Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Korallen und Schwämme kommunizieren über ihren Stoffwechsel miteinander

08.01.2016

Ein internationales Forscherteam machte kürzlich eine überraschende Entdeckung im Meer: Korallen und Schwämme kommunizieren über ihren Stoffwechsel miteinander. Dies gilt sowohl für tropische Warmwasserkorallenriffe im Flachwasser als auch für Kaltwasserkorallenriffe in den Tiefen des Nordatlantiks. Diese Entdeckungen wurden jetzt durch die vor Kurzem an der Universität Bremen promovierte kanadische Nachwuchswissenschaftlerin Dr. Laura Rix als Erstautorin in der renommierten multidisziplinären Fachzeitschrift „Scientific Reports“ (http://www.nature.com/articles/srep18715) veröffentlicht.

Das Forscherteam wird gemeinsam von Professor Christian Wild (Marine Ökologie, Universität Bremen), Dr. Malik Naumann (Leibniz Zentrum für Marine Tropenökologie, ZMT), Dr. Jasper de Goeij (University of Amsterdam und Dr. Dick van Oevelen (Royal Netherlands Institute for Sea Research, NIOZ) geleitet.


Der untersuchte rote Schwamm Mycale fistulifera auf einer Steinkoralle der Gattung Stylophora im Roten Meer.

Dr. Laura Rix


Dr. Laura Rix bei der Unterwasserarbeit.

Dr. Malik Naumann

Schwammschleife

Die Forscher fanden heraus, dass Schleime, die kontinuierlich und oft in großen Mengen von Korallen ins Wasser abgegeben werden, von Schwämmen in ihrer Umgebung gut als Nahrung aufgenommen werden können. Der Clou dabei: Ein Großteil der von den Korallen abgegebenen Schleime löst sich sofort im Wasser und ist mikroskopisch klein.

Dieses energie- und nährstoffreiche Material ist daher für die meisten Organismen in Warm- oder Kaltwasserkorallenriffen nicht verwendbar. Schwämme allerdings besitzen eine für das Tierreich einzigartige Eigenschaft: Sie können über einen Prozess, der als „Schwammschleife“ bezeichnet wird, unsichtbares gelöstes organisches Material in sichtbare Teilchen, sogenanntes partikuläres organisches Material, umwandeln.

Schwämme machen dies über einen extrem schnellen Zellstoffwechsel. Dies führt dazu, dass kurz nach der Aufnahme des gelösten organischen Materials, zelluläre Klumpen abgegeben werden. Diese können dann von vielen Rifforganismen, wie wirbellosen Tieren (zum Beispiel Würmern, Schnecken, Krebsen, und Seesternen), als Nahrung verwendet werden.

Parallel-Experimente in 3.000 km Entfernung

Das Forscherteam machte diese Entdeckung durch eine Reihe von Parallel-Experimenten an Feldstationen in Jordanien am Roten Meer und Süd-Schweden am Skagerrak, also an zwei extrem unterschiedlichen Standorten, die mehr als 3000 km auseinander liegen.

Die Korallen und Schwämme für die Experimente wurden in Jordanien aus 5-10 m Wassertiefe durch Taucher, und in Schweden aus mehr als 100 m Wassertiefe mit Hilfe eines Tauchroboters gesammelt. Trotz dieser starken Standort-Unterschiede fielen die Ergebnisse der Experimente sehr ähnlich aus: Der von Korallen-stammende Schleim wurde stets gut von den Schwämmen aufgenommen und zu etwa 20-40 Prozent schnell in Partikel umgewandelt.

Das Spannende an diesen Erkenntnissen ist also, dass es offensichtlich eine weitverbreitete Verknüpfung der Stoffwechselprozesse von Korallen und Schwämmen gibt. Das führt dazu, dass Energie und Nährstoffe in Warm- und Kaltwasserkorallenriffen zurückgehalten und direkt vielen Rifforganismen wieder zur Verfügung gestellt werden.

Dies beugt Verlusten vor. Es handelt sich also um einen neuentdeckten Mechanismus, der zwei der wichtigsten Meeresbewohner miteinander verknüpft. Dieser Mechanismus unterstützt offensichtlich das Funktionieren ganzer Korallenriffökosysteme sowohl in den warmen Flachgewässern der Tropen als auch im kalten Tiefenwasser der gemäßigten Breiten.

Publikation: Rix et al. Coral mucus fuels the sponge loop in warm- and cold-water coral reef ecosystems. Sci. Rep. 5, 18715; doi: 10.1038/srep18715 (2015)

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Fachbereich Biologie/Chemie
Prof. Dr. Christian Wild
Marine Ecology
Tel.: +49 (0)421 218-63367
E-Mail: christian.wild@uni-bremen.de

www.uni-bremen.de

Eberhard Scholz | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Das Geheimnis der Sojabohne: Mainzer Forscher untersuchen Ölkörperchen in Sojabohnen
20.06.2018 | Max-Planck-Institut für Polymerforschung

nachricht Schlüsselmolekül des Alterns entdeckt
20.06.2018 | Deutsches Krebsforschungszentrum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Breitbandservices von DNS:NET erweitert

20.06.2018 | Unternehmensmeldung

Mit Parasiten infizierte Stichlinge beeinflussen Verhalten gesunder Artgenossen

20.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics