Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Korallenalgen besitzen Augen zur Orientierung

30.07.2009
Forscher liefern Beweis für Sehvermögen der Einzeller

Die einzellige Algenspezies der Zooxanthellen, die häufig in tropischen Steinkorallenriffen zu finden ist, hat die Fähigkeit zu sehen. Das behaupten japanische Wissenschaftler von der Universität Hiroshima im Fachjournal PLoS One.

Bei den Algen, die unter anderem für die leuchtenden Farben der Korallenriffe verantwortlich sind, entdeckten sie rätselhafte Ablagerungen einer bestimmten Harnsäure, die normalerweise in Insekten- und anderen Tieraugen zu finden ist. Bislang wurde angenommen, dass es sich dabei um die Substanz Calziumoxalat, die Pflanzen wie Rhabarber oder Schild-Ampfer zur Verteidigung vor Fressfeinden einsetzen. Die Forscher konnten dies jedoch widerlegen.

Aus dem Umstand, dass die Algen in den Laborversuchen Licht stark reflektiert haben, schlussfolgern die Studienautoren um Kazuhiko Koike, dass sie somit über ein funktionierendes Auge verfügen müssen. Außerdem wurden bei den Zooxanthellen sogenannte "Eyespots" (Augenflecke) gefunden, die auch Organismen wie Quallen und anderen Nesseltieren die Wahrnehmung der Umwelt ermöglichen.

Die Forscher rätseln allerdings noch, welche Funktionen die Augen tatsächlich wahrnehmen. Koike vermutet, dass die Zooxanthellen ihre Eyespots dazu verwenden, um die begehrtesten "Anlegeplätze" zu finden. Haben die Einzeller schließlich einen geeigneten Korallenwirt gefunden, dürften sie ihre Sehkraft aber wieder verlieren, so die Annahme der Wissenschafter. Im Gegensatz zu den Zooxanthellen könnten andere Algenarten ihre augenähnliche Struktur jedoch auch innerhalb des Wirts beibehalten.

Zooxanthellen und Korallen gehen in seichten tropischen Gewässern eine symbiotische Verbindung zu beiderseitigem Vorteil ein. Die Korallen bieten den Algen einen natürlichen "Anlegehafen" und ideale Voraussetzungen für die Durchführung der Photosynthese. Die Algen wiederum erzeugen den für die Korallen notwendigen Sauerstoff, beseitigen biologischen Müll und produzieren für Korallen überlebenswichtige Nährstoffe. Prinzipiell gedeihen Zooxanthellen und Korallen auch getrennt voneinander. Werden jedoch die Algen von den Korallen aufgrund von diversen Stressfaktoren, etwa erhöhter Meerestemparatur, abgestoßen, verenden die Nesseltiere - ein Phänomen, das Korallenbleiche genannt wird (pressetext berichtete: http://pressetext.at/news/090728028/ ).

Je mehr die Wissenschaft über Korallen und ihre Bewohner, die Algen, erfährt, desto eher könne man den Rückgang der Korallenriffe im Zuge des Klimawandels aufhalten, fasst Koike zusammen. "Wir müssen lernen zu verstehen, wie die symbiotische Beziehung zwischen Koralle und Alge initiiert wird - und zwar so bald als möglich", erklärt der japanische Meeresforscher.

Jörg Tschürtz | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.hiroshima-u.ac.jp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht In Hochleistungs-Mais sind mehr Gene aktiv
19.01.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Warum es für Pflanzen gut sein kann auf Sex zu verzichten
19.01.2018 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie