Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kleine Sänger: Männliche Hausmäuse halten ihren Angebeteten ein Ständchen

26.01.2012
Manchen wird überraschen, dass männliche Hausmäuse singen, um Partnerinnen anzulocken. Leider kann das menschliche Ohr diese Melodien nicht hören, sie liegen im Ultraschallbereich.
Durch spektroskopische Analysen fanden Forschende der Vetmeduni Vienna heraus, dass die Gesänge der Mausmännchen Signale über Individualität und Verwandtschaft enthalten. Ihre Ergebnisse erscheinen in den Zeitschriften „Physiology & Behavior“ und „Journal of Ethology“.

Es ist seit einiger Zeit bekannt, dass Hausmäuse (Mus musculus) bei der Balz Ultraschall-Laute (ultrasonic vocalizations, USVs) produzieren, aber im Allgemeinen wurde bisher angenommen, dass es sich bloß um Quietschlaute handelt. Aktuelle spektrographische Analysen zeigten, dass diese USVs komplex sind und Merkmale von Gesängen zeigen. Obwohl Mauslaute normalerweise für das menschliche Ohr unhörbar sind, sind sie bei verlangsamter Wiedergabe von Tonaufnahmen dem Vogelgesang auffällig ähnlich. Frauke Hoffmann, Kerstin Musolf und Dustin Penn vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) wollten erkunden, welche Art von Informationen diese Ständchen für die anspruchsvollen Ohren weiblicher Mäuse enthalten.

In früheren Studien, bei denen die Forschenden erstmalig die Lieder wilder Mäuse untersuchten, konnten sie bestätigten, dass Mausmänner singen, wenn sie dem Duft eines Weibchens begegnen, und dass Weibchen von diesen Liedern angezogen werden. Darüber hinaus entdeckten sie, dass weibliche Mäuse in der Lage sind, den Gesang von Geschwistern von jenem nicht verwandter Männchen zu unterscheiden – sogar wenn sie ihre Brüder zuvor noch nie singen gehört hatten.

Akustische Fingerabdrücke

In ihren jüngsten Untersuchungen zeichnete das Forschungsteam die Balzrufe von gefangenen wilden Hausmäusen erstmals auf und untersuchten diese Aufzeichnungen mit digitaler Audiosoftware auf Faktoren wie Dauer, Tonhöhe und Frequenz. Sie fanden heraus, dass diese Lieder einzelne Passagen enthalten, die wie Fingerabdrücke von einem Individuum zum anderen unterschiedlich sind. Außerdem bestätigten sie, dass die Lieder von Geschwistern einander im Vergleich zu denen nicht verwandter Männchen sehr ähnlich sind. Dies mag erklären, wie Weibchen nicht verwandte Männchen von Brüdern unterscheiden können. Dadurch vermeiden Mäuse offenbar Inzucht.

Gesang wie bei Singvögeln

Interessant ist, dass bei einigen Vogelarten die Männchen mit den komplexesten Gesängen bei der Balz am erfolgreichsten zu sein scheinen. Weitere Studien sind erforderlich, um festzustellen, ob die Komplexität der Lieder der Mausmännchen eine ähnliche Wirkung auf Mausweibchen hat, wie die "sexy Silben" bei Vögeln. Die Laute wilder Hausmäuse unterscheiden sich zudem signifikant von denen der Inzucht-Stämme von Labormäusen. Wilde männliche Mäuse produzieren mehr Silben in hohen Frequenzbereichen als Labormäuse, was mit anderen Untersuchungsergebnissen über genetische Effekte auf Mauslautäußerungen übereinstimmt. "Es scheint, dass Hausmäuse zu einem neuen Modellorganismus für das Studium von tierischem Gesang werden könnten", sagt Dustin Penn, „wer hätte das gedacht?“

Der Artikel “Spectrographic analyses reveal signals of individuality and kinship in the ultrasonic courtship vocalizations of wild house mice” von Frauke Hoffmann, Kerstin Musolf and Dustin J. Penn wurde in der Zeitschrift “Physiology & Behavior” (Volume 105, Issue 3, pp. 766-771) veröffentlicht.
Zusammenfassung des Artikels in “Physiology & Behavior” online (Volltext gegen Entgelt oder Subskription):
http://dx.doi.org/10.1016/j.physbeh.2011.10.011

Der Artikel “Ultrasonic courtship vocalizations in wild house mice: spectrographic analyses” von Frauke Hoffmann, Kerstin Musolf and Dustin J. Penn ist in der Zeitschrift “Journal of Ethology” (Volume 30, Number 1, pp. 173-180) erschienen.
Zusammenfassung des Artikels im “Journal of Ethology” online (Volltext gegen Entgelt oder Subskription):
http://dx.doi.org/10.1007/s10164-011-0312-y

Rückfragehinweis
Priv.Doz. Dr. Dustin J. Penn, E dustin.penn@vetmeduni.ac.at,
T +43 1 4890915-823

Aussender
Klaus Wassermann, E klaus.wassermann@vetmeduni.ac.at, T +43 1 25077-1153

Klaus Wassermann | idw
Weitere Informationen:
http://www.vetmeduni.ac.at

Weitere Berichte zu: Balz Hausmäuse Labormäuse Mausmännchen Mäuse Weibchen singende Männchen volume

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht
18.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Pflanzen können drei Eltern haben
18.10.2017 | Universität Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik