Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

iDiv-Forschungsplattformen: das „Jena-Experiment“ wächst weiter

25.03.2013
Lieschgras, Glatthafer und Knäuelgras, Gänseblümchen, Löwenzahn und Sauerampfer – eine durchschnittliche Wiese hat weit mehr zu bieten als einfach nur „Gras“.
Doch welchen Unterschied macht es, ob eine Wiese aus einer oder
60 verschiedenen Pflanzenarten besteht? Welche Auswirkungen hat die Artenvielfalt auf die Stoffkreisläufe und Prozesse innerhalb des Ökosystems? Und was bedeutet der Verlust einzelner Arten für das System Wiese?

Das erforscht seit 2002 ein internationales Team von Botanikern, Zoologen, Biogeochemikern, Bodenkundlern, Physiologen und Genetikern aus der Schweiz, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland auf dem Versuchsfeld der Friedrich-Schiller-Universität Jena, dem „Jena-Experiment“.

Wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) jetzt mitgeteilt hat, wird das Großprojekt, an dem auch Wissenschaftler der Universität Leipzig beteiligt sind, für weitere drei Jahre mit rund sieben Millionen Euro gefördert.

Die Wiesen dienen als Modellsystem, um allgemeine Prozesse in ökologischen Systemen zu verstehen. Auf einem etwa zehn Hektar großen Gelände in der Saaleaue wachsen in rund 585 Versuchsparzellen künstlich zusammengestellte

Graslandschaften: von der Monokultur mit nur jeweils einer Pflanzenart bis hin zur Wiese aus 60 verschiedenen Gräsern, Kräutern und Leguminosen. Damit ist das "Jena-Experiment" eines der weltweit größten Biodiversitätsexperimente und das am längsten bestehende in ganz Europa.

Es stellt auch eine wichtige wissenschaftliche Plattform des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig dar: "Eine umfassende Quantifizierung von Zyklen wichtiger chemischer Elemente sowie die Untersuchung von über- und unterirdischen Prozessen werden genutzt, um all jene Mechanismen aufzudecken, die den Biodiversitätseffekten zugrunde liegen", erläutert iDiv-Direktor Prof. Dr. Christian Wirth. Der Leipziger Professor für Spezielle Botanik und funktionelle Biodiversität und seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Alexandra Weigelt forschen bereits seit Jahren im Jena-Experiment. In der nächsten Antragsphase betreuen sie zwei Projekte, eines zur Quantifizierung von struktureller Diversität per Analyse von Digitalbildern und eines zur Dynamik von Wurzeln.

Für die kommende Förderperiode bis 2016 wollen die Jenaer Ökologen und ihre Kooperationspartner die seit 2002 erhaltenen Erkenntnisse in aktuelle Fragestellungen integrieren. "So lässt sich inzwischen sehr genau sagen, welche Ökosystemprozesse von der Artenvielfalt beeinflusst werden", erläutert Prof. Dr. Nico Eisenhauer von der Uni Jena.

"In der nun beginnenden Projektphase wollen wir herausfinden, warum das so ist", sagt der Professor für Terrestrische Ökologie, der in der kommenden Phase für das Experiment in Jena verantwortlich ist. So liegen beispielsweise vielfältige Daten vor, die den Zusammenhang zwischen Biodiversität und Produktivität des Ökosystems belegen. Diesen Zusammenhang gelte es nun im Detail zu erklären.

Dazu haben die Forscher im "Jena-Experiment" neue Experimentierflächen angelegt. Auf diesen 3,5 mal 3,5 Meter großen Flächen variiert nicht allein die Vielfalt der Pflanzenarten, sondern es wurden auch die Eigenschaften der Pflanzen berücksichtigt. "Wir haben die Pflanzen anhand ihrer Wachstums- und Entwicklungsdaten etwa danach kombiniert, dass sie sich möglichst gut in der Ressourcenaufnahme und in ihrer zeitlichen Dynamik ergänzen", so Eisenhauer. Untersuchen wollen die Ökologen in den kommenden Jahren unter anderem die Nährstoffkreisläufe und die Interaktionen der Pflanzen- und Tierarten auf und im Boden. Außerdem ist die Synthese aller Daten in einer umfassenden Datenbank vorgesehen.

Seit Beginn des "Jena-Experiment" im Jahr 2002 haben die Ökologen rund 14.000 Variablen gemessen. Rund 80 Prozent der gesammelten Daten sind inzwischen ausgewertet und stehen jetzt der weltweiten Biodiversitätsforschung zur Verfügung. Über 100 wissenschaftliche Publikationen sind seither entstanden, darunter in renommierten Fachmagazinen wie "Nature", "PNAS" oder "Ecology". 23 Nachwuchswissenschaftler haben in dieser Zeit ihre Doktorarbeiten im "Jena Experiment" angefertigt und abgeschlossen.

Weitere Informationen:
Dr. Alexandra Weigelt
Institut für Biologie/ AG Spezielle Botanik und funktionelle Biodiversität
Telefon: +49 341 97-38594
E-Mail: alexandra.weigelt@uni-leipzig.de
Onlineansicht mit Abbildungen:
http://www.zv.uni-leipzig.de/?id=674&ifab_modus=pmanzeige&ifab_id=4869

Katrin Henneberg | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise