Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn das Immunsystem versagt

14.09.2009
Störungen des Immunsystems führen zu erhöhter Infektanfälligkeit, zu Autoimmunerkrankungen wie z. B. entzündlichem Rheuma, zu Allergien und manchmal auch zu Krebs. Ein intaktes Immunsystem hingegen gewährt körperliche Gesundheit und Wohlbefinden.

Welche vielfältigen Ursachen zu Störungen des Immunsystems führen, erläuterte Kongresspräsident Professor Reinhold E. Schmidt, Klinik für Immunologie und Rheumatologie der Medizinischen Hochschule Hannover, beim 2nd European Congress of Immunology in Berlin.

Weltweit am häufigsten sind Unterernährung, schlechte Hygienebedingungen und eine Infektion mit dem Humanen Immundefizienz Virus (HIV). Aber auch Alter, Medikamente (z.B. Cortison, Zytostatika), Bestrahlung, Operationsstress und bösartige Tumoren des Knochenmarks und der Lymphknoten verursachen vorübergehende oder lang anhaltende Schädigungen des Immunsystems. Im Vergleich dazu sind angeborene Defekte des Immunsystems eher selten. Sie erlauben allerdings als Experimente der Natur Einblicke in den Aufbau und die Funktionsweise des menschlichen Immunsystems. Ihre Häufigkeit wird mit ca. 1 in 500 Menschen geschätzt.

Neben den Körperoberflächen, die die meisten Krankheitserreger zuverlässig abweisen, gibt es nach Überwinden dieser Barriere ein natürliches Immunsystem (bestehend aus weißen Blutkörperchen wie z.B. Makrophagen, Granulozyten, NK-Zellen, dendritische Zellen), das über eine Art "Rasterfandung" verschiedene Krankheitserreger als gefährlich erkennt und sofort eine Entzündungsreaktion (Schwellung, Rötung, Schmerz, Fieber) in Gang setzt. Die allermeisten Krankheitserreger überstehen diese Reaktion nicht; nur die aggressivsten unter ihnen überwinden die Barriere des natürlichen Immunsystems und benötigen zur erfolgreichen Bekämpfung das sog. adaptive Immunsystem (bestehend aus weißen Blutkörperchen der T-Zellen und B-Zellen), ein Back-up System, das neben der gezielten Erregerbeseitigung auch noch ein Gedächtnis als Schutz für die Zukunft entwickelt.

Unterstützt von mehreren nationalen Registern wurde in den letzten Jahren ein europäisches Register für primäre (angeborene) Immundefekte (PID) aufgebaut, das inzwischen anonymisierte Informationen von über 9.000 PID Patienten enthält (www.esid.org). Die Daten werden auf Antrag für wissenschaftliche Analysen bereitgestellt. Etwa 65% dieser angeborenen Immundefekte betreffen Störungen der Antikörperbildung, 15-20% sind schwere kombinierte Immundefekte aufgrund von Störungen der T-Zell Entwicklung und Funktion. Beim Rest handelt es sich um seltenere Defekte der Zellen der natürlichen Immunität und des Komplementsystems.

Weit über 150 verschiedene Gendefekte (Mutationen, Deletionen, Insertionen u.a.) sind bisher bei angeborenen Immundefektpatienten beschrieben worden; sie sind direkt für die Entstehung einer defekten Immunantwort verantwortlich. Fast täglich kommen neue Defekte hinzu. Auf dem 2. Europäischen Immunologie-Kongress in Berlin (13. bis 16.9.2009) werden allein im Workshop "T cell deficiencies" vier neue Gendefekte als Ursache für schwere Störungen der T-Zellfunktion vorgestellt.

Darüber hinaus wird es am Sonntagnachmittag dem 13. September 2009 ein CSL-Behring finanziertes, und am Dienstagnachmittag dem 15. September 2009 ein Baxter finanziertes Satellitensymposium über angeborene Immundefekte geben. Viele dieser schweren angeborenen T-Zelldefekte können heute durch Stammzelltransplantation geheilt werden. Bei den B-Zelldefekten, die in der Regel weniger schwer verlaufen, kann durch regelmäßige Zufuhr von Antikörperpräparationen aus dem Blut gesunder Plasmaspender die Infektanfälligkeit drastisch gesenkt werden.

Zahlenmäßig viel häufiger als die wissenschaftlich interessanten PIDs sind erworbene Immundefekte, verursacht z.B. durch chronische Virusinfektionen (wie HIV und Hepatitis C), Unterernährung, Polytrauma und Stress nach Operationen, Diabetes, Lymphknotenkrebs, Narkose-Einflüsse u.a.m.. Viele dieser sekundären Immundefizienzformen sind heute behandelbar. Auch auf diesem Gebiet bietet der ECI-Kongress in Berlin 2009 viele neue Erkenntnisse.

Schließlich sind die Übergänge zwischen Immundefekt-Erkrankungen und Autoimmunkrankheiten fließend, da einige genetische T- und B-Zelldefekte neben Infektanfälligkeit auch Autoimmunphänomene verursachen. Um diese komplexen Zusammenhänge besser zu erforschen und allmählich in den klinischen Alltag zu überführen, braucht es spezialisierte Zentren an denen interdisziplinäre Teams von Kinderärzten, Internisten, Immunologen, Molekularbiologen, Infektiologen, Hämatologen und Pathologen sowohl bei der Erforschung der PID-Ursachen als auch bei der Entwicklung neuer Therapieverfahren eng zusammenarbeiten. Ein solches "Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum" für chronische Immundefizienz (CCI) entsteht zurzeit mit Unterstützung des BMBF am Universitätsklinikum Freiburg. Weitere Immundefizienz-Schwerpunkte gibt es in Hannover, Ulm, Dresden, Krefeld, München und Berlin.

EFIS (European Federation of Immunological Societies) ist der Dachverband der nationalen immunologischen Fachgesellschaften in Europa. Zu EFIS zählen 28 nationale Fachgesellschaften in 31 europäischen Ländern mit insgesamt 13.000 Mitgliedern. Gemeinsame Plattform ist der European Congress of Immunology, der all drei Jahre stattfindet - in diesem Jahr unter dem Motto: "Immunity for Life - Immunology for Health" vom 13. bis 16. September in Berlin. Der Kongress bietet über vier Tage ein umfassendes Programm zum aktuellen Wissensstand in der Immunologie. Das Themenspektrum in den mehr als 30 Symposien und 60 Workshops reicht von der Grundlagenforschung bis zur angewandten Immunologie. Im Mittelpunkt stehen die Erkenntnisse zur angeborenen und erworbenen Immunität, die verschiedenen Aspekte immunologischer Erkrankungen sowie die neuesten Möglichkeiten von Immun-Interventionen. Kongresspräsident Professor Reinhold E. Schmidt, Klinik für Immunologie und Rheumatologie der Medizinischen Hochschule Hannover, lädt Journalisten sehr herzlich dazu ein.

Organisatoren des Symposiums und Ansprechpartner für Rückfragen:

Prof. Bodo Grimbacher

Immunology/Molecular Pathology
Royal Free Hospital & University
College Medical School
Pond Street
London NW3 2QG
Tel.: 0044/20-7794-0500 ext. 34399
E-Mail: bgrimbac@medsch.ucl.ac.uk
Prof. Hans-Hartmut Peter
Rheumatologie/Klin. Immunologie
Med. Universitätsklinik Freiburg
Hugstetter Str. 55
79106 Freiburg
Tel.: 0761/270-3448
E-Mail: peterhh@medizin.ukl.uni-freiburg.de
Prof. Dr. med. Reinhold E. Schmidt
Klinik für Immunologie und Rheumatologie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
Tel.: +49-511-532-6656
Fax: +49-511-532-9067
E-Mail: immunologie@mh-hannover.de
Internet: www.mh-hannover.de/kir.html
Dr. med. Julia Rautenstrauch
Pressereferentin ECI 2009 Berlin
MedCongress GmbH
Geschäftsführer:
Dr. Julia Rautenstrauch, Hans-Joachim Erbel
Postfach 70 01 49
70571 Stuttgart
Tel: +49 711 72 07 12 0
Fax: +49 711 72 07 12-29
Gerichtsstand: Amtsgericht Stuttgart HRB 22288
jr@medcongress.de

Dr. Julia Rautenstrauch | idw
Weitere Informationen:
http://www.medcongress.de
http://www.eci-berlin2009.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen
20.09.2017 | Veterinärmedizinische Universität Wien

nachricht Molekulare Kraftmesser
20.09.2017 | Max-Planck-Institut für Biochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik