Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Für Immunangriffe bei Multipler Sklerose braucht es GM-CSF

26.04.2011
Die Neutralisation des Botenstoffs GM-CSF könnte die Entstehung von Multipler Sklerose stoppen.

Das konnte eine Forschungsgruppe um den Immunologen Burkhard Becher an der Universität Zürich im Tierversuch nachweisen. Wie sie in der Fachzeitschrift «Nature Immunology» schreiben, ist dieser Botenstoff im Gegensatz zu anderen bekannten Botenstoffen für die Entstehung der Krankheit absolut notwendig. Noch dieses Jahr wird GM-CSF in einer klinischen Studie bei MS-Patienten neutralisiert.

Bei Autoimmunkrankheiten wie der Multiplen Sklerose (MS), der rheumatischen Arthritis und der juvenilen Diabetes greift das Immunsystem versehentlich den eigenen Körper an. Bei diesen Erkrankungen werden insbesondere sogenannte Helfer-T-Zellen für die fatale Immunreaktion verantwortlich gemacht. Eigentlich sollten diese Zellen unsere Körper gegen schädliche Mikroorganismen schützen. Manchmal aber werden im hochkomplizierten Immunsystem bestimmte Signale «missverstanden», und es kommt zur Attacke auf körpereigene Organe.

Unter den Helfer-T-Zellen gibt es verschiedene Unterklassen mit unterschiedlichen Aufgaben und Kompetenzen. Sowohl Kliniker als auch Forscher versuchen schon lange herauszufinden, zu welcher Unterklasse die zerstörerischen T-Zellen gehören, die bei Autoimmunkrankheiten die eigenen Organe angreifen. T-Zellen können bestimmte Botenstoffe, so genannte Zytokine, ausscheiden und diese wiederum koordinieren dann eine entsprechende Immunantwort. Der T-Zell-Typ und vor allem das relevante Zytokin, welches die Entzündung in Hirn und Rückenmark auslöst, waren bislang unbekannt.

Erfolgreich im Tiermodell
Das Forscherteam um Prof. Burkhard Becher hat nach dem Eleminationsverfahren sechs Jahre lang daran gearbeitet, die relevanten Botenstoffe mit Hilfe transgener Mäuse im Tiermodell der Multiplen Sklerose zu testen. Über die Jahre konnten viele Faktoren dabei von der Liste gestrichen werden. Bei GM-CSF (Granulozyten-Makrophagen-Kolonie stimulierender Faktor) wurden sie endlich fündig. «Bei Mäusen ohne GM-CSF konnte die MS-ähnliche Krankheit gar nicht entstehen», sagt Becher. «Zudem konnte bei MS-Mäusen die Krankheit sogar geheilt werden, wenn dieses Zytokin neutralisiert wurde.»

GM-CSF ist kein neues Zytokin und man wusste bereits, dass GM-CSF eine Entzündung auslösen bzw. vorantreiben kann. Abgesehen von GM-CSF haben alle anderen bisher untersuchten Zytokine nur eine untergeordnete Rolle gespielt. «GM-CSF ist demnach das erste T-Zell-Zytokin, das für die Entzündungsentstehung von absoluter Notwendigkeit ist», sagt Becher. Ausserdem konnten die Forscher zeigen, dass das von T-Zellen ins Gehirn gelieferte GM-CSF die Rekrutierung von gewebeschädigenden Fresszellen vorantreibt. «Ohne derartige Fresszellen kann die Entzündung gar nicht erst richtig in Gang kommen und die Neutralisation von GM-CSF kann sogar den Entzündungsvorgang rückgängig machen», sagt der Immunologe.

In einer klinischen Studie werden aktuell Patienten, die unter rheumatoider Arthritis leiden, mit neutralisierenden Antikörpern gegen GM-CSF behandelt. Ende 2011 soll auch eine Studie mit MS-Patienten begonnen werden. «Wir sind voller Hoffnung» freut sich Becher. «Aber ob MS-Patienten von dieser Therapieform tatsächlich profitieren werden, ist noch unklar. Ein zurückhaltender Optimismus ist da angebracht», sagt Becher.

Unabhängig von der klinischen Studie erwartet das Team, dass diese Studie einen grossen Einfluss auf die Forschung haben wird. «Die Erkenntnisse bringen uns ein Riesenstück weiter. Wir verstehen jetzt viel besser, wie eine entzündliche Läsion im Gehirn entstehen kann.»

Literatur:
Codarri, L., Gyülveszi, G., Magnenat, L., Hesske, L., Fontana, A., Suter, T., and Becher, B.: RORgt drives production oft he cytokine GM-CSF in helper T cells, which is essential for the effector phase of autoimmune neuroinflammation. Nature Immunology, doi: 10.1038/ni.2027
Kontakte:
Prof. Burkhard Becher
Institut für Experimentelle Immunologie
Universität Zürich
Tel. +41-44-635-3701
E-Mail: becher@immunology.uzh.ch

Beat Müller | Universität Zürich
Weitere Informationen:
http://www.mediadesk.uzh.ch -
http://www.uzh.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise