Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Immunsystem außer Rand und Band: Forscher suchen Regulator, der die Balance wieder herstellt

16.09.2011

Während ein zu schwaches Immunsystem die Tumorentstehung fördert, kann ein zu starkes Abwehrsystem zur Bildung von Autoimmunerkrankungen wie Rheuma, oder Multiple Sklerose führen.

Notwendig sind daher Therapien, mit denen Ärzte gezielt eingreifen können, wenn ein Immunsystem aus dem Gleichgewicht geraten ist, um dies wieder in Balance zu bringen. Professor Edgar Serfling und Dr. Stefan Klein-Heßling am Pathologischen Institut der Uni Würzburg sehen in den Regulationsmolekülen der NFAT-Gruppe geeignete Anknüpfungspunkte zur Entwicklung solcher Therapien. NFAT-Moleküle haben die Aufgabe, weiße Blutkörperchen, sogenannte T-Zellen, für den Einsatz bei Abwehrreaktionen „scharf“ zu machen.

Die Würzburger Forscher widmen sich in einem aktuellen Forschungsprojekt speziell dem Molekül NFATc1/αA. Frühere Beobachtungen zeigen, dass bei Überproduktion von NFATc1/αA Toleranzmechanismen des Körpers gegenüber den eigenen Zellen unterdrückt werden. Die T-Zellen produzieren dann zu viele Botenstoffe, die nicht nur zur Aktivierung des Immunsystems beitragen, sondern darüber hinaus zum Angriff auf die körpereigenen Zellen anstiften. Die Forscher hoffen, dass sich mit einer gezielte Manipulation der NFATc1/αA-Produktion in der Zellen die Immuntoleranz und damit die Entstehung von Autoimmun- und Krebs-Erkrankungen steuern lässt.

In dem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projekt wollen die Forscher zuerst die Signalwege aufdecken, die in T-Zellen durch NFATc1/αA an- und abgeschaltet werden. Ob sich Autoimmunreaktionen durch NFATc1/αA tatsächlich hemmen lassen, wollen Professor Serfling und Dr. Klein-Heßling dann durch den Einsatz sogenannter ‚knock out’-Mäuse untersuchen. Diese Mäuse erlauben das gezielte Abschalten einzelner Gene. In diesem Fall soll ausschließlich die Bildung von NFATc1/αA unterdrückt werden. An solchen ‚knock out’-Mäusen kann dann – im Vergleich zu normalen Mäusen – untersucht werden, ob sie anfälliger für Rheuma oder Schuppenflechte sind. Wenn ja, wäre das der Beweis dafür, dass die Überproduktion von NFATc1/αA das Ausbrechen dieser Krankheiten begünstigt.

Abschließend wollen die Würzburger Pathologen einen Weg suchen, über den sich die Bildung von NFATc1/αA gezielt im Organismus hemmen lässt. In der Petrischale, an kultivierten Zellen, ist das bereits gelungen.

Autoimmunerkrankungen wie Schuppenflechte und Rheuma werden heutzutage unter anderem mit dem Medikament „Cyclosporin A“ therapiert, einem Arzneimittel, das aus dem norwegischen Schlauchpilz gewonnen wird. In seiner Wirkung greift es auch in die Aktivität der NFAT-Moleküle ein. Allerdings hat das Pilzgift eine ganze Reihe an Nebenwirkungen, die zum Beispiel die Nierenfunktion betreffen. Eine gezieltere Therapie, wie sie das Team um Professor Serfling und Dr. Klein-Heßling entwickeln möchte, würde für die Patienten eine deutliche Verbesserung der Behandlung bedeuten.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 250.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Kontakt:
Prof. Dr. Edgar Serfling,
T ++49 (0)931 201-47431,
E-Mail: serfling.e@mail.uni-wuerzburg.de

Sylvia Kloberdanz | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise