Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Khoisan-Völker entwickelten sich teilweise getrennt

17.10.2012
Genetische Untersuchungen decken die biologische Geschichte der im südlichen und östlichen Afrika lebenden Jäger und Sammler auf

In Fachkreisen ist umstritten, ob im östlichen und südlichen Afrika lebende Völker, die sogenannte „Khoisan-Sprachen“ mit Schnalzkonsonanten sprechen, von gemeinsamen Vorfahren abstammen.


Taa-Sprecher aus Namibia.
© DOBES/Taa

Die bislang umfangreichste von einem internationalen Forscherteam unter der Leitung von Brigitte Pakendorf erstellte Studie zur genetischen Diversität dieser Populationen liefert nun aussagekräftige Nachweise dafür, dass eine biologisch-genetische Verbindung zwischen dem östlichen und südlichen Afrika tatsächlich besteht.

Darüber hinaus dokumentiert die Studie, dass Jäger- und Sammlerpopulationen im nordwestlichen und südöstlichen Kalahari-Gebiet im südlichen Afrika innerhalb der letzten 30.000 Jahre teilweise genetisch voneinander getrennt waren. Außerdem konnten die Forscher ermitteln, dass vor etwa 1.200 Jahren eine Vermischung dieser Populationen mit Einwanderern aus dem Norden begonnen hat.

Wissenschaftler haben eine genetische Verbindung zwischen Populationen im südlichen und östlichen Afrika entdeckt, die sogenannte „Khoisan-Sprachen“ mit Schnalzlauten sprechen. Diese Populationen, die die ältesten genetischen Abstammungslinien bergen, lebten ursprünglich hauptsächlich als Jäger und Sammler, haben aber jetzt teilweise begonnen, diese Lebensweise aufzugeben.

Bei der Untersuchung von Unterschieden in der DNA fand ein internationales Forscherteam heraus, dass die Khoisan-Populationen im südlichen Afrika zwei großen Gruppen zugeordnet werden können, die wiederum eine gewisse genetische Verbindung mit Populationen aus dem östlichen Afrika aufweisen. „Seit Jahren wurden die Jäger- und Sammlerpopulationen im südlichen Afrika als genetisch einheitlich betrachtet“, sagt Brigitte Pakendorf, Wissenschaftlerin am französischen CNRS (Centre National de la Recherche Scientifique) in Lyon, die die Studie koordinierte. „Unsere Arbeit zeigt jedoch, dass diese Populationen ihre jeweils eigene komplexe Geschichte haben.“

„Es ist sehr interessant, dass die genetische Daten die zunehmenden linguistischen Hinweise zu bestätigen scheinen, dass Khoisan aus linguistischer Sicht nicht als Familie miteinander verwandter Sprachen betrachtet werden kann, sondern als ein in erster Linie durch Kontaktprozesse entstandener Sprachbund“, ergänzt Tom Güldemann, Koautor der Studie und Professor am Institut für Asien- und Afrikawissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin.

In der bislang umfangreichsten Studie zur genetischen Diversität der Khoisan-Völker erhoben die Forscher Daten von 21 Gruppen aus dem südlichen und zwei Gruppen aus dem östlichen Afrika. Sie untersuchten mehr als 500.000 spezifische DNA-Varianten und analysierten die Muster genetischer Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen.

Die ersten Ergebnisse betreffen die im südlichen Afrika lebenden Khoisan. Die Studie zeigt, dass sich in den letzten 30.000 Jahren zwei große genetische Gruppen der Khoisan zeitweise getrennt voneinander weiterentwickelt hatten. Die Analyse zeigt aber auch, dass vor 1.200 Jahren eine Vermischung beider Gruppen mit anderen afrikanischen Populationen, die ins südliche Afrika einwanderten, begonnen hat. „Alle Khoisan weisen einen bestimmten Vermischungsgrad auf“, sagt Joseph Pickrell, der an der Harvard Medical School forscht und Erstautor der Studie ist. „Bei einigen Populationen ist dieser nur sehr klein, da sie größtenteils isoliert lebten. Andere Khoisan weisen einen sehr hohen Vermischungsgrad auf.“

„Diese Studie war nur durch das Zusammenkommen ausgezeichneter Ressourcen möglich, darunter eine umfangreiche Probensammlung sowie neue statistische und genetische Werkzeuge. Mit deren Hilfe konnten wir über die jüngste Geschichte der Vermischung hinausblicken um etwas über die Verwandtschaften von Khoisan-Populationen zu erfahren, die vor tausenden von Jahren lebten“, sagt Koautor Mark Stoneking, Professor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

David Reich, ein weiterer Koautor und Professor für Genetik an der Harvard Medical School ergänzt: „Die genetische Verbindung, die wir zwischen Jägern und Sammlern aus dem südlichen und östlichen Afrika gefunden haben, ist äußerst spannend. Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass vor Beginn der Migrationen aus dem Norden diese Populationen über ein riesiges Gebiet – einschließlich Tansania und das südliche Afrika - verbreitet gewesen sein könnten.“

Ansprechpartner
Sandra Jacob
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
Telefon: +49 341 3550-122
Fax: +49 341 3550-119
Email: jacob@­eva.mpg.de
Constanze Haase
Humboldt-Universität, Berlin
Telefon: +49 30 2093-2332
Email: constanze.haase@­hu-berlin.de
Originalpublikation
Joseph K. Pickrell, Nick Patterson, Chiara Barbieri, Falko Berthold, Linda Gerlach, Tom Güldemann, Blesswell Kure, Sununguko Wata Mpoloka, Hirosi Nakagawa, Christfried Naumann, Mark Lipson, Po-Ru Loh, Joseph Lachance, Joanna Mountain, Carlos Bustamante, Bonnie Berger, Sarah Tishkoff, Brenna Henn, Mark Stoneking, David Reich, Brigitte Pakendorf
The genetic prehistory of southern Africa
Nature Communications, October 2012

Sandra Jacob | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/6392696/khoisan-voelker

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie