Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Können Borneos Säugetiere trotz Abholzung und Klimawandel überleben?

23.01.2015

Borneo ist nicht nur die drittgrößte Insel der Welt und die größte Insel Asiens, sondern zugleich ein Hotspot der biologischen Vielfalt (Biodiversität). Die zahlreichen einzigartigen Wildtiere Borneos sind vom Aussterben bedroht. Dennoch besteht – bei Einsatz von gezielten Erhaltungsmaßnahmen – nach Angaben von Wissenschaftlern Hoffnung. Diese haben Veränderungen in der Landschaft Borneos mit Hilfe von Modellen für die nächsten 65 Jahre vorhergesagt. Die aktuellen Ergebnisse der Studie wurden jetzt in der Fachzeitschrift „Current Biology“ veröffentlicht.

„Zusätzlich zu bereits bestehenden geschützten Arealen und Reservaten wäre lediglich eine kleine Fläche auf Borneo – ungefähr 28.000 km² oder vier Prozent der Insel – notwendig, um viele Säugetiere vor den Gefahren der Abholzung und des Klimawandels zu schützen“, sagt Matthew Struebig von der Universität Kent in England.


Flachkopfkatze

Foto: Andreas Wilting, Azlan Mohamed, Sabah Wildlife Depatment, Sabah Forestry Department


Otterzivette

Foto: Andreas Wilting, Azlan Mohamed, Sabah Wildlife Depatment, Sabah Forestry Department

„Da geeignete Habitate sich in Zukunft ins Hochland verlagern, gewinnen Waldgebiete in höher gelegenen Regionen an Bedeutung“, fügt Andreas Wilting vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) hinzu. Angesichts der Tatsache, dass ein Großteil des besagten Landes kommerziell für die Holzwirtschaft genutzt wird, ist die Holzwirtschaft auch in der Lage, eine entscheidende Rolle bei der Erhaltung der Artenvielfalt zu spielen.

Um die Zukunft der Säugetiere in Borneo einschätzen zu können, haben die Wissenschaftler einen neuen Ansatz gewählt. „Nur wenige Prognosen für den Artenschutz untersuchen sowohl die Effekte des Klimawandels als auch die von Landnutzungsveränderung auf die tropische Artenvielfalt. Das liegt daran, dass sich zukünftige Landnutzungsänderungen oft nicht großräumig verlässlich vorhersagen lassen“, erklärt die IZW Wissenschaftlerin Stephanie Kramer-Schadt.

Die Wissenschaftler jedoch überwanden diese Hürde, indem sie zunächst eine Vorhersage erstellten, welche die Waldgebiete identifiziert, die mit der höchsten Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahrzehnten in Nutzflächen umgewandelt werden. Darüber hinaus etablierten sie ein globales Netzwerk von über 60 Wissenschaftlern, die die Säugetiere Borneos erforschen. Nur durch diese Zusammenarbeit konnten für jede einzelne Säugetierart auf Borneo Waldgebiete ausfindig gemacht und dokumentiert werden, die auch in Zukunft den jeweiligen Anforderungen gerecht werden.

Die aktuelle Studie zeigt, dass durch den Klimawandel jede dritte Säugetierart auf Borneo bis zum Jahr 2080 etwa 30 % ihres Lebensraumes verlieren könnte. Rechnet man den Verlust durch Holzeinschlag noch hinzu, bedeutet das für nahezu die Hälfte aller Säugetiere auf Borneo einen Lebensraumverlust von bis zu 30 % in den nächsten sechs Jahrzehnten.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Abholzung und Klimawandel besonders die Tieflandregenwälder Borneos treffen werden. Diese Wälder und die damit verbundenen Torf- und Sumpfgebiete sind von großer Bedeutung für bedrohte Arten wie die Otterzivette und die Flachkopfkatze. Höher gelegene Waldgebiete spielen hingegen eine entscheidende Rolle als zukünftig geeignete Lebensräume, die für viele bedrohte Arten die Auswirkungen des Klimawandels begrenzen könnten.

Mit den neuen Ergebnissen hoffen die Forscher, grundlegende Veränderungen für den angewandten Naturschutz in der Praxis herbeiführen zu können. Im Rahmen der „Borneo Futures“ Initiative (http://www.borneofutures.org/about.html) wird das aus Wissenschaftlern, Vertretern von Naturschutzorganisationen und Regierungseinrichtungen bestehende Team seine Ergebnisse Regierungsvertretern in Indonesien, Malaysia und Brunei vorstellen. So können die wissenschaftlichen Ergebnisse auch von den lokalen Entscheidungsträgern berücksichtigt werden, damit auch in Zukunft die Vielfalt der Säugetiere auf Borneo erhalten bleibt.

Publikation:
Struebig MJ, Wilting A, Gaveau DLA, Meijaard E, Smith RJ, The Borneo Mammal Distribution Consortium, Fischer M, Metcalfe K, Kramer-Schadt S (2015): Targeted Conservation to Safeguard a Biodiversity Hotspot from Climate and Land-Cover Change. CURRENT BIOLOGY 25, 1–7. http://dx.doi.org/10.1016/j.cub.2014.11.067.

Kontakt:
Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
Forschungsverbund Berlin e.V.
Berlin, Germany

Dr Stephanie Kramer-Schadt
Tel: +49 30 51 68 714
Email: kramer@izw-berlin.de

Dr Andreas Wilting
Tel: +49 30 51 68 333
Email: wilting@izw-berlin.de

Steven Seet
Tel: +49 30 51 68 125
Mobil: +49 177 857 26 73
Email: seet@izw-berlin.de

University of Kent
Gary Hughes
Tel: +44 (0)1227 823581/01634 888879
Email: g.m.hughes@kent.ac.uk

Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) ist eine national und international renommierte Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft. Mit den Forschungszielen „Anpassungsfähigkeit verstehen und verbessern“ untersucht es die evolutionären Anpassungen von Wildtierpopulationen und ihre Belastungen durch den globalen Wandel und entwickelt neue Konzepte und Maßnahmen für den Artenschutz. Dafür setzt es seine breite interdisziplinäre Kompetenz in Evolutionsökologie und –genetik, Wildtierkrankheiten, Reproduktionsbiologie und –management im engen Dialog mit Interessensgruppen und der Öffentlichkeit ein.
Das IZW gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V.

Weitere Informationen:

http://www.izw-berlin.de
http://www.cell.com/current-biology/abstract/S0960-9822(14)01565-6
http://www.kent.ac.uk/news

Karl-Heinz Karisch | Forschungsverbund Berlin e.V.

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung
22.03.2017 | Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

nachricht Mit voller Kraft auf Erregerjagd
22.03.2017 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie