Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warum Kontaktallergene nur manche Menschen krank machen

19.09.2012
Freiburger Forscher entschlüsseln Schutzfunktion des Immunsystems
Das allergische Kontaktekzem ist eine akute oder chronische entzündliche Hauterkrankung, die durch eine Überempfindlichkeitsreaktion auf bestimmte Chemikalien oder Metallionen, sogenannte Kontaktallergene, ausgelöst wird. Aktuell sind mehr als 4000 verschiedene Kontaktallergene bekannt.

Die Häufigkeit des allergischen Kontaktekzems in der Bevölkerung wird auf 2% bis 6% geschätzt und die sogenannte Lebenszeitprävalenz, die angibt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass jemand im Laufe seines Lebens eine Kontaktallergie entwickelt, liegt bei 15%. Die meisten Kontaktallergien entstehen am Arbeitsplatz, wo die Betroffenen regelmäßig mit entsprechenden Substanzen in Berührung kommen, das Krankheitsbild gehört zu den häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeiten, die oftmals auch Umschulungen notwendig machen. Daher arbeiten Forscherinnen und Forscher intensiv daran, die Mechanismen der Entstehung des allergischen Kontaktekzems besser zu verstehen und Strategien zu entwickeln, wie die allergische Überempfindlichkeitsreaktion zu verhindern ist.

Tatsächlich reagiert der Großteil der Normalbevölkerung nicht auf Kontaktallergene. Daher stellt sich Hautärztinnen und Hautärzten schon seit längerem die die Frage, ob das „Vertragen“ der Kontaktallergene daher kommt, dass der Körper diese Substanzen einfach ignoriert, oder ob es sich hierbei um einen aktiv gesteuerten Prozess handelt, in dem das Immunsystem lernt, derartige Substanzen zu tolerieren. Inzwischen weiß man, dass es bei Kontakt mit geringsten Konzentrationen von Kontaktallergenen zu dem Phänomen der Kontakttoleranz kommt, das heißt der wiederholte Kontakt mit extrem niedrigen Konzentrationen von Kontaktallergenen führt tatsächlich zu einem Schutz vor Allergien.

Wie das genau funktioniert, wurde nun in einer aktuellen Arbeit der Forschergruppe Allergologie unter der Leitung von Prof. Dr. Thilo Jakob am Universitätsklinikum Freiburg entschlüsselt. In Zusammenarbeit mit einer Forschergruppe des Universitätsklinikums Mainz konnte das Freiburger Team zeigen, dass geringste Konzentrationen des Kontaktallergens zu einer Aktivierung von sogenannten regulatorischen T-Zellen führen, die wiederum dendritische Zellen so beeinflussen, dass sie sich tolerant zeigen und dafür sorgen, dass die für die allergischen Entzündungen der Haut verantwortlichen allergenspezifischen T-Zellen gezielt ausgeschaltet werden.

Das Team um Prof. Dr. Thilo Jakob hofft nun, dass die hieran beteiligten Mechanismen künftig gezielt beeinflusst und die Toleranzentstehung hierdurch verstärkt werden kann. Denkbar sind dafür zwei Ansätze. „Wir könnten die zur Toleranz führenden Mechanismen präventiv unterstützen und damit die Entstehung einer Kontaktallergie verhindern. Interessant wäre aber auch ein therapeutischer Ansatz, mit dem bei bereits bestehender Kontaktallergie das Immunsystem so umprogrammiert wird, dass der Kontakt mit der entsprechenden Substanz wie-der toleriert wird“, erklärt Prof. Dr. Thilo Jakob. Dieses Vorgehen wäre besonders für die Allergene von Bedeutung, die sich im Alltag schlecht meiden lassen.

Titel der Originalveröffentlichung:

Crosstalk of regulatory T cells and tolerogenic dendritic cells prevents contact allergy in subjects with low zone tolerance, Allergy and Clinical Immunology

Kontakt:
Prof. Dr. med. Thilo Jakob
Allergologie und Immundermatologie
Universitätsklinikum Freiburg
Tel.: 0761-270-67140
E-Mail: thilo.jakob@uniklinik-freiburg.de

Doreen Winkler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-freiburg.de
http://www.jacionline.org/article/S0091-6749%2812%2901026-3/abstract
http://doi.org/10.1016/j.jaci.2012.06.022

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Eine Karte der Zellkraftwerke
18.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung
18.08.2017 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie