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Knochenfresser-Wurm 30 Mio. Jahre alt

20.04.2010
Forscher der Uni Kiel finden Spuren von Osedax in Walknochen

Ein internationales Team von Wissenschaftlern um den Paläontologen Dr. Steffen Kiel von der Kieler Universität konnte erstmals fossile Bohrlöcher des Wurms Osedax nachweisen, der sich von Walknochen auf dem Grund der Tiefsee ernährt.

Sie schließen daraus, dass der Knochenfresser-Wurm mindestens 30 Millionen Jahre alt ist. Das Ergebnis wird in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences USA (PNAS) veröffentlicht (19.04.10).

Vor sechs Jahren hatten Wissenschaftler des Scripps Institut für Ozeanografie in La Jolla, Kalifornien, diesen Wurm als neue Art entdeckt - auf einem Walkadaver in 2800 m Tiefe lebend. Seitdem suchen Paläontologen nach fossilen Hinweisen, um das geologische Alter dieses Knochenfressers zu bestimmen.

Nun fanden die Forscher vom Institut für Geowissenschaften der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel in 30 Millionen Jahre alten Walknochen aus dem amerikanischen Bundesstaat Washington Bohrlöcher und Hohlräume, die in Form und Größe exakt denen der heute lebenden Zombie-Würmer entsprechen. Um die Bohrlöcher exakt darstellen zu können, fertigten die Wissenschaftler eine computertomografische Aufnahme (CT-Scan) des fossilen Knochens an. Er stammt vom Urahn unserer heutigen Bartenwale. Sein Alter wurde anhand von so genannten Leitfossilien bestimmt.

"Das Alter unserer Fossilie fällt mit dem Zeitraum zusammen, ab dem wir Wale auf dem offenen Ozean nachweisen können", erklärt Steffen Kiel, der seit längerem in der Arbeitsgruppe der Professorin Priska Schäfer die Evolution und Fossilgeschichte von Tiefsee-Ökosystemen erforscht. Nur vom offenen Ozean aus konnten tote Wale auf den Grund der Tiefsee sinken, wo sie dann dem Knochenfresser-Wurm als Nahrung dienten. "Nahrung ist knapp in den Weiten der Tiefsee und das fast gleichzeitige Erscheinen dieser Wale und des Zombie-Wurms zeigt, dass selbst harte Walknochen sehr schnell als Nahrungsquelle erschlossen wurden" erläutert Steffen Kiel die Bedeutung dieser Fossilien.

Gefunden hat den alten Knochen der amerikanische Fossiliensammler Jim Goedert. Er sammelt seit über 30 Jahren Fossilien und ist in Fachkreisen kein Unbekannter. Steffen Kiel berichtet: "Ich lernte Jim während meiner Doktorandenzeit kennen, als er die Uni Hamburg besuchte. Ich habe den Kontakt dann weiter gepflegt." Inzwischen hat Steffen Kiel die amerikanische Pazifikküste, die geologisch höchst aktiv ist und immer wieder Fossilien nach oben bringen, auch selber besucht.

Wenig erfreut über das hohe Alter des Zombie-Wurms könnten Wirbeltierpaläontologen sein, müssen sie doch damit rechnen, dass er fast die ganze Evolutionsgeschichte der Wale hindurch die Knochen zerfressen und damit potenzielle Forschungsobjekte zerstört hat.

Kontakt:
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Institut für Geowissenschaften
Dr. Steffen Kiel
Tel. +49 (0)431/880-2856
E-Mail: steffen.kiel@gmx.de

Susanne Schuck | idw
Weitere Informationen:
http://www.pnas.org/

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