Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kontakt und Kalzium: Pharmakologen der Uni Graz entdeckten neuen Weg zur Steuerung des Zellwachstums

05.02.2010
Die Möglichkeit, das Wachstum von Zellen gezielt zu beeinflussen, verspricht viele neue Therapie-Möglichkeiten in der Medizin - von der Gewebe-Regeneration bis hin zur Tumorbekämpfung.

ForscherInnen unter der Leitung von Ao.Univ.-Prof. Dr. Klaus Groschner vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Karl-Franzens-Universität Graz haben auf diesem Weg nun einen Meilenstein gesetzt. Sie konnten erstmals klären, unter welchen Voraussetzungen das "Kanal-Protein" TRPC4 Kalzium in eine Zelle transportiert und damit das Zellwachstum ankurbelt. Die Aufsehen erregenden Forschungsergebnisse wurden am 5. Februar 2010 im Fachmagazin "The Journal of Biological Chemistry" veröffentlicht.

Kalzium ist ein wichtiger Stoff zur Förderung des Zellwachstums. Damit er in die Zelle gelangen kann, braucht es einen Transporter. Ein solcher ist das Protein TRPC4. Als "Kanal-Protein" schleust es Kalzium in die Zellen ein - allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. Welche das sind, hat Klaus Groschner mit seinem Team herausgefunden.

"Wir haben entdeckt, dass TRPC4 nur dann als Kalzium-Kanal funktioniert, wenn eine Zelle Kontakt zu einer oder mehreren anderen Zellen hat", berichtet Groschner. "Das ist ausschließlich in einem bestimmten Zellstadium der Fall, nämlich beim Gewebewachstum." In einzelnen, sich frei bewegenden Zellen transportiere TRPC4 kein Kalzium.

Darüber hinaus haben die ForscherInnen auch herausgefunden, dass das Protein Beta-Catenin, das in Tumor- und Stammzellen besonders aktiv ist, mit TRPC4 interagiert. "Es dient als Regulator. Nur wenn Beta-Catenin an TRPC4 bindet, kann der Kanal bei einem Zellkontakt Kalzium transportieren", erklärt Groschner. Dieses Wissen könne nun genutzt werden, um das Zellwachstum gezielt zu kontrollieren. Als mögliche Anwendungsbereiche nennt der Pharmakologe die Gewebe-Regeneration, zum Beispiel bei einer Schädigung des Herzens, oder hemmende Therapien bei Tumorerkrankungen.

Besondere Bedeutung haben die Forschungsergebnisse der Grazer WissenschafterInnen auch deshalb, weil die Untersuchungen erstmals an nativem, funktionellem Gewebe durchgeführt wurden. "Wir verwendeten Endothelzellen aus Hautgefäßen im Originalzustand, wie sie im Körper vorkommen", so Groschner. Bisherige Untersuchungen wären vorwiegend unter eher "künstlichen Bedingungen" an leicht genetisch manipulierbaren Zellen durchgeführt worden.

Kontakt:
Ao.Univ.-Prof. Dr. Klaus Groschner
Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Karl-Franzens-Universität Graz
Tel. 0316/380-5570
E-Mail: klaus.groschner@uni-graz.at
Publikation:
"Cell-cell contact formation governs Ca2+ signaling by TRPC4 in the vascular endothelium: Evidence for a regulatory TRPC4-beta-catenin interaction"
Annarita Graziani, Michael Poteser, Hannes Schleifer, Martin Krenn, Klaus Groschner (Karl-Franzens-Universität Graz); Wolfgang-Moritz Heupel, Detlev Drenckhahn (Julius-Maximilians-Universität Würzburg); Christoph Romanin (Johannes Kepler Universität Linz); Werner Baumgartner (Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen)

"The Journal of Biological Chemistry" (JBC), doi: 10.1074/jbc.M109.060301.

Gudrun Pichler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-graz.at/~groschne

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bakterien aus dem Blut «ziehen»
07.12.2016 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

nachricht HIV: Spur führt ins Recycling-System der Zelle
07.12.2016 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie