Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit kleinen Molekülen gegen Blutkrebs

31.08.2010
Ermutigende Ergebnisse einer klinischen Studie zur Behandlung der häufigsten Form von Blutkrebs unter Erwachsenden haben Mediziner des Magdeburger Universitätsklinikums jetzt zusammen mit Krebsforschern aus den USA und der Universität Dresden im renommierten Fachjournal „Journal of Clinical Oncology“ vorgestellt.

Die Forschungen geben Anlass zur Hoffnung, künftig noch besser jenen Menschen helfen zu können, die an einer sogenannten akuten myeloischen Leukämie (AML) leiden und von einer Chemotherapie bislang nur unzureichend oder gar nicht profitieren. Betroffen von einer AML sind über zwei Drittel aller Erwachsenen mit bösartigen Erkrankungen des blut-bildenden Systems.

In den vergangenen vier Jahrzehnten konnten deutliche Verbesserungen bei der Behandlung von Leukämien erreicht werden. Wegen der Vielfalt dieser Erkrankungen helfen die Therapieverbesserungen aber noch nicht jedem Leukämie-Patienten. Während die Heilungschancen zum Beispiel bei der vor allem unter Kindern und Jugendlichen häufigen akuten lymphatischen Leukämie recht gut sind, und neue, zielgerichtete Therapien auch zu deutlich besseren Behandlungserfolgen bei der chronisch myeloischen Leukämie führten, ist die Therapie meist älterer Menschen, die an einer akuten myeloischen Leukämie (AML) leiden, nicht zufriedenstellend.

„Nur bei einem kleinen Teil der älteren Patienten über 60 Jahre lässt sich bisher mit der Chemotherapie eine Heilung bzw. deutliche Verzögerung des Krankheitsverlaufes und Besserung der Symptome erreichen“, sagt Professor Dr. med. Thomas Fischer, Direktor der Magdeburger Universitätsklinik für Hämatologie und Onkologie.

Das ist umso bedauerlicher, da über zwei Drittel aller bösartigen Erkrankungen des blut-bildenden Systems unter Erwachsenen als eine AML diagnostiziert werden. Von 100.000 Menschen in Deutschland erkranken jährlich sechs an einer AML. Bei diesem Tumor vermehren sich unreife weiße Blutkörperchen (so genannte Blasten) unkontrolliert. Bislang versuchen Onkologen, mit einer Chemotherapie die Erkrankung zu stoppen. Während bei jüngeren Erwachsenen die Erkrankung dadurch in etwa 40 Prozent der Fälle geheilt werden kann, sprechen ältere Patienten auf die Chemotherapie häufig nicht oder nur unzureichend an.

Eine Hoffnung der modernen Medizin ruht daher auf zielgerichteten Blutkrebstherapien, die durch Fortschritte der Molekularbiologie und Genetik möglich wurden. So konnten bei der akuten myeloischen Leukämie Mutationen eines Enzyms nachgewiesen werden, das die Zelldifferenzierung, das Zellwachstum und die Zellwanderung unreifer weißer Blutkörperchen reguliert. FLT-3 nennen die Forscher diese sogenannte Rezeptor-Tyrosinkinase. Man kann sie sich als eine molekulare Antenne auf bestimmten weißen Blutkörperchen (Leukozyten) vorstellen. Fehler (Mutationen) im molekularen Aufbau dieser „Antennen“ sorgen für eine fehlerhafte Informationsübertragungen, die eine fatale Kaskade von Reaktionen in Gang setzen, die schließlich das Leben eines Menschen bedrohen.

Ziel der Forschung ist es, mit maßgeschneiderten kleinen Molekülen, die veränderten Rezeptor-Tyrosinkinasen zu blockieren und damit den Blutkrebs zu stoppen. Erstmals ist das vor einem Jahrzehnt bei einer anderen Blutkrebsart, der chronisch myeloischen Leukämie gelungen - auch damals schon unter Mitarbeit von Professor Thomas Fischer. Mit dieser neuen Therapie konnte ein Langzeitüberleben der Patienten von über 90 Prozent erreicht werden.

Auf ähnlich gute Erfolge hofft das Ärzteteam von der Abteilung für Hämatologie und Onkologie am Magdeburger Universitätsklinikum auch bei der AML. In einer internationalen klinischen Phase IIb-Studie hatten die Mediziner 95 AML-Patienten mit einem neuen Wirkstoff (Midostaurin/PKC 412) behandelt, der das Zellwachstum mutierter Leukozyten verhindern soll.

„Wir konnten bei ca. zwei Drittel unserer Patienten eine Reduzierung der unreifen Vorstufen der weißen Blutzellen um die Hälfte feststellen“, sagt der Magdeburger Studienleiter. Die Zahl leukämischer Zellen im Blut konnte damit signifikant gesenkt werden. Bei einigen Patienten wurde auch der Krankheitsfortschritt zeitweilig gestoppt.

Bei der Bewertung dieser Studienergebnisse zeigt sich Professor Fischer optimistisch. Zugleich bremst er aber allzu hohe Erwartungen von Patienten. „Das ist ein wichtiger Teilerfolg“, sagt er. „Jetzt wird in einer Phase III-Studie untersucht, ob durch die Kombination mit einer Chemotherapie noch bessere Ergebnisse zu erreichen sind“. Auch an dieser klinischen Studie sind Onkologen des Magdeburger Universitätsklinikums beteiligt.

Notiz: Die randomisierte Phase IIb-Studie mit Midostaurin/PKC 412 wurde von Novartis finanziert.

Veröffentlichung: „Journal of Clinical Oncology“ (doi: 10.1200/JCO.2009.27.6295)

Weitere Informationen zu Leukämie-Studien erhalten Sie unter: http://www.kompetenznetz-leukaemie.de/

Ansprechpartner für Redaktionen:
Prof. Dr. med. Thomas Fischer
Direktor der Universitätsklinik für Hämatologie und Onkologie Magdeburg
Tel.: 0391 67 13266 Fax.: 0391 67 13267
thomas.fischer@med.ovgu.de

Kornelia Suske | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-magdeburg.de/khae
http://www.kompetenznetz-leukaemie.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Verbesserte Kohlendioxid-Fixierung dank Mikrokompartiment
25.09.2017 | Max-Planck-Institut für Biochemie

nachricht Regenbogenfarben enthüllen Werdegang von Zellen
25.09.2017 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Hochvolt-Lösungen für die nächste Fahrzeuggeneration!

25.09.2017 | Seminare Workshops

Seminar zum 3D-Drucken am Direct Manufacturing Center am

25.09.2017 | Seminare Workshops