Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Insekten: Die Chemie muss stimmen

11.06.2013
Mit Duftstoffen locken sie ihre Sexpartner an, mit Stinkbomben warnen sie ihre Feinde: Vor allem Insekten nutzen zur Kommunikation chemische Substanzen. Deren Funktion und Evolution erforscht der neue Professor Thomas Schmitt (49).
Viele Lebewesen greifen auf chemische Substanzen zurück, um mit ihrer Umwelt zu kommunizieren. Dabei kommen oft komplexe Chemikaliengemische zum Einsatz. Die Substanzen werden selbst produziert oder von außen aufgenommen, zum Beispiel mit der Nahrung.

Die Substanzen dienen der Kommunikation innerhalb der eigenen Art, indem sie beispielsweise Sexpartner zueinander führen oder ein Revier abgrenzen. Sie spielen aber auch eine Rolle bei der Kommunikation verschiedener Arten, etwa beim Erkennen oder Anlocken von Beute oder bei der Abwehr von Feinden.

Insekten als Forschungsobjekte

Vor allem Insekten verständigen sich vorwiegend auf chemischem Weg. „Sie sind daher ein hervorragendes Forschungsobjekt, um die Funktionen und die Evolution dieser Substanzen zu erforschen“, sagt Thomas Schmitt.

Der neue Professor für Tierökologie am Biozentrum der Universität Würzburg interessiert sich vor allem für Stoffe, die in der Evolution unterschiedliche Entwicklungswege genommen haben. Dazu gehören unter anderem Substanzen, die bei einer Tierart zur Regulation des Wasserhaushaltes, zur Abwehr von Mikroorganismen und zum Konservieren der Beute eingesetzt werden, bei einer anderen Tierart aber zu Lockmitteln für Paarungspartner geworden sind.

Beispiel: Eine Gruppe von Grabwespen setzt komplexe Mischungen von Kohlenwasserstoffen zum Verpacken und Konservieren ihrer Beutetiere ein, bei anderen Hautflügler-Arten und bei Käfern dagegen werden diese Kohlenwasserstoffe als Sexualduftstoffe verwendet.

Chemische Vielfalt und genetische Grundlagen

„Ich will mit vergleichenden Studien herausfinden, wie sich solche Substanzen oder Substanzgemische im Lauf der Evolution verändern und welche Rolle sie zum Beispiel bei Artbildungsprozessen spielen“, sagt Schmitt. Dieser Forschungsansatz soll klären, wie es zu der enormen Vielfalt an chemischen Substanzen in der belebten Welt gekommen ist. Zudem erforscht der Professor die Veränderungen in der genetischen Architektur, die der Substanzvielfalt zu Grunde liegt.

Werdegang von Thomas Schmitt

Thomas Schmitt, Jahrgang 1964, stammt aus Höchberg (Landkreis Würzburg). In der Realschule seines Heimatorts machte er 1980 die Mittlere Reife. Danach absolvierte er eine Berufsausbildung zum Chemielaboranten im Raiffeisen-Kraftfutterwerk in Würzburg. Es folgten Stationen als Laborant bei den Autol-Werken und an zwei Instituten der Universität Würzburg (Medizinische Strahlenkunde / Lebensmittelchemie). Am Westfalen-Kolleg in Paderborn holte Schmitt dann das Abitur nach. 1992 begann er ein Chemiestudium an der Uni Würzburg, zwei Jahre später wechselte er hier zum Biologiestudium. An der Julius-Maximilians-Universität machte er sein Diplom und 2004 auch den Doktor – mit einer Arbeit über die Chemie, Ökologie und Evolution der Kommunikation bei Hautflüglern (Wespen, Ameisen, Bienen).

Nach der Promotion wechselte Schmitt als wissenschaftlicher Assistent in die Abteilung Evolutionsbiologie und Ökologie der Tiere an der Universität Freiburg, wo er sich 2010 habilitierte. Insgesamt lehrte und forschte er in Freiburg acht Jahre lang. Im April 2012 wechselte Schmitt dann in die Abteilung Ökologische Netzwerke der Technischen Universität Darmstadt. Von dort folgte er zum April 2013 dem Ruf auf eine Professur für Tierökologie am Würzburger Biozentrum.
Kontakt

Prof. Dr. Thomas Schmitt, Biozentrum der Universität Würzburg,
T (0931) 31-84188, thomas.schmitt@uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch | Uni Würzburg
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Kontinentalrand mit Leckage
27.03.2017 | MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

nachricht Neuen molekularen Botenstoff bei Lebererkrankungen entdeckt
27.03.2017 | Universitätsmedizin Mannheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE