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Ein Juwel vor dem Aus?

27.04.2012
Die kräftige Färbung der Türkiszwerggeckos könnte ihr Verhängnis werden.

Aufgrund ihrer faszinierenden Schönheit besteht ein reger Handel für die Heimtierhaltung. Gleichzeitig wird auch der Lebensraum in einem kleinen Gebiet im Osten Tansanias zerstört.


Aufgrund ihrer ansprechenden Färbung sehr gefragt: der Türkiszwerggecko (Lygodactylus williamsi). Foto: Aufgrund ihrer ansprechenden Färbung sehr gefragt: der Türkiszwerggecko (Lygodactylus williamsi).


Weibchen (oben) und Männchen (unten) des nur acht Zentimeter kleinen Türkiszwerggeckos (Lygodactylus williamsi). Foto: H. Schneider, Bonn

Reptilienspezialisten des Zoologischen Forschungsmuseums Alexander Koenig (ZFMK) in Bonn haben nun mit Unterstützung der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP) und der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) erstmals Maßnahmen zum Schutz dieser Art eingeleitet.

Man könnte meinen, Künstler wie Hundertwasser oder Warhol hätten persönlich Hand angelegt – so bunt kommt er daher, der nur acht Zentimeter kleine Türkiszwerggecko (Lygodactylus williamsi). Kennt man Geckos sonst eher als graue nachtaktive Gesellen, die am Urlaubsort rund um eine künstliche Lichtquelle auf Insektenjagd gehen, so sind die sogenannten Taggeckos oft sehr farbenprächtige Vertreter dieser Haftzeher. So auch der Türkiszwerggecko. Die leuchtend türkisblauen Männchen, mit ihrer kräftigen orangenen Bauchfärbung sind schon eine sehr außergewöhnliche Erscheinung im Reich der Reptilien. Auch die bronzefarbenen Weibchen sind sehr hübsch anzuschauen.

Genau diese außergewöhnliche Färbung scheint dem kleinen Gecko aber nun zum Verhängnis zu werden. Zu Tausenden wird er momentan aus seinem winzig kleinen Verbreitungsgebiet für den Heimtierhandel importiert. Für wenig Geld angeboten, findet er dort reichlich Abnehmer. Obwohl die Art gar nicht so einfach zu halten und zu vermehren ist, sind es oftmals Terraristikeinsteiger, die aufgrund der Färbung und des niedrigen Preises die Tiere erwerben. So ist Misserfolg vorprogrammiert und die Geckos sterben oftmals schon nach kurzer Zeit.

Die Beschreibung des Türkiszwerggeckos für die Wissenschaft erfolgte bereits 1952. Der breiten Öffentlichkeit wurde er aber erst 2002 durch ein Foto in einem Fachbuch bekannt. Schon kurze Zeit später weckte die Art Begehrlichkeiten im gewerblichen Tierhandel. Der kleine Gecko ist ein sogenannter Endemit. Sein Vorkommen beschränkt sich auf ein Gebiet von rund 20 km² Ausmaß im Osten Tansanias, inmitten des Biodiversitäts-Hotspots der Ostafrikanischen Küstenwälder. Dort ist der türkisblaue Lygodactylus in den wenigen verbliebenen Waldresten ausschließlich auf Schraubenbäumen zu finden, welche aber nicht einmal zwanzig Prozent des Bewuchses im Wald ausmachen. Da die Geckos gerne den oberen Blattbereich der Bäume bewohnen und sie dort für die einheimischen Fänger schwer zu erreichen sind, werden die Bäume einfach gefällt. So wird gleichzeitig der Lebensraum der Art vernichtet.

Diese Ereignisse haben den Türkiszwerggecko regelrecht überrollt. Es gibt bis heute keine wirksamen Handelsbeschränkungen, wie es beispielsweise für andere bedrohte Arten der Fall ist, die in den Anhängen des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) gelistet sind. Zwar hat Tansania ein Ausfuhrverbot für Lygodactylus williamsi erlassen, die Tiere gehen aber mit einer unzureichenden oder falschen Bezeichnung in den Ausfuhrpapieren problemlos durch den Zoll.

Einige Reptilienspezialisten des Zoologischen Forschungsmuseums Alexander Koenig in Bonn, der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP) und der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) haben sich jetzt dieser Art angenommen und verschiedene Maßnahmen ergriffen. Nach einer Bestandserhebung, veröffentlicht in der Zeitschrift Salamandra 1/2012, soll der Türkiszwerggecko zunächst in die Rote Liste der IUCN eingefügt und dort als „Critically Endangered“ geführt werden. Dies ist die höchstmögliche Klassifizierung der Weltnaturschutzorganisation für ein Wildtier, für das noch Freilandbestände bekannt sind. Diese Listung ist die Voraussetzung für eine Handelsbeschränkung, bzw. ein Handelsverbot innerhalb des Washingtoner Artenschutzabkommens. Weiterhin werden Zollschulungen im Ursprungsland durchgeführt. Maßnahmen im Habitat sollen zudem folgen.

Zeigen diese Schritte nicht unmittelbar Erfolg, so Prof. Dr. Wolfgang Böhme vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig, ist es sehr wahrscheinlich, dass der Türkiszwerggecko binnen kürzester Zeit im Freiland ausgerottet sein wird. Es wäre dann nicht die erste spektakuläre Art, die innerhalb nur einer Dekade von unserem Erdball verschwände.

Quellen:
Flecks, M., F. Weinsheimer, W. Böhme, J. Chenga, S. Lötters und D. Rödder. 2012. Watching extinction happen: the dramatic population decline of the critically endangered Tanzanian Turquoise Dwarf Gecko, Lygodactylus williamsi. Salamandra 48: 12-20.

http://www.salamandra-journal.com/index.php?option=com_docman&task=doc_download&gid=270&Itemid=74


Ansprechpartner:
Dr. Dennis Rödder
ZFMK, Kurator Herpetologie, Sektionsleitung
Tel.: +49 (0)228 9122 252
Fax: +49 (0)228 9122 212
E-Mail: d.roedder.zfmk@uni-bonn.de


Das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig (ZFMK) ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung des Ministeriums für Innovation, Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen. Als Leibniz-Institut für die Biodiversität der Tiere hat es einen Forschungsanteil von mehr als 75 %. Das ZFMK betreibt sammlungsbasierte Biodiversitätsforschung zur Systematik und Phylogenie, Biogeographie und Taxonomie der terrestrischen Fauna. Innovative Methoden- und Arbeitsansätze der molekularen Biodiversitätsforschung dienen auch Studien zur Nachhaltigkeit. Das ZFMK hat 89 fest angestellte Mitarbeiter, davon 37 Wissenschaftler. Studenten der Biologie werden in Kooperation mit der Universität Bonn ausgebildet. Die Ausstellung „Unser blauer Planet“ trägt zum Verständnis von Biodiversität unter globalen Aspekten bei.

Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de

Sabine Heine | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de
http://www.salamandra-journal.com/index.php?option=com_docman&task=doc_download&gid=270&Itemid=74

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