Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Infozentrum für die biologische Vielfalt

23.03.2010
Neun Jahre lang haben Wissenschaftler der Universität Würzburg in Westafrika in einem groß angelegten, interdisziplinären Forschungsprojekt zum Thema Biodiversität geforscht und dieses auch koordiniert.

Am 30. Juni endet das Projekt. In einem für Afrika einzigartigen Informationszentrum in Burkina Faso steht das gesammelte Wissen jetzt einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung.

Am 25. Januar 2010 war es soweit: An diesem Tag konnten Karl Eduard Linsenmair und Robert Foro in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, nach knapp zweijähriger Planungs- und Bauzeit das neue Informationszentrum zur Biodiversität eröffnen. Foro ist Staatssekretär im Forschungsministerium von Burkina Faso, Linsenmair war von 1976 bis 2008 Inhaber des Lehrstuhls für Tierökologie und Tropenbiologie der Universität Würzburg, an dem er sich noch heute als Seniorprofessor engagiert.

"Das Informationszentrum ist quasi der Fußabdruck, den wir in Afrika hinterlassen", sagt Minnattallah Boutros. Die Biologin ist Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Tropenbiologie und koordiniert seit vielen Jahren die Arbeit des Forschungsverbunds, den Linsenmair maßgeblich mitinitiiert hat. Der Name des Projekts: Biota West. Das Wissen, das in dieser Zeit in Westafrika über Möglichkeiten einer nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen und über den Schutz lokal und kontinental lebensnotwendiger Ökosysteme gewonnen wurde, soll in dem Zentrum ab sofort allen Interessierten zur Verfügung stehen.

Ein Ort nicht nur für Wissenschaftler

Sammlungen von Pflanzen und Tieren bilden einen wichtigen Bestandteil des Zentrums. "Diese wissenschaftlichen Sammlungen sind die Referenz für die Artbestimmung und Lexika für die Diversitätsforschung", sagt Minnattallah Boutros. Sie helfen Wissenschaftlern bei ihrer Arbeit, unterstützen aber auch Land- und Forstwirte, beispielsweise wenn es um Fragen der Sortenvielfalt und der Wiederaufforstung geht. Studierende finden in dem Informationszentrum jede Menge Lehrmaterial; Bauern können dort Auskunft einholen bei Fragen etwa zur Bodenbewirtschaftung und zum nachhaltigen Ernten.

"Dies ermöglicht die langfristige und breit angelegte Umsetzung der vorgeschlagenen Handlungsempfehlungen und erhöht damit den Erfolg des Projekts", sagt die Biologin. Denn dies waren von Anfang an erklärte Ziele des Forschungsverbunds: eine nachhaltige Nutzung und damit der langfristige Schutz von Biodiversität.

Hervorragende Partnerschaft

Rund 200.000 Euro hat das Informationszentrum gekostet; finanziert hat es das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Untergebracht ist es auf dem Campus der Universität Ouagadougou. Seine Realisierung macht die Verantwortlichen stolz: "Es gibt nicht viele Forschungsprojekte, die in Afrika eine komplett neue Institution auf dem Gelände der lokalen Universität bauen dürfen", sagt Minnattallah Boutros.

Dass es in diesem Fall geklappt hat, sei auch der "hervorragenden Partnerschaft mit der Uni Ouagadougou" zu verdanken. So habe sich beispielsweise die afrikanische Universität dazu verpflichtet, den laufenden Betrieb und einen Teil des Personals für das Informationszentrum in den kommenden Jahren zu gewährleisten, "was bei der chronischen Finanznot fast aller afrikanischen Universitäten keinesfalls eine Selbstverständlichkeit ist", wie Karl Eduard Linsenmair ergänzt.

Der Biota Afrika-Forschungsverbund

Um seinen internationalen Verpflichtungen nachzukommen, die Deutschland durch die Unterzeichnung der Biodiversitätskonvention auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio eingegangen ist, rief das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Jahr 1999 das Biolog-Programm (Biodiversität und Global Change) ins Leben. Ziel dieses internationalen und interdisziplinären Forschungsprogramms ist es, ein besseres Verständnis für die Rolle der biologischen Vielfalt in den Ökosystemen zu erreichen.

Ein wichtiger Teil des Biolog-Netzwerks ist der Biota-Forschungsverbund (Biodiversity Monitoring Transect Analysis in Africa), der einzelne Aspekte der afrikanischen Biodiversität quer durch vom globalen Wandel besonders betroffene Teile des ganzen Kontinents erforscht. Der Verbund ist in drei Teilbereiche gegliedert: Biota Süd, West und Ost. Biotas Ziel ist es, einen umfassenden wissenschaftlichen Beitrag zur nachhaltigen Nutzung und langfristigen Erhaltung der afrikanischen Biodiversität zu leisten.

In den vergangenen Jahren hat sich Biota zu einem Projekt mit Modellcharakter in der internationalen Biodiversitätsforschung entwickelt und ist deswegen eines der Leuchtturm-Projekte der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt geworden: In dem Netzwerk kooperieren etwa 30 Universitäten aus Benin, Burkina Faso, der Elfenbeinküste, Kenia, Uganda, Namibia, Südafrika und Deutschland miteinander.

Würzburgs Rolle in dem Forschungsprojekt

Neben der Koordination des gesamten Verbundes betreut Karl Eduard Linsenmair auch drei Forschungsteilprojekte in Biota West- und eines im Biota Süd-Verbund. Diese beschäftigen sich mit Termiten als "Ökosystem-Ingenieuren", Aquakultur von lokalen Fischarten und einer Evaluierung verschiedener Management-Konzepte von Nationalparks in West Afrika. An ihnen beteiligt ist auch der Lehrstuhl für Fernerkundung der Uni Würzburg.

Kontakt: Karl Eduard Linsenmair und Minnattallah Boutros, T: (0931) 31-84354, E-Mail: boutros@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der erste Blick auf ein einzelnes Protein
18.01.2017 | Max-Planck-Institut für Festkörperforschung, Stuttgart

nachricht Unterschiedliche Rekombinationsraten halten besonders egoistische Gene im Zaum
18.01.2017 | Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie, Plön

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik