Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hybridisierung bei Primaten - Belege, Ausmaß, evolutionäre Auswirkung und Probleme

09.09.2009
Im Darwin Jahr 2009 veranstaltet das Deutsche Primatenzentrum (DPZ) ein von der Volkswagen Stiftung gefördertes Symposium zum Thema "Hybridisierung bei Primaten".

Während des Symposiums werden 29 internationale Fachleute Vorträge halten. Es werden 30 weitere Gäste erwartet, um Fragen zum Ausmaß und zu möglichen evolutionären Auswirkungen der Hybridisierung bei Primaten, sowie methodische und theoretische Probleme zu diskutieren.

Seit den Zeiten Darwins sind Studien zu zwischenartlicher Hybridisierung ein wichtiger Forschungsgegenstand der Evolutionsbiologie. Hybridformen entstehen wenn sich (meist nahverwandte) Arten kreuzen und sich dabei vorher isolierte Genpools vermischen. Seit langem ist bekannt, dass Hybridisierung einen wichtigen evolutionären Mechanismus bei der Entstehung neuer Arten im Pflanzenreich darstellt.

Im Tierreich wurde die Bedeutung von Hybridisierung bei der Artbildung dagegen meist als minimal angesehen. Dieses Bild hat sich in den letzten 15 Jahren insbesondere durch die Anwendung molekularer Methoden gewandelt, und es wurde eine Vielzahl von Hybridisierungen bei unterschiedlichen taxonomischen Gruppen, z.B. bei Schmetterlingen, Fischen und Vögeln, entdeckt.

Auch bei Säugetieren, einschließlich einiger Primatenarten, wurden Hinweise auf mögliche Hybridisierungsereignisse gefunden. Es wird sogar vermutet, dass solche Ereignisse die menschliche Evolution beeinflusst haben. Untersuchungen zur Hybridisierung bei Primaten, wie auch bei anderen Taxa, stellen daher eine ausgezeichnete Möglichkeit dar, grundlegende Prozesse von Artbildung und Anpassung in dieser bedeutenden Säugetierordnung besser verstehen zu können.

Hinweise auf Hybridisierungsereignisse bei einzelnen Arten zeigen sich meist in Form von Inkongruenzen zwischen genetischen und morphologischen Daten. Anstelle von dichotomen Verzweigungen in entsprechenden Stammbäumen treten retikuläre oder netzartige Beziehungen auf.

Obgleich mehr und mehr Hinweise auf Hybridisierung und retikulärer Evolution bei Primaten publiziert werden, bleibt unklar, in welchem Ausmaß Arten Produkte von Hybridisierung sind oder welche Hybridisierungsmechanismen im Einzelnen gewirkt haben. Zusätzlich zu diesen Fragen ergeben sich häufig Probleme für die Taxonomie und Systematik, insbesondere auch für unser Verständnis von Arten als taxonomische und evolutionäre Einheiten.

Auf unserem Symposium werden internationale Experten offene Fragen zum Ausmaß von natürlicher Hybridisierung bei Primaten sowie zu Implikationen für Taxonomie, Phylogenie, Populationsgenetik und Artenschutz diskutieren. Es soll ein Überblick über die Häufigkeit von Hybridformen in den wichtigsten Primatenradiationen gewonnen und die entsprechenden Hybridisierungprozesse mit denen, die von anderen taxonomischen Gruppen bekannt sind, verglichen werden. Zudem wollen wir Lösungen für methodische Probleme bei der Identifizierung von historischen Hybridisierungsereignissen erörtern.

Das Symposium findet vom 8. bis 10. Oktober im Eden Hotel, Reinhäuser Landstraße 22a in Göttingen statt. Am Vorabend des Symposiums wird Herr Prof. Michael L. Arnold von der University of Georgia, USA einen öffentlichen Vortrag zum Thema "Why the web of life, and not the tree of life?" halten. Dieser Vortrag findet am 7. Oktober 2009 um 18.00 h im großen Hörsaal des Albrecht-von-Haller-Instituts für Pflanzenwissenschaften, Universität Göttingen, Untere Karspüle statt.

Organisatoren des Symposiums sind Dietmar Zinner und Christian Roos vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ). Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an: Nadine Ellrott, DPZ, 0551 3851 258.

Öffentlicher Vortrag:
Im Rahmen des Symposiums wird Herr Prof. Mike Arnold von der University of Georgia, USA einen öffentlichen Vortrag zum Thema:

"Why the web of life, and not the tree of life?"

halten. Der Vortrag findet am 7. Oktober 2009 um 18.00 h im großen Hörsaal des Albrecht-von-Haller-Institut für Pflanzenwissenschaften, Universität Göttingen, Untere Karspüle statt.

In seinem Vortrag wird Prof. Arnold über Effekte von zwischenartlichem Genaustausch auf den Ursprung und die Evolution nicht nur unserer eigenen Art - Homo sapiens - berichten, sondern auch von den Auswirkungen auf Arten, mit denen wir eng auf evolutionärer und kultureller Ebene interagiert haben oder noch interagieren. Er wird Beweise für die Hypothese, dass introgressive Hybridisierung in der Evolution von Homo sapiens eine Rolle spielte, vorstellen und diskutieren. Darüber hinaus wird er beschreiben, wie ähnliche Hybridisierungsprozesse auch die Evolution von Organismen beeinflusst haben, die für das Überleben und den Lebensunterhalt von Menschen wichtig waren und sind. Prof. Arnold wird auch einen Blick auf die "dunkle Seite" von Genaustausch werfen, wie sie im Zusammenhang von Evolution und Anpassung von Krankheitserregern und Krankheiten beim Mensch auftritt. Die zentrale These seines Vortrags lautet: retikuläre Evolution durch introgressive Hybridisierung oder horizontalem Genaustausch war ein allgegenwärtiger Prozess in der Evolution und der kulturellen Entwicklung von Homo sapiens.

Dr. Dr. Michael Schwibbe | idw
Weitere Informationen:
http://dpz.eu/web/hybri/
http://dpz.eu/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Eine Karte der Zellkraftwerke
18.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung
18.08.2017 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie