Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Immunabwehr der Mücke trickst Viren aus

04.12.2008
Bei Störung des Gleichgewichts tötet der Erreger die Stechmücke

Mücken, die für den Menschen gefährliche Viren übertragen, zeigen sich von diesen nicht unbeeindruckt, sondern kämpfen erfolgreich gegen sie.

Das haben Wissenschaftler des Virginia Tech entdeckt, als sie die Prozesse in einer Mücke, die ein gefährliches Krankheitsvirus trug, auf genetischer Ebene untersuchten. Wurde das Gleichgewicht zwischen Virus und Mücke gestört, hatte das den Tod des Insekts zur Folge. Die Forschungsergebnisse, die in der aktuellen Ausgabe des Fachmediums Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht wurden, könnten zum wichtigen Schritt im Kampf gegen von Mücken übertragene Krankheiten wie Westnil-, Dengue- oder Gelbfieber werden.

Die Verteidigung gegen Krankheitsviren gelingt Mücken viel besser als dem menschlichen, weitaus komplexeren Immunsystem. Um den gefährlichen RNA-Code des Virus unschädlich zu machen, zerlegt ihn die Mücke in Kurzstränge, die sogenannte viRNA.

"Der Virus muss sich in gewissem Sinne der Abwehrreaktion der Mücke unterwerfen", sagt Studienleiter Kevin M. Myles. Nur so könne es von der Mücke auf ein Wirbeltier übertragen werden und damit seinen Reproduktionszyklus vervollständigen. Schafft die Mücke die Umwandlung des Virusgenoms in die viRNA nicht, würde sie daran erkranken, was sowohl für das Insekt als auch für das Virus fatale Folgen hätte.

Diese Erkenntnis trat bei Labortests zutage, die man mit dem Virus Sindbis unternahm. Dieser Krankheitserräger lässt Rückschlüsse auf ähnliche von Mücken übertragene Erreger zu, wie den des Chikungunya-Fiebers oder den der östliche Pferdeencephalitis. Die Wissenschaftler setzten das Virus in die Zellen der Gelbfiebermücke Aedes aegypti ein. Das Immunsystem der Mücke begann sogleich mit der Produktion von viRNA in überraschend großem Ausmaß. Es gelang im Labor, die Abwehr der Mücke zu überlisten, indem man die Genstruktur des Virus um ein bestimmtes Protein ergänzte. Dieses behinderte die Mückenzellen dabei, die Virengene in unschädliche viRNA aufzuteilen, worauf sie vom Virus infiziert wurde.

Die Entdeckung, was die Störung des Gleichgewichts bewirkt, gibt dem Kampf gegen von Mücken übertragene Krankheiten möglicherweise neuen Auftrieb. "Wir wussten nicht, dass man dieses krankmachende Potenzial in der Mücke wecken kann", betont Myles. Stechende Mücken würde es weiterhin geben, doch könnten sie eines Tages keine Viren mehr tragen, schlägt die Studie vor. Wie man es jedoch anstellen muss, um anstatt des Virus das Immunsystem der Mücke zu verändern, kann erst weitere Forschung klären.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.vt.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Chaos bei der Zellteilung – wie Chromosomenfehler in Krebszellen entstehen
23.08.2017 | Deutsches Krebsforschungszentrum

nachricht Winzige Spurenverunreinigungen, enorme Auswirkungen
23.08.2017 | Technische Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Chaos bei der Zellteilung – wie Chromosomenfehler in Krebszellen entstehen

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

23.08.2017 | Förderungen Preise

Winzige Spurenverunreinigungen, enorme Auswirkungen

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie