Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Indienststellung des neuen AWI-Forschungsschiffes MYA II

12.08.2013
Das Forschungsschiff MYA II wird am 13. August 2013 in List auf Sylt feierlich an die Wissenschaft übergeben.

Schleswig-Holsteins Ministerin für Bildung und Wissenschaft Prof. Dr. Waltraud Wende wird ebenso an der Veranstaltung teilnehmen wie Vertreter des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.


Das neue Forschungsschiff MYA II der Wattenmeerstation Sylt des Alfred-Wegener-Instituts bei ersten Ausfahrten im Heimatrevier.
Foto: Florian Lange, Alfred-Wegener-Institut

Ein Höhepunkt wird die Verleihung des Umweltzeichens „Blauer Engel“ für das umweltfreundliche Schiffsdesign der MYA II. Im Anschluss ist die Öffentlichkeit eingeladen, das Schiff im Lister Hafen kennenzulernen und sich beim Tag der offenen Tür in der benachbarten Wattenmeerstation Sylt des Alfred-Wegener-Instituts mit den Wissenschaftlern auszutauschen.

„Das ist das zwar unser kleinstes Forschungsschiff, aber hochmodern und sehr gut für die Küstenforschung ausgestattet“, sagte Prof. Dr. Karin Lochte, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), anlässlich der Taufe der MYA II letzten Monat in der Fassmer-Werft. Sie zeigt sich beeindruckt von der modernen Technik an Bord, die an die Ausstattung großer Forschungsschiffe erinnert.

Das Schiff verfügt über ein Netzwerk- und Datenerfassungssystem, in dem kontinuierlich die Messwerte verschiedener Sensoren zentral gespeichert werden. Fest installiert sind beispielsweise eine Navigationsanlage zur genauen Positionsbestimmung, ein Fächersonar zur Kartierung des Meeresbodens ein Multifrequenzecholot zur Abschätzung der Biomasse von Fischen und ein ADCP zur Strömungsmessung. Außerdem besitzt die MYA II am Heck einen Kranausleger, den sogenannten A-Galgen. Mit seiner Hilfe können die zweiköpfige Besatzung und bis zu zwölf Wissenschaftler auch große Geräte bis zu einer Tonne Gewicht vom Arbeitsdeck ins Wasser heben, wie zum Beispiel Kastengreifer zur Gewinnung von Bodenproben.

Bewegt werden diese wissenschaftlichen Mess- oder Beprobungsgeräte über Kurrleinen- oder Forschungswinden. Ein sogenanntes Einleiterkabel ermöglicht zusätzlich zur Erfassung von Messwerten die Probennahmegeräte vom Computer aus im Wasser zu öffnen oder zu schließen, wenn die Sensoren Bedingungen anzeigen, die auf spannende Kleinalgen oder Tiere hinweisen.

Anders als der Vorgänger, der Forschungskatamaran MYA, ist die MYA II ein Einrumpfschiff und erreicht bis zu zehn Knoten Geschwindigkeit. „Damit können wir unseren Untersuchungsradius um Sylt und bis nach Helgoland ausweiten“, freut sich der Geologe Dr. Christian Hass von der Wattenmeerstation Sylt. Der AWI-Forscher wird einer der Hauptnutzer sein und mit Bodengreifern Proben vom Meeresgrund nehmen. Korngrößenanalysen von Sand und Schlick kombiniert er mit bathymetrischen und anderen hydroakustischen Messdaten und berechnet daraus flächendeckende Karten.

„Sie geben uns Aufschluss darüber, wo sich welche Sedimente ablagern, wie der Meeresboden strukturiert ist und für welche Pflanzen und Tiere er sich dadurch als Lebensraum eignet“, erklärt Hass. „Regelmäßig wiederholt erlauben diese Messungen, dass wir Veränderungen erkennen und steuernden Faktoren wie Klimaveränderungen oder menschlichen Eingriffen zuordnen können“, so der Geologe.

Gemeinsam mit den Biologen der Wattenmeerstation nutzt Hass an Bord ein Unterwasservideosystem. Es ermöglicht einerseits direkt zu kontrollieren, ob der Meeresboden tatsächlich so aussieht, wie aus den Messdaten interpretiert. Andererseits zeigt es auch, was unter der Wasseroberfläche lebt. Das Zusammenspiel von Pflanzen und Tieren im Nahrungsnetz ist eines der biologischen Schwerpunktthemen an der AWI-Wattenmeerstation.

Dabei sind die Forschenden längst über die einfache Beschreibung „Wer frisst wen?“ hinaus: Mit Computermodellen berechnen sie die Stoffflüsse zwischen den verschiedenen Ebenen des Nahrungsnetzes unter verschiedenen Umweltbedingungen. Angefangen bei der Produktivität von Kleinstalgen (Phytoplankton), die aus Sonnenlicht Energie gewinnen, über Krebstiere und Fische bis hin zu Robben und auch zum Menschen als Endverbraucher. „Das neue Multifrequenzecholot erlaubt es uns beispielsweise, die Fischbiomasse ohne Netzfänge abzuschätzen. Dazu mussten wir bisher viele Fische fangen und ihre Länge einzeln mit dem Messbrett bestimmen“, erläutert der Sylter Küstenforscher PD Dr. Harald Asmus die Vorteile der neuen Messtechnik.

„Ohne in das Ökosystem einzugreifen können wir jetzt die Ansprüche einzelner Arten und ihr Zusammenspiel untersuchen. Das liefert uns die Grundlage für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer“, so der Biologe.

Auch der wissenschaftliche Nachwuchs wird das neue Werkzeug der Küstenforschung nutzen. Studierende von nationalen und internationalen Universitäten sind regelmäßig zu Gast auf Sylt. Ebenso wie Teilnehmer an Graduiertenschulen, Praktika und Sommerschulen, lernen sie an Bord den Umgang mit modernen ozeanographischen Geräten kennen. Bis in flache Priele bringt das motorisierte Beiboot diejenigen, die sich für Prozesse im Flachwasser und auf den Wattflächen interessieren.

„Damit das Wattenmeer möglichst wenig durch Forschungsaktivitäten belastet wird, haben wir beim Bau der MYA II großen Wert auf umweltfreundliche Technik gelegt“, sagt AWI-Direktorin Prof. Dr. Karin Lochte. Der Schiffsneubau im Wert von 4,5 Millionen Euro verfügt neben einem Partikelfilter über eine Abgasreinigungsanlage, die den Motorabgasen Stickstoffoxide (NOx) entzieht.

Damit liegen die NOx-Emissionen der MYA II rund 85 % unter dem heutigen Grenzwert. Weiterhin wurde ein umweltfreundlicher Schiffsanstrich verwendet und eine Fremdstromanlage zum Korrosionsschutz des Rumpfes installiert, die toxische Zinkanoden ersetzt. Weder Abwasser noch ölhaltiges Bilgenwasser aus dem Maschinenraum gelangt ins Meer, sondern wir im Hafen entsorgt.

Dr. Ralf-Rainer Braun, Mitglied der Jury Umweltzeichen freut sich über die Auszeichnung: „Die MYA II zeigt, dass ein Mehr an Umweltschutz beim Schiffsbau möglich ist. Wir hoffen, dass der Blaue Engel der MYA II Vorbildfunktion für weitere Forschungsschiffe haben wird.“

Das Umweltzeichen wird am 13. August 2013 bei der Übergabe der MYA II an die Wissenschaft feierlich enthüllt. Im Anschluss an die Indienststellung öffnet das Schiff von 16:30 bis 19:00 Uhr im Hafen von List auf Sylt seine Türen, damit auch interessierte Gäste das neue Forschungsschiff erkunden können. In der nahegelegenen Wattenmeerstation (Hafenstraße 43) laden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von 16:30 bis 21:00 Uhr ein zum Tag der offenen Tür und freuen sich auf den Austausch mit den Gästen über ihre aktuelle Forschung.

Technische Daten:
Name: MYA II
Heimathafen: List, Sylt
Bau: Fassmer-Werft, Berne
Baujahr: 2013
Länge über alles: 21,70 Meter
Breite: 6,00 Meter
Tiefgang: maximal 1,50 Meter
Verdrängung: 120 Tonnen
Geschwindigkeit: maximal 10 Knoten
Besatzung: 2 Personen
wissenschaftl. Personal: maximal 12 Personen
Ausstattung:
• Laborraum mit Nassarbeitsplatz, Spülbecken und Anschuss von Frisch- und Seewasser
• IT-Arbeitsplätze unter anderem zur Steuerung der hydroakustischen Anlagen
• Netzwerk sowie Datenerfassungs- und Managementsystem „DShip“
• Zwei Kurrleinenwinden und zwei Forschungswinden (eine mit Einleiterdraht)
• Heckkran (A-Galgen – eine Tonne) sowie ein Arbeitskran (0,85 Tonnen bei zehn Metern Auslage)
• Zwei Seitenarme zum Ausbringen wissenschaftlicher Geräte bis zu vier Meter unter Kiel.
• Kokerrohr im Labor, durch das Messgeräte ins Wasser gebracht werden können
• Spül-/Sortiertisch an Deck mit See und Frischwasseranschluss
• Schraubraster (ein Meter) an Deck zum Befestigen verschiedenster Geräte
• Arbeitsplattform am Heck (zum Beispiel für Taucher)
• Motorisiertes Beiboot mit kleinem Kranausleger
• Ausrüstung zum Betrieb des Schiffes beim Trockenfallen auf dem Watt
Hinweise für Redaktionen:
Druckbare Bilder finden Sie unter: www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/pressemitteilungen.
Ihre Ansprechpartnerin in der Pressestelle des Alfred-Wegener-Instituts ist Dr. Folke Mehrtens (Tel.: 0471 4831-2007; E-Mail: medien@awi.de).

Ihr Ansprechpartner an der AWI-Wattenmeerstation Sylt ist Dr. Matthias Strasser (Mobiltelefon: 0151 174 53 497; E-Mail Matthias.Strasser@awi.de)

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren und hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der 18 Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Sina Löschke | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie