Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

„Insulin“ vom Gemüsebeet

28.06.2010
Bittergurke senkt den Blutzuckerspiegel und wirkt gewichtsreduzierend. Das ergaben Forschungsarbeiten, die von Wissenschaftlern der Universität Gießen und des Internationalen Gemüseforschungszentrums AVRDC gemeinsam durchgeführt wurden.

Die in der Bittergurke enthaltenen Lipide wirken blutzuckersenkend, die Saponine gewichtssenkend. In einem nächsten Schritt sollen sämtliche Bittergurkensorten, die in der Genbank des AVRDC lagern, auf ihre „Diabeteswirksamkeit“ getestet werden. Mit neuen Anbaumethoden will man das natürliche „Antidiabetespotenzial“ des Gemüses steigern.

Diabetes ist nicht nur bei uns, sondern auch in vielen Entwicklungsländern weit verbreitet. Wirksame Medikamente können sich dort allerdings nur die Wohlhabenden leisten. Ein altes Heilmittel, das in der ayurvedischen Medizin zur Linderung von Diabetes eingesetzt wird, könnte in Zukunft eine große Rolle spielen, ist sich Professor Michael Krawinkel von der Universität Gießen sicher. Der Ernährungswissenschaftler hat die Bittergurke, denn um diese geht es, genau unter die Lupe genommen. „Wir untersuchten mit Mäusen, die das Zuckerkrankheitsgen in sich tragen, ob und wie sich das Verfüttern von Bittergurke auswirkt. Bereits nach fünf Wochen zeigten sich deutliche Ergebnisse. Die Mäuse, denen wir Bittergurke fütterten, haben weniger zugenommen als die Kontrollgruppe und hatten auch einen niedrigeren Blutzuckerspiegel.“

Um die antidiabetische Wirkung verschiedener Fraktionen beurteilen zu können, wurde die Bittergurke nicht als ganzes verfüttert, sondern nur ihre wichtigsten Bestandteile. Dabei handelt es sich um die Lipid-, die Saponin- und die hydrophile Fraktion. Die Saponine wirkten vor allem gewichtssenkend, die Lipide senkten den Blutzuckerspiegel. Und zwar im Schnitt um 15 Prozent. „Das ist vor allem wichtig, um Spätschäden durch Diabetes zu vermeiden“, so Krawinkel. „Außerdem eignet sich die Bittergurke hervorragend zur vorbeugenden Behandlung.“

Krawinkel arbeitete bei seinen Versuchen mit der Bittergurke eng mit dem Internationalen Gemüseforschungszentrum AVRDC in Taiwan zusammen. Von dort erhielt er auch die getesteten Sorten. Insgesamt hat das AVRDC in seiner Genbank etwa hundert verschiedene Bittergurkensorten, die jetzt in einem zweiten Schritt auf ihre „Diabeteswirksamkeit“ untersucht werden sollen. Gleichzeitig wollen die Forscher auch herausfinden, mit welchen Anbautechniken die Wirkung am besten unterstützt werden kann, um so das natürliche Potenzial der infrage kommenden Sorten zu steigern und ein echtes diätetisches Lebensmittel auf den Feldern der Bauern wachsen zu lassen. Außerdem braucht es fundierte Ernährungskonzepte, denn wie bei jedem anderen Medikament ist auch hier die Dosis wichtig. „Bisher gibt es eine Menge Informationen, die aber nicht genau sind. So wird in der Literatur beispielsweise auch von Fällen berichtet, in denen Kinder zu Schaden gekommen sind, weil die Bittergurken-Dosis überhöht war.“

Noch sind viele Fragen offen, so zum Beispiel, ob der Bitterstoff weggezüchtet werden kann, ohne die Wirksamkeit zunichte zu machen. Oder ob die Bittergurke besser als Salat oder als gekochtes Gemüse gegessen werden muss, um ihre volle Wirkung zu entfalten.

Die Bittergurke wächst nicht nur in tropischen und subtropischen Breitengraden, sondern auch bei uns in Mitteleuropa.

Die Forschungsarbeiten zur Bittergurke werden von der Beratungsgruppe für Entwicklungsorientierte Agrarforschung (BEAF) der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit unterstützt.

Hinweis für Journalisten: Der Generaldirektor des AVRDC, Dr. Dyno Keatinge, wird vom 29. Juni bis 1. Juli in Deutschland sein und für Interviews zur Verfügung stehen. Wenn Sie Interesse haben, kontaktieren Sie bitte Frau Judith Jansen, Tel. 0228-24934231, E-Mail: judith.jansen@gtz.de

Oliver Hanschke | idw
Weitere Informationen:
http://www.gtz.de/beaf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Proteine entdecken, zählen, katalogisieren
28.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Chemisches Profil von Ameisen passt sich bei Selektionsdruck rasch an
28.06.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive