Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie kommt der Malaria-Erreger bis in die Leberzelle?

30.11.2011
Heidelberger Parasitologe untersucht die effektive Fortbewegung des Parasiten / Europäischer Forschungsrat fördert Dr. Friedrich Frischknecht mit rund 1,5 Millionen Euro

Für seine bahnbrechende Forschung zur Fortbewegung von Malaria-Parasiten erhält Dr. Friedrich Frischknecht, Abteilung Parasitologie am Department für Infektiologie des Universitätsklinikums Heidelberg (Direktor: Professor Dr. Michael Lanzer), einen Starting Grant des Europäischen Forschungsrates (European Research Council / ERC): Der ERC fördert damit die weitere Arbeit des Nachwuchswissenschaftlers und seines Teams in den kommenden fünf Jahren mit insgesamt 1,45 Millionen Euro.

Ziel des geförderten Projektes „Receptor signalling mediating malaria parasite motility“ ist es, Eiweißstrukturen zu identifizieren, die die einzelligen Malaria-Erreger für ihre äußerst effektive Fortbewegung in ihrem menschlichen Wirt benötigen, und ihre genaue Funktion zu beschreiben. „Wenn wir diese Vorgänge verstehen, können wir eventuell Moleküle herstellen, die die Fortbewegung der Parasiten blockieren“, so Frischknecht. Die Malaria ist nach wie vor eine der gefährlichsten Tropenkrankheiten. Allein in Afrika sterben pro Jahr ca 800.000 Menschen an Malaria, die meisten sind Kinder.

Malaria-Erreger, die so genannten Plasmodien, bestehen aus einer einzigen Zelle und können sich selbständig fortbewegen – eine Voraussetzung für die erfolgreiche Invasion des menschlichen Organismus: Sie gelangen durch den Stich eines infizierten Anopheles-Moskitos in die Haut, dringen von dort in die Blutbahn ein, befallen dann Leberzellen und schließlich rote Blutkörperchen. Dabei bewegen sie sich mit ein bis zwei Tausendstel Millimeter pro Sekunde enorm schnell. Das ist ungefähr zehnmal schneller als die Fresszellen des Immunsystems, die Teil der körpereigenen Parasitenabwehr sind.

Erstmals Bewegungsmechansimus beschrieben

Eine Schlüsselrolle bei dieser Fortbewegung spielen spezielle Haftproteine auf der Oberfläche der Plasmodien. Mit ihnen heften sich die Erreger an menschliche Gewebestrukturen, schieben sich über diese Verankerung hinweg, lösen die Verbindung und schnellen weiter („Stick-Slip-Mechanismus“). Drei dieser sogenannten Adhäsine untersuchen die Heidelberger Wissenschaftler nun genauer. „Wir wollen herausfinden, wie diese Proteine miteinander interagieren, wie z.B. Festheften und Lösen koordiniert werden, welche Rolle die einzelnen Funktionsbereiche der Proteine für die Bewegung spielen und an welchen Untergrund sie binden“, erklärt Frischknecht.

Einige Rätsel um die Frage, wie die Plasmodien von der Speicheldrüse einer Mücke über die Haut des Menschen bis in dessen Blutzellen gelangen, haben Dr. Frischknecht und seine Mitarbeiter bereits gelöst: 2009 beobachtete und beschrieb er zusammen mit einem interdisziplinären Team im Rahmen des Exzellenzclusters „CellNetworks“ der Universität Heidelberg erstmals den Stick-Slip-Fortbewegungsmechanismus der Einzeller mit Hilfe einer neuartigen Mikroskopietechnik; 2011 zeigte seine Gruppe, dass diese Fortbewegung nicht wie bei vielen Mikroben von chemischen Reizen, sondern durch die Architektur der Umgebung bestimmt ist. Inzwischen hat er gemeinsam mit den Teams um Professor Dr. Ulrich Schwarz vom Institut für Theoretische Physik und Professor Dr. Joachim Spatz vom Institut für Biophysikalische Chemie der Universität Heidelberg weitere biophysikalische Methoden entwickelt, um die Bewegung im Detail zu untersuchen.

Friedrich Frischknecht studierte in Berlin und Cambridge Biochemie, promovierte am European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg und forschte am Institut Pasteur in Paris. Seit 2005 leitet der 42-Jährige eine Arbeitsgruppe der Abteilung Parasitologie am Department für Infektiologie des Universitätsklinikums Heidelberg. Seine Forschung zu den Bewegungsmeschanismen der Plasmodien wurde bereits mehrfach mit renommierten Preisen ausgezeichnet, z.B. 2004 mit dem mit 1,5 Millionen Euro dotierten BioFuture Preis des Bundesminsteriums für Bildung und Forschung.

Weitere Informationen im Internet:
Homepage der AG Frischknecht:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Malaria-3-Frischknecht.100117.0.html
Ansprechpartner:
Dr. Friedrich Frischknecht
Abteilung für Parasitologie, Department für Infektiologie
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 65 37
E-Mail: freddy.frischknecht@med.uni-heidelberg.de
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 10.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Malaria-3-Frischknecht.100117.0.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Eine Karte der Zellkraftwerke
18.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung
18.08.2017 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie