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Das komplex-regionale Schmerzsyndrom bleibt häufig unerkannt

08.01.2013
Nach einem Knochenbruch oder Schädigung eines Nervs an Armen oder Beinen leiden jährlich etwa 10 000 Menschen unter starken Schmerzen.

Beim sogenannten komplex-regionalen Schmerzsyndrom (CRPS) führt eine anhaltende Entzündung zu Taubheitsgefühl oder Bewegungsstörungen. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Warum sich ein CRPS bildet, ist weitgehend unklar. Diagnose und Therapie sind schwierig, weil die Symptome stark unterschiedlich ausgeprägt sein können.

Wie Ärzte ein CRPS erkennen und welche Behandlungen erfolgreich sind, erklärt Professor Dr. med. Frank Birklein von der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN), Autor einer aktuellen Veröffentlichung, die im Dezember 2012 in der Fachzeitschrift Klinischen Neurophysiologie (Georg Thieme Verlag, Stuttgart) erschienen ist.

Das komplex-regionale Schmerzsyndrom ist eine Folgeerkrankung nach einer Verletzung an den Extremitäten, zum Beispiel nach einem Knochenbruch oder Schädigung eines Nervs, meist am Arm. Die Symptome können sehr unterschiedlich sein. Typisch sind Schmerzen, die der Arzt durch die eigentliche Verletzung nicht erklären kann und die sich über den ursprünglichen Verletzungsort hinaus ausbreiten.

„Etwa drei Viertel aller CRPS-Patienten beschreiben einen permanenten Schmerz, der brennt, zieht oder sticht“, sagt Professor Birklein, einer der weltweit führenden CRPS-Experten. Häufig treten Schwellungen auf, sowie übermäßiges Schwitzen, Änderungen der Hauttemperatur und -farbe, Bewegungseinschränkungen und Muskelschwund. Bei einigen wachsen Haare, Finger- oder Fußnägel an den betroffenen Stellen unnormal stark.

Warum es zu einem CRPS kommt, ist weitgehend unklar. „Ein wesentlicher Faktor ist die gestörte Rückbildung der ursprünglichen, traumabedingten Entzündung“, sagt der DGKN-Experte Birklein. Wie beim Phantomschmerz kommt es zu Veränderungen in der Großhirnrinde, was die Ausbreitung der Schmerzen erklärt. Um ein CRPS zu erkennen, fordern Klinische Neurophysiologen, mehr als nur die Diagnosekriterien der „International Association for the Study of Pain“ (IASP) anzuwenden. „Wichtig ist, andere Ursachen, die vergleichbare Symptome hervorrufen können, auszuschließen“, so Birklein. Mittels Ultraschall können Klinische Neurophysiologen etwa einen arteriellen Gefäßverschluss ausschließen und durch die Neurographie der Nerven eine Schädigung eines Nerven nachweisen oder unwahrscheinlich machen. Auch rheumatische Erkrankungen oder das Karpaltunnelsyndrom bergen eine Verwechslungsgefahr. Bei Unklarheit kann es hilfreich sein, die Änderung der Hauttemperatur über einen längeren Zeitraum zu messen oder ein 3-Phasen-Knochenszintigramm anzuwenden, rät die DGKN. Dabei macht der Arzt mit Hilfe einer schwach radioaktiven Substanz Aufnahmen vom Skelett des Patienten.

So unklar die Ursachen, so schwierig ist die Behandlung. „Oft werden die Symptome falsch interpretiert oder nicht ernst genommen,“ warnt der DGKN-Experte. „Um bleibende Einschränkungen zu vermeiden, müssen Betroffene möglichst früh therapiert werden“, sagt Birklein. Zu empfehlen sei ein multidisziplinärer Ansatz aus Physiotherapie, Medikamenten und eventuell Psychotherapie.

Quelle: Fechir M., Birklein F.: Aktuelles zur Pathophysiologie und Therapie des komplex-regionalen Schmerzsyndroms (CRPS). Klinische Neurophysiologie, 2012; 43(04): 266-273

Kontakt für Rückfragen:
Pressestelle DGKN
Kathrin Gießelmann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-981
Fax: 0711 8931-167
giesselmann@medizinkommunikation.org

Kathrin Gießelmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgkn.de/

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