Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Körpereigenes Bluteiweiss schützt vor Komplikationen bei Bluttransfusionen

17.04.2012
Transfusionen von gelagertem Blut können bei Patienten zu Kreislaufproblemen oder gar zum Tod führen. Je länger die Blutkonserve gelagert wird, desto höher ist das Risiko dafür. Forscher der Universität Zürich und der amerikanischen Food and Drug Administration haben nun eine Lösung gefunden: Ein körpereigenes Bluteiweiss – Haptoglobin – könnte in Zukunft Bluttransfusionen sicherer machen.

Die Bluttransfusion ist seit Anfang des letzten Jahrhunderts eine Routinetherapie bei Patientinnen und Patienten mit Blutarmut. So erstaunt es umso mehr, dass auch bei passenden Blutgruppen häufiger als gedacht Komplikationen entstehen, die zu schweren Kreislaufproblemen, Organschäden oder sogar zum Tod führen können.

Lagerung von Blutkonserven problematisch

Eine wichtige Rolle scheint dabei das Alter der Blutkonserven zu spielen. So steigt die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen, je länger das Blut vor der Transfusion gelagert worden ist. Forschende der Universität Zürich und der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) zeigen nun im Tiermodell, dass nach der Transfusion von gelagertem Blut viel mehr rote Blutkörperchen kaputt gehen, als nach einer Transfusion von frischem Blut. Der durch diese Zerstörung freigesetzte Sauerstoffträger Hämoglobin führte in den transfundierten Tieren direkt zu einem gefährlichen Anstieg des Blutdrucks sowie zu Schäden an den Blutgefässen und Nieren. Ähnliche Mechanismen könnten bei Patienten Komplikationen verursachen, die nach einer Transfusion von gelagertem Blut auftreten.

Haptoglobin bindet Hämoglobin und macht es unschädlich

Die gefährliche Eigenschaft von Hämoglobin ist auf die hohe Reaktionsbereitschaft des Eisens in diesem Protein zurückzuführen. Krankheiten wie Malaria, die ebenfalls zur Freisetzung von Hämoglobin führen, haben zur Evolution von Schutzproteinen wie zum Beispiel dem Haptoglobin geführt. Dieses Bluteiweis wird in den Blutkreislauf abgegeben, wo es das toxische Hämoglobin bindet und dessen Abbau unterstützt. Genau diesen natürlichen Schutzmechanismus hat sich die schweizerisch-amerikanische Forschergruppe nun zu Nutze gemacht: Sie hat gleichzeitig mit der Bluttransfusion gereinigtes Haptoglobin verabreicht und beobachtet, dass die transfusionsbedingten Komplikationen ausblieben.

Diese Resultate haben ein grosses medizinisches Potential: «Wir haben eine Möglichkeit gefunden, wie vielleicht in Zukunft auch länger gelagerte Blutkonserven sicher zur Transfusion genutzt werden können. Dies könnte nicht nur für die Notfallmedizin, sondern auch für blutspenderarme Länder oder in Zeiten von Blutkonservenmangel von immenser Bedeutung sein», erklärt Dominik Schaer, vom Universitätsspital und Zentrum für Integrative Humanphysiologie der Universität Zürich.

Literatur:
Jin Hyen Baek, Felice D’Agnillo, Florence Vallelian, Claudia P. Pereira, Matthew C. Williams, Yiping Jia, Dominik J. Schaer and Paul W. Buehler. Hemoglobin-driven pathophysiology is an in vivo consequence of the red blood cell storage lesion that can be attenuated in guinea pigs by haptoglobin therapy. The Journal of Clinical Investigation. 26 March, 2012. doi: 10.1172/JCI59770
Kontakt:
PD Dr. med. Dominik J. Schaer
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin
Universitätsspital Zürich
Tel. +41 44 255 23 82
E-Mail: dominik.schaer@usz.ch

Nathalie Huber | Universität Zürich
Weitere Informationen:
http://www.uzh.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie