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Immunbiologie: Der Weg zum chronischen Leiden

16.09.2014

Hepatitis C ist eine tückische, eine schleichende Krankheit. Aber was tatsächlich lässt sie zum dauerhaften Leiden werden? LMU-Mediziner konnten jetzt zeigen, dass mit der Chronifizierung das Fehlen eines bestimmten Transkriptionsfaktors eng verbunden ist.

Wer sich mit Hepatitis C (HCV) ansteckt, wird das Virus meist nicht wieder los: Mehr als zwei Drittel der Infektionen gehen in ein chronisches Stadium über, das Risiko schwerer Leberschäden und von Leberkrebs steigt deutlich an.

Die Hepatitis B (HBV) ist so gesehen fast noch harmlos: Nahezu bei allen Erwachsenen heilt sie bei akuter Infektion vollständig aus, deutlich seltener geht sie in ein chronisches Stadium über. Doch was gibt dafür den Ausschlag? Warum hat das Immunsystem zumindest in der Mehrzahl der HCV-Fälle dem Erreger nicht genügend entgegenzusetzen? Und warum gelingt es ihm im günstigen Fall, das Virus abzuschütteln? Oftmals registrieren die Betroffenen gar nicht, dass sie an Hepatitis erkrankt sind, im Frühstadium sind die Symptome eher unspezifisch.

LMU-Wissenschaftler um die Mediziner Dr. med. Peter Kurktschiev und Privatdozent Dr. med. Norbert Grüner vom Institut für Immunologie und der Medizinischen Klinik II der Medizinischen Fakultät haben zusammen mit Kollegen aus München, Freiburg und Edinburgh jetzt eine Erklärung dafür gefunden.

Bei Hepatitis-B-Patienten, die später allesamt genesen sind, stießen sie im Blutbild im frühen Akutstadium auf vergleichsweise hohe Konzentrationen von T-bet. Auch das Blut von HCV-Patienten, bei denen die Infektion später ausheilte, enthielt größere Mengen dieses sogenannten Transkriptionsfaktors, bei sich chronisch entwickelnden Infektionen fehlte er weitgehend.

T-bet spielt eine entscheidende Rolle in der Immunantwort, der Faktor sorgt nicht nur dafür, dass sich aus sogenannten CD4-T-Zellen T-Helferzellen bilden, sondern auch, dass sich virusspezifische CD8-T- Zellen („Killerzellen“) ausbreiten und vermehrt Gamma-Interferon ausschütten – und so den Kampf gegen das Virus anheizen. Diesen Zusammenhang konnten die Wissenschaftler im Fall von Hepatitis belegen.

Mehr noch: Sie konnten in Reagenzglasversuchen auch Killerzellen nachträglich scharf machen, indem sie Interleukin-2 und Interleukin-12 zugaben. Die Tatsache, dass zwei dieser Immunbotenstoffe nötig sind, um die CD8-T-Zellen zu aktivieren, sagt Kurktschiev, lasse auf einen stufenweisen Prozess schließen, der eine feine Justierung der Immunantwort ermöglicht.

Die Erkenntnisse haben klinische Relevanz: Mit dem T-bet-Level hätten die Ärzte womöglich einen verlässlichen Marker, um abschätzen zu können, ob ein akut HCV-Erkrankter gute Chancen hat, dass seine Hepatitis spontan ausheilt, sagt Kurktschiev. Dann könne man bei einem Teil der Patienten womöglich auf die gängige antivirale Therapie verzichten.

Außerdem haben die Münchner Forscher erkannt, dass sie bei der kombinierten Gabe der Interleukine IL-2 und IL-12, um spät die CD8-T-Zellen zu aktivieren, mit jeweils deutlich geringeren Dosen auskamen als bei bisher getesteten Behandlungsregimen. Auch das dürfte für denkbare neue Therapieansätze nicht unerheblich sein, da beide Interleukine oft nicht gut verträglich sind.
(The Journal of Experimental Medicine)

Publikation:
Peter D. Kurktschiev et al.:
Dysfunctional CD8+ T cells in hepatitis B and C are characterized by a lack of antigen-specific T-bet induction
The Journal of Experimental Medicine 2014
DOI: 10.1084/jem.20131333

Ansprechpartner:
Dr. med. Peter Kurktschiev / PD Dr. med. Norbert Grüner
Institut für Immunologie
der Medizinischen Faktultät
peter.kurktschiev@med.uni-muenchen.de
Norbert.Gruener@med.uni-muenchen.de

Luise Dirscherl | Ludwig-Maximilians-Universität München
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de/

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