Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kanarienvogelrasse wird zwangsläufig schwerhörig – Genetische Störung setzt erst nach Schlüpfen ein

15.12.2010
Im Gegensatz zu Säugetieren können Vögel Haar-Sinneszellen im Innenohr ersetzen, die durch übermäßig laute Geräusche oder giftige Substanzen zerstört wurden.

Wissenschaftler erforschen daher seit einiger Zeit die dabei zugrundeliegenden Mechanismen, um die Regeneration der Sinneszellen auch für den Menschen möglich zu machen. Dabei ist die Kanarienvogelrasse der „Belgischen Wasserschläger“ (BW) besonders interessant.

Sie wurde über Jahrhunderte für einen lauten und Nachtigall-artigen Gesang herangezüchtet. Dabei hat sich bei dieser Art aber eine genetisch bedingte Hörstörung entwickelt, die unter anderem durch den Verlust von Haar-Sinneszellen im Innenohr hervorgerufen wird.

Seit vielen Jahren wird diese Hörstörung an der HNO-Klinik der Universität Regensburg von PD Dr. Otto Gleich – in Kooperation mit Prof. Dr. Robert J. Dooling von der University of Maryland in den USA – untersucht. In einer neuen Studie konnten die Forscher aus Regensburg und Maryland nun nachweisen, dass die Hörstörung und der Haarzellverlust bei den „BW-Kanarienvögeln“ nicht angeboren sind, sondern sich erst im Verlauf von mehreren Wochen nach dem Schlüpfen entwickeln. Dazu wurden die Haar-Sinneszellen von den Forschern anatomisch untersucht. Darüber hinaus erfassten die Wissenschaftler die Hörschwellen – also den Schalldruckpegel, bei dem das Gehör Geräusche gerade noch wahrnimmt – mittels elektrophysiologischer Messungen in der Phase zwischen dem Schlüpfen und dem Erreichen eines Alters von drei Monaten.

Unmittelbar nach dem Schlüpfen zeigte sich bei der Messung der Hörschwellen kein wesentlicher Unterschied zwischen BW-Kanarienvögeln und anderen Kanarienvogelrassen. Dasselbe wurde für die Anzahl der Haar-Sinneszellen festgestellt. Während der ersten Wochen nach dem Schlüpfen wiesen BW-Kanarienvögel eine annähernd normale Reifung der Hörschwellen auf, wobei sie im Alter zwischen zwei und vier Wochen ein im Vergleich zu erwachsenen Artgenossen deutlich besseres Hörvermögen aufwiesen. Im Alter zwischen ein und drei Monaten entwickelte sich dann aber die typische Hörstörung. Dieser Verlust des Hörvermögens spiegelt sich auch in anatomischen Befunden der Regensburger Forscher wider, wonach die BW-Kanarienvögel ab einem Alter von einem Monat auch verstärkt Haar-Sinneszellen verlieren.

Die Ergebnisse der Wissenschaftler sind vor kurzem in der renommierten Fachzeitschrift „Hearing Research“ erschienen (DOI: 10.1016/j.heares.2010.07.003).

Hörforschung an der Universität Regensburg:
An der HNO-Klinik der Universität Regensburg wurde 1992 das Labor für Hörforschung eingerichtet. Die Arbeit der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konzentriert sich auch auf die Erforschung von altersbedingter Schwerhörigkeit am Tiermodell. In den letzten Jahren wurden beim Menschen verstärkt Hinweise darauf gefunden, dass die Verarbeitung von rasch aufeinanderfolgenden Geräuschsignalen im Alter beeinträchtigt ist. Am Tiermodell wird dabei untersucht, wie sich diese Entwicklung nachweisen lässt und welche Reize geeignet sind, um die altersbedingten Veränderungen in der zentralen Hörbahn frühzeitig zu erkennen und zu beeinflussen. Wie aber fragt man Tiere, ob sie einen Ton hören oder nicht? Um diese Frage zu beantworten, nutzen die Forscher natürliche Verhaltensweisen der Tiere aus. So wird von den Regensburger Forschern auch ein Verfahren benutzt, mit dem das Hörvermögen bei der Wüstenrennmaus, im Vergleich mit Daten vom Menschen, bestimmt werden kann.
Ansprechpartner für Medienvertreter:
PD Dr. Otto Gleich
Universität Regensburg
HNO-Klinik
Tel.: 0941 944-9426
Otto.Gleich@klinik.uni-regensburg.de

Alexander Schlaak | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-regensburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie