Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

InChI macht chemische Strukturformeln im Internet für alle Suchmaschinen sichtbar

11.08.2010
Chemie-Fachgesellschaften, Wissenschaftsverlage und FIZ CHEMIE engagieren sich mit einem internationalen Trust für die Verbreitung und Weiterentwicklung einer standardisierten Kennung für chemische Strukturen im Internet / Identifikations-Zeichenkette 'InChI' ermöglicht Suchmaschinen die sichere quellenübergreifende Identifizierung von Substanzen / Werkzeuge zum Erzeugen der InChI-Codes sind im Internet kostenlos bereitgestellt

FIZ CHEMIE hat für den internationalen InChI Trust das Büro und die Betreuung der Webseite http://www.InChI-Trust.org übernommen. Der InChI Trust wurde im Juli 2009 als Interessensgemeinschaft für die Verbreitung und Weiterentwicklung des International Chemical Identifier (InChI) gegründet.

Die Zusammensetzung des Vorstandes liest sich wie ein Auszug aus dem Who-is-Who der internationalen Informationsbranche: ihm gehören Vertreter der britischen Fachgesellschaft Royal Society of Chemistry (RSC), der Nature Publishing Group (Macmillan Publishers / Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck), der internationalen Wissenschaftsverlage Elsevier, Wiley und Taylor & Francis sowie des Medienkonzerns Thomson Reuters, der IUPAC (International Union of Pure and Applied Chemistry) und des FIZ CHEMIE an.

"Durch unsere aktive Mitarbeit im InChI Trust können wir unsere hohe Fachkompetenz in Fragen der Organisation, Dokumentation und unverfälschten Wiedergabe elektronisch publizierter wissenschaftlicher Informationen in den Dienst einer weltweiten Standardisierung der Kennzeichnung chemischer Strukturformeln im Internet stellen", erklärt Professor Dr. René Deplanque, Geschäftsführer des FIZ CHEMIE, die Motivation zur Verantwortungsübernahme. Standardisierung anhand eines Systems, das sich nicht im Besitz eines einzelnen Unternehmens oder eines geschlossenen Interessentenkreises befinde, sei, so Deplanque weiter, dringend notwendig, um wissenschaftliche Erkenntnisse auch in Zukunft für jeden, der sich dafür interessiert, verfügbar zu machen. "Bisher konnte jeder, der genug Geld oder Zugang zu Bibliotheken hatte, gedruckte Standardwerke der Chemie kaufen und darin nachschlagen, was wann zu welcher Substanz publiziert wurde und seine eigenen Forschungen darauf aufbauen. Mit der rasanten Verbreitung von Veröffentlichungen im Internet geht die gedruckte Dokumentation massiv zurück oder wird ganz eingestellt. Dafür muss ein Ersatz geschaffen werden", erklärt Deplanque. Dies sei durch eine internationale Zusammenarbeit der großen Informationsverarbeiter am besten zu leisten, weil dadurch die Kompetenz gebündelt und gleichzeitig das Entstehen von Monopolen oder Oligopolen in der Informationsversorgung der Wissenschaft verhindert würden.

Ursprünglich wurde das InChI-System vom Chemie-Fachverband IUPAC als gemeinfreies einheitliches Datenrepräsentationsformat für chemische Strukturen in den Datenbanken der amerikanischen Behörde NIST (National Institute of Standards and Technology) entwickelt. Forciert von den Mitgliedern des InChI Trust soll es nun Schritt für Schritt auf wissenschaftliche Publikationen im Internet übertragen werden. 2005 wurde die erste Version des Kennzeichnungssystems veröffentlicht. 2008 folgte eine weitere Version, die durch den Einsatz der sogenannten Hashfunktion kürzere Zeichenketten als Zielmengen generiert, die sogenannten InChIKeys.

Sie bauen auf dem ursprünglichen Algorithmus auf, so dass die Interoperabilität zwischen Datenbanken und anderen InChI-Quellen, z.B. Zeitschriftenartikeln, erhalten bleibt.

Aus softwaretechnischer Sicht ist ein InChI eine Zeichenkette aus Buchstaben, Zahlen und Zeichen, der InChIKey eine reine Textkette, die von Suchmaschinen sehr gut weiterverarbeitet werden kann. Eingegeben in Google sehen sowohl InChI, als auch der kürzere InChIKey allerdings aus wie eine alchimistische Geheimbotschaft und tippen lässt sich die Zeichenkette auch nur sehr schwer fehlerfrei. Das ist aber auch nicht notwendig, denn InChIs lässt man sich von Werkzeugen erzeugen, die im Internet zur kostenlosen Benutzung bereitgestellt sind, z.B. auf der Webseite der RSC. Man gibt entweder eine Struktur, einen Substanznamen oder eine Formel ein und das Werkzeug generiert den gewünschten InChI (Abb. 1). Die Zeichenkette wird aus dem Browser herauskopiert und in das Suchfeld der Suchmaschine übertragen. Die Suchmaschine findet damit in den unterschiedlichsten Informationsquellen im Internet die korrespondierenden InChI-Codes, zum Beispiel Hinweise auf Veröffentlichungen in der Datenbank PubChem. Das Resolver-Werkzeug stellt den gefundenen Code wieder als Struktur dar (Abb. 2). Ausprobieren kann man das Ganze auf der Seite der RSC unter: http://inchis.chemspider.com

Auf der Webseite des InChI Trust sind weitere technische Erklärungen, häufige Fragen und die Antworten darauf sowie Informationen zur Mitgliedschaft im InChI Trust bereitgestellt. www.InChI-Trust.org

Weitere Informationen
FIZ CHEMIE
Postfach 12 03 37
D-10593 Berlin
http://www.chemistry.de
E-Mail: info@fiz-chemie.de
Für die Presse:
Richard Huber
Tel.: +49 (0)30 / 399 77- 0
E-Mail: info@fiz-chemie.de
Über FIZ CHEMIE
FIZ CHEMIE ist eine von Bund und Ländern geförderte gemeinnützige Einrichtung mit der primären Aufgabe, der Wissenschaft, Lehre und Industrie qualitativ hochwertige Informationsdienstleistungen im Bereich der allgemeinen Chemie, der chemischen Technik und angrenzender Gebiete zur Verfügung zu stellen. Es ist nach der Qualitätsnorm DIN EN ISO 9001:2008 zertifiziert. FIZ CHEMIE unterhält Beziehungen zu Forschungs- und Informationseinrichtungen im In- und Ausland und hat Marketingabkommen mit Partnerorganisationen weltweit. Das Fachinformationszentrum engagiert sich für die Weiterentwicklung und Verknüpfung der nationalen und internationalen chemischen Fachinformation. FIZ CHEMIE ist ein Institut der wissenschaftlichen Infrastruktur in der Leibniz-Gemeinschaft (WGL).

Vanessa Vogt-Herrmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.fch.de
http://www.InChI-Trust.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise