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Die Immunsuppression des Tumors aushebeln: Ein neuer Ansatz gegen Krebs

16.09.2009
Krebs entsteht durch unkontrolliertes Wachstum von normalen Körperzellen. Im Prinzip kann das Immunsystem das Wachstum von Tumorzellen erkennen und sie über natürliche Killerzellen und zytotoxische T-Lymphozyten direkt zerstören.

Die Tumoren verfügen jedoch über ein Arsenal von Waffen, mit dem sie die Immunattacke erfolgreich unterdrücken können. Prof. Dr. Kingston Mills vom Trinity College Dublin hat einen neuen Ansatz entwickelt, bei dem die tumorbedingte Immunsuppression aufgehoben und damit die Wirksamkeit gezielter Immuntherapien erhöht wird. Erste Ergebnisse präsentiert er beim 2nd European Congress of Immunology ECI 2009 in Berlin.

Um den Angriff des körpereigenen Immunsystems abzuwehren, sezernieren Tumoren immunsuppressive Moleküle, die die Immunantwort dämpfen und Zellen anlocken, die ihrerseits ebenfalls immunsuppressiv wirken. Sie heißen regulatorische T-Zellen ("Treg"-Zellen) und haben normalerweise die Funktion, Immunreaktionen gegen körpereigenes Gewebe zu unterbinden, die sonst zu Autoimmunerkrankungen führen würden. Zusammen mit den Treg-Zellen erschweren die von den Tumoren gebildeten immunsuppressiven Moleküle es dem Immunsystem, den wachsenden Tumor anzugreifen. In der Folge kommt es zu unkontrolliertem Wachstum und Krebserkrankung.

Normalerweise wird eine Krebserkrankung mittels Chirurgie, Chemotherapie, Strahlentherapie oder einer Kombination davon behandelt. Alle diese Therapieformen sind nicht immer ausreichend wirksam und haben ernstzunehmende Nebenwirkungen. Alternative Ansätze basieren auf der gezielten Stimulation des Immunsystems, um den Tumor auszuschalten und einen Rückfall zu vermeiden.

Unter diesem Aspekt wurden bereits zahlreiche biologische Therapien entwickelt. Einige davon haben die Aktivierung dendritischer Zellen zum Ziel. Diese besonderen Zellen des Immunsystems sind in der Lage (Tumor-)Antigene so zu präsentieren, dass die T-Lymphozyten zur Abtötung der Tumorzellen befähigt werden. Weitere immuntherapeutische Ansätze sind Zelltherapien, bei denen T-Lymphozyten oder dendritische Zellen zunächst in Kultur vermehrt und dann dem Patienten reinfundiert werden.

Nur wenige dieser Ansätze haben sich als wirksam gegenüber einzelnen Tumorarten erwiesen. So ist z. B. die Substanz Imiquimod, ein so genannter TLR(Toll-like receptor)-Agonist, ein bekannter Aktivator dendritischer Zellen. Die Substanz wird bereits klinisch genutzt, um Basalzellkarzinome topisch zu behandeln. Weitere TLR-Agonisten befinden sich in der klinischen Prüfung als Adjuvans für Krebsimpfungen, allerdings mit teilweise enttäuschenden Ergebnissen.

Ein Problem der TLR-Agonisten besteht darin, dass sie sowohl immunsuppressive als auch entzündliche Immunantworten anstoßen können, so dass sie die T-Zellen in verschiedene Richtungen - entweder tumoraggressiv oder immunsuppressiv - beeinflussen können. Diese Eigenschaft soll den Kollateralschaden während einer Infektion oder Entzündung begrenzen, schränkt aber die Fähigkeit der TLR-Agonisten ein, im immunsupprimierten Umfeld eines Tumors eine wirksame antitumorale T-Zell-Antwort auszulösen.

Mills und Mitarbeitern gelang es jedoch, die durch TLR-Agonisten ausgelöste Immunantwort so zu manipulieren, dass der immunsuppressive Arm gezielt ausgeschaltet wird. Die Wissenschaftler erreichten dies durch Manipulation der Signalwege innerhalb der dendritischen Zellen, durch die die Induktion der immunsuppressiv wirkenden von Treg-Zellen unterbunden wird. Damit wird der alternative Weg zu einer schützenden Immunantwort, die die Tumoren eliminiert, freigemacht. Dieser neue Ansatz war in Tumormodellen an der Maus bereits sehr erfolgreich und könnte auch beim Menschen immuntherapeutische Therapien gegen Krebs wirksam verstärken. Die neue Technologie wurde bereits an ein lokales Start-up-Unternehmen namens Opsona Therapeutics lizensiert, das nun zusammen mit Partnern aus der Pharmaindustrie den Weg in die klinische Entwicklung sucht.

EFIS (European Federation of Immunological Societies) ist der Dachverband der nationalen immunologischen Fachgesellschaften in Europa. Zu EFIS zählen 28 nationale Fachgesellschaften in 31 europäischen Ländern mit insgesamt 13.000 Mitgliedern. Gemeinsame Plattform ist der European Congress of Immunology, der all drei Jahre stattfindet - in diesem Jahr unter dem Motto: "Immunity for Life - Immunology for Health" vom 13. bis 16. September in Berlin. Der Kongress bietet über vier Tage ein umfassendes Programm zum aktuellen Wissensstand in der Immunologie. Das Themenspektrum in den mehr als 30 Symposien und 60 Workshops reicht von der Grundlagenforschung bis zur angewandten Immunologie. Im Mittelpunkt stehen die Erkenntnisse zur angeborenen und erworbenen Immunität, die verschiedenen Aspekte immunologischer Erkrankungen sowie die neuesten Möglichkeiten von Immun-Interventionen. Kongresspräsident Professor Reinhold E. Schmidt, Klinik für Immunologie und Rheumatologie der Medizinischen Hochschule Hannover, lädt Journalisten sehr herzlich dazu ein.

Ansprechpartner für Rückfragen:

Prof. Kingston Mills BA (Mod), PhD

Trinity College Dublin
Biochemistry and Immunology
Dublin
Phone: + 353-1-896 3573
Fax: + 353-1-677 2086
Email: kingston.mills@tcd.ie
Prof. Dr. med. Reinhold E. Schmidt
Klinik für Immunologie und Rheumatologie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
Tel.: +49-511-532-6656
Fax: +49-511-532-9067
E-Mail: immunologie@mh-hannover.de
Internet: www.mh-hannover.de/kir.html
Dr. med. Julia Rautenstrauch
Pressereferentin ECI 2009 Berlin
MedCongress GmbH
Geschäftsführer:
Dr. Julia Rautenstrauch, Hans-Joachim Erbel
Postfach 70 01 49
70571 Stuttgart
Tel: +49 711 72 07 12 0
Fax: +49 711 72 07 12-29
Gerichtsstand: Amtsgericht Stuttgart HRB 22288
jr@medcongress.de

Dr. Julia Rautenstrauch | idw
Weitere Informationen:
http://www.medcongress.de
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