Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

„Innsbrucker“ Modellorganismus: Genom entschlüsselt

22.09.2015

Der Plattwurm Macrostumum lignano wurde von Forschern um den Innsbrucker Zoologen Peter Ladurner entdeckt und 2005 als neue Art beschrieben. Nun gelang es Wissenschaftlern aus Großbritannien und den USA in Zusammenarbeit mit Peter Ladurner das Genom des Plattwurms vollständig zu sequenzieren. Die Wissenschaftler publizierten ihre Ergebnisse in der renommierten Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS).

Peter Ladurner und Reinhard Rieger vom Institut für Zoologie der Uni Innsbruck und Lukas Schärer (Universität Basel) sammelten den nun sequenzierten Plattwurm in Lignano in Italien und gaben ihm den Namen Macrostumum lignano. 2005 beschrieben sie ihn als neue Art.


Die rund ein Millimeter große Plattwurmart Macrostumum lignano.

Peter Ladurner

„Wir haben in den letzten zehn Jahren zahlreiche Methoden entwickelt, um moderne Forschungen an dieser Art durchzuführen. Mittlerweile hat sich M. lignano in verschiedenen Labors als hervorragender Modellorganismus für Forschungen an Stammzellen, Alternsforschung, Regeneration, Evolution und Bioadhesion etabliert“, erklärt Peter Ladurner.

„Durch die vollständige Sequenzierung des Genoms hat die Art nun weiter an Attraktivität als Modellorganismus gewonnen.“ Maßgeblich durchgeführt wurde die Sequenzierung des M. lignano-Genoms von Forschungsgruppen um Greg Hannon (University of Cambridge, Großbritannien) und Mike Schatz (Cold Spring Harbor Laboratory, USA). Die besondere Herausforderung dabei lag in der extrem hohen Anzahl an repetitiven Sequenzen im M. lignano-Genom. Erst durch die Verwendung modernster Sequenziermethoden (PacBio) mit besonders langen Reads ist es gelungen, das Genom zu entschlüsseln.

Klebemechanismus verstehen

Peter Ladurner, der durch seine Forschungsarbeit wesentliche Vorarbeit zu diesem Durchbruch geleistet hat, beschäftigt sich aktuell mit dem Klebemechanismus von M. lignano. Seine hervorragenden Klebeeigenschaften ermöglichen es dem Plattwurm, zwischen den Sandkörnern in der Wasserlinie zu leben. Daneben verfügt die Art auch über einen sehr guten Loslösemechanismus.

„Wir wissen aus der ausführlichen Artbeschreibung, dass die Klebeorgane des Plattwurms in der Schwanzplatte angesiedelt sind. Hier liegen hufeisenförmig angeordnet circa 130 dieser Klebeorgane“, erklärt Peter Ladurner. Diese bestehen jeweils aus drei Zellen: Eine modifizierte Hautzelle umschließt dabei jeweils eine Zelle, die den Klebstoff absondert und eine, die einen Loslösestoff ausstößt.

Um herauszufinden, welche Stoffe der Wurm aus seinen Klebe- und Loslösezellen ausstößt, identifizierten die Wissenschaftler jene Gene des Plattwurms, die ausschließlich in seiner Schwanzplatte aktiv sind. Dadurch erhielten sie eine Liste von 400 Genen, die mithilfe weiterer Screening-Methoden untersucht wurden. Das sequenzierte Genom ist für diese Untersuchungen von besonderer Bedeutung.

„Uns interessierten die Gene, die beim Klebevorgang angeschaltet sind“, erklärt der Zoologe. „Um die Funktion der einzelnen Gene zu bestimmen, sind wir derzeit dabei, diese mittels einer weiteren molekularbiologischen Methode – der RNA-Interferenz - auszuschalten und damit die Kandidaten für den Klebstoff und den Loslösestoff zu finden.“ Basierend auf diesem Wissen wäre es möglich, einen biomimetischen Klebstoff zu erzeugen, der beispielsweise im medizinischen Einsatz große Vorteile hätte.

Zur Person

Peter Ladurner (geboren 1967 in Innsbruck) ist Universitätsassistent am Institut für Zoologie der Universität Innsbruck. Er studierte Biologie an der Universität Innsbruck und promovierte dort 1999 in Zoologie. Von 2002 bis 2005 absolvierte er ein APART-Fellowship in den USA und in Japan.

Rückfragehinweise:
Dr. Peter Ladurner
Insitut für Zoologie
Universität Innsbruck
Telefon: +43 (0)512 507 51841
E-Mail: peter.ladurner@uibk.ac.at

Mag. Susanne Röck
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Universität Innsbruck
Telefon: +43 512 507 32025
E-Mail: susanne.e.roeck@uibk.ac.at

Weitere Informationen:

http://dx.doi.org/10.1073/pnas.1516718112 - Publikation:The genome and transcriptome of the regeneration-competent flatworm, Macrostomum lignano, Kaja A. Wasik, James Gurtowski, Xin Zhou, Olivia Mendivil Ramos, M. Joaquina Delás, Giorgia Battistoni, Osama El Demerdash, Ilaria Faciatori, Dita B. Vizoso, Peter Ladurner, Lukas Schärer, W. Richard McCombie, Gregory J. Hannon and Michael C. Schatz; PNAS

Mag. Susanne Röck | Universität Innsbruck

Weitere Berichte zu: Genom Klebstoff Modellorganismus Plattwurm RNA-Interferenz Sequenzierung Wurm Zoologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen
20.02.2017 | Universität zu Lübeck

nachricht Zellstoffwechsel begünstigt Tumorwachstum
20.02.2017 | Veterinärmedizinische Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie