Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Innovativer Ansatz für Medikamenten-Entwicklung

16.11.2009
Grazer Chemiker widerlegen Lehrmeinung von Wirkstoff-Spiegelbildern

Einem deutsch-österreichischen Forscherteam ist ein Durchbruch für die Entwicklung neuer Medikamente gelungen. Die Wissenschaftler haben einen neuen Bindungstypen entdeckt, der beide Spiegelbilder eines Wirkstoffs aufnehmen kann. Die Erkenntnisse der Forscher wurden im Fachmagazin "Angewandte Chemie" publiziert.

"Hinter dem Titel der Publikation 'Gleichzeitige Bindung beider Enantiomere eines racemischen Wirkstoffs durch das aktive Zentrum eines Enzyms' verbirgt sich eine revolutionäre Erkenntnis, die die Realität besser abbildet als bisher bekannte Annahmen", erklärt Studienautor Rolf Breinbauer, Leiter des Instituts für Organische Chemie der TU Graz, im pressetext-Interview. "Wirkstoff-Moleküle haben sehr häufig einen spiegelgleichen Doppelgänger, der in Einzelfällen, wie etwa beim Schlafmittel Contergan, zu sehr schweren Nebenwirkungen führen kann."

Anderes Verhalten der Enantiomere entdeckt

"Nach bisheriger Lehrmeinung konnte an den entsprechenden Rezeptoren, den Bindetaschen einer Zelle, nur eines der beiden Enantiomere - das sind Verbindungen, die sich wie Bild und Spiegelbild verhalten - andocken", erklärt der Chemiker. In den meisten Fällen werde das zweite Enantiomer vom Körper abgebaut ohne Schäden zu verursachen. "In Einzelfällen kann es aber sehr gefährlich werden, wie im Fall von Contergan, wo das Spiegelbild eines Enantiomers zu schwersten Missbildungen bei ungeborenen Kindern führte."

Die Wissenschaftler haben nun ein völlig anderes Verhalten von bestimmten Enantiomeren entdeckt. "Bei der Untersuchung eines Enzyms haben wir Bindetaschen entdeckt, in denen beide Enantiomere eines getesteten Hemmstoffs gleichzeitig gebunden waren", so Breinbauer. "Dies widerspricht der bisher gängigen Lehrmeinung und hat unmittelbare Relevanz für die Entwicklung neuer Medikamente."

Beschleunigung bei Entwicklung von Medikamenten

"Unsere Entdeckung verfeinert bisherige Strategien", meint der Chemiker. Einerseits können neue Medikamente so wesentlich schneller entwickelt werden, andererseits würden die Kosten für die Neuentwicklung deutlich sinken. "Die Entwicklung eines neuen Medikaments verschlingt etwa ein bis zwei Mrd. Euro. Mit einkalkuliert sind dabei natürlich auch chemische Sackgassen oder biologische Irrläufer."

Mit den neuen Erkenntnissen können Medikamente nun schneller entwickelt und gleichzeitig auch noch sicherer werden, führt der Forscher aus. An der Entdeckung waren neben Breinbauer auch Forscher des Max-Planck-Instituts für Molekulare Physiologie in Dortmund sowie der Universität Leipzig beteiligt.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.tugraz.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zebras: Immer der Erinnerung nach
24.05.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Wichtiges Regulator-Gen für die Bildung der Herzklappen entdeckt
24.05.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten