum das Herzinfarkt-Risiko steigt. Lange Zeit war unklar, wie es bei diesem Krankheitsbild zu den erhöhten Blutfettwerten kommt.

Dr. Stephan Herzig vom Deutschen Krebsforschungszentrum und seine Mitarbeiter haben nun gezeigt, dass offenbar der Lipidtransporter LSR (lipolysis-stimulated lipoprotein receptor) hierfür verantwortlich ist. LSR ist ein Molekül, das unter anderem im Darm, vor allem aber in der Leber vorkommt und für die Aufnahme von Fett aus dem Blut verantwortlich ist. Bei übergewichtigen Mäusen, die an Diabetes Typ 2 leiden, ist die Produktion von LSR in der Leber deutlich eingeschränkt, wie Herzig und seine Kollegen herausfanden. Infolgedessen tritt nur wenig Fett aus dem Blut in die Leber über, die Leber lagert weniger Fett ein und die Blutfettwerte steigen.

Die verminderte LSR-Produktion in der Leber der diabetischen Mäuse ließ sich auf Normalmaß bringen, indem die Forscher den Mäusen Leptin verabreichten, ein Proteohormon, das den Hunger dämpft. Die mit Leptin behandelten, übergewichtigen Mäuse nahmen stark ab, sie verloren bis zu dreißig Prozent ihres Körpergewichts. Zugleich produzierte ihre Leber deutlich mehr LSR und die Blutfettwerte normalisierten sich.

"Damit haben wir zum ersten Mal gezeigt, welche zentrale Rolle das Molekül LSR im Fettstoffwechsel spielt", sagt Herzig, "zudem konnten wir belegen, dass es offenbar vom Körpergewicht abhängt, wie viel LSR in der Leber gebildet wird: Bei Übergewicht geht die Produktion zurück." LSR sei somit ein mögliches Ziel für künftige Therapien beim Metabolischen Syndrom und Diabetes Typ 2. An solchen Therapien besteht großer Bedarf: Schätzungen zufolge werden schon im nächsten Jahr etwa 300 Millionen Menschen auf der Welt an Diabetes Typ 2 leiden. "Wenn es gelänge, die LSR-Produktion in der Leber dieser Patienten anzukurbeln, würde das wesentliche Aspekte dieser Krankheit lindern", so Herzig. Dafür spräche auch, dass eine gesteigerte LSR-Produktion in der Leber nicht nur die Blutfettwerte senkt, sondern zusätzlich den Fettabbau in der Leber fördert.

Möglicherweise können auch Krebspatienten von den Erkenntnissen profitieren. Viele von ihnen leiden an der Tumorkachexie - einem lebensbedrohlichen Abmagern, das mit der Entstehung einer Fettleber einhergeht. "Wir haben erste Hinweise darauf, dass bei diesen Patienten zuviel LSR in der Leber produziert wird, wodurch die Leber zuviel Fett einlagert, während die peripheren Organe kaum noch mit Fett - also Energie - versorgt werden", so Herzig. Allerdings seien hierzu weitere Forschungen nötig.

Narvekar et al. Liver-specific Loss of Lipolysis-Stimulated Lipoprotein Receptor Triggers Systemic Hyperlipidemia in mice. Diabetes. DOI: 10.2337/db08-1184 (Vorabveröffentlichung im Internet).

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland und Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. Über 2.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, davon 850 Wissenschaftler, erforschen die Mechanismen der Krebsentstehung und arbeiten an der Erfassung von Krebsrisikofaktoren. Sie liefern die Grundlagen für die Entwicklung neuer Ansätze in der Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen. Daneben klären die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert.

Dr. Stefanie Seltmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Reize auf dem Weg ins Bewusstsein versickern
22.09.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lebendiges Gewebe aus dem Drucker
22.09.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie