Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Humboldt-Stipendiatin untersucht Entstehung von Diabetes bei Zwillingen

22.06.2010
„Epigenetische Unterschiede bei Zwillingen“ lautet das Forschungs-thema von Dr. Nicole Yvonne P. Souren. Die Wissenschaftlerin der Universität Maastricht hat von der Alexander von Humboldt Stiftung ein Forschungsstipendium für einen zweijährigen Aufenthalt an der Saar-Uni erhalten.

Die Niederländerin, die im Team von Epigenetik-Professor Jörn Walter forscht, bekommt von der Stiftung monatlich 2.250 Euro. Zusätzlich erhält der Lehrstuhl einen Forschungskostenzuschuss in Höhe von monatlich 800 Euro für den Förderzeitraum, um die Kosten zu decken, die während des Forschungsprojektes anfallen.

Bei dem Projekt „Epigenetische Unterschiede bei Zwillingen“ geht es vor allem um die Ausprägung von Diabetes vom Typ 2. Diese Diabetes-Variante kommt am häufigsten vor. Die Patienten sind oft übergewichtig und bewegen sich wenig. Typ-2-Diabetiker haben zwar Insulin im Blut, ihr Zuckerwert ist aber trotzdem zu hoch, weil das Insulin in ihrem Körper nicht richtig wirkt. Nicole Souren möchte anhand von Zwillingsstudien herausfinden, welche epigenetischen Anlagen schon im Mutterleib dazu führen, dass das Kind später im Erwachsenenalter an Typ 2-Diabetes erkrankt.

Kinder, die im Mutterleib mit Nahrung unterversorgt werden und mit einem geringeren Geburtsgewicht zur Welt kommen, haben ein höheres Risiko, irgendwann in ihrem Leben an Diabetes vom Typ 2 zu erkranken. Es wird angenommen, dass Veränderungen in der DNA-Methylierung bei der Entwicklung des Kindes im Mutterleib dazu führen. Darunter versteht man eine chemische Abänderung an Grundbausteinen der Erbsubstanz einer Zelle, welche die Ausprägung von Genen beeinflussen kann.

Eineiige Zwillinge gelten als genetisch identisch, da sie sich aus einer Eizelle entwickeln. Trotzdem kann auch bei ihnen die Methylierung ihres DNA-Profils im Mutterleib unterschiedlich verlaufen. Im Rahmen der aktuellen Studie untersucht Nicole Souren Speichelproben von erwachsenen eineiigen Zwillingen, die sich stark im Geburtsgewicht unterschieden haben. Dabei will sie herausfinden, ob eine Unterversorgung mit Nahrung im Mutterleib tatsächlich zu Änderungen in der DNA-Methylierung führt und ob diese Veränderungen einen Bezug zu Diabetes vom Typ 2 haben. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts sollen zur Entwicklung von Medikamenten gegen Diabetes beitragen. Außerdem können sie ein Fortschritt in Richtung einer personalisierten Medizin sein, bei der Diagnose, Behandlung und Vorbeugungsmaßnahmen an das genetische bzw. epigenetische Profil des jeweiligen Patienten angepasst sind.

Nicole Souren wurde 1981 im niederländischen Simpelveld geboren. An der Universität Wageningen studierte sie Zoologie. Von 2004 bis 2009 promovierte sie am Lehrstuhl für Genetik und Zellbiologie der Universität Maastricht. Bereits damals forschte sie an der Identifikation von genetischen Varianten bei Zwillingen, die zu Diabetes vom Typ 2 führen oder mit der Krankheit assoziiert sind. Mit Hilfe eines Stipendiums der Universität Maastricht konnte sie ihre Zwillingsstudien fortführen. Um mehr Informationen zum Thema Epigenetik zu erhalten, besuchte sie im Jahr 2009 Professor Jörn Walter, einen der weltweit führenden Wissenschaftler auf diesem Gebiet.

Epigenetik beschäftigt sich mit der Frage, wie der einheitliche genetische Code eines Menschen in den verschiedenen Zellen des Körpers unterschiedlich gesteuert und verarbeitet wird. Fehler in diesen Steuerungsprozessen führen zu Erkrankungen. Mit Hilfe der Epigenetik kann man die Ursachen und Konsequenzen solcher Fehler besser verstehen. Ziel ist es, epigenetische Methoden für Diagnose und Therapie-Ansätze zu entwickeln.

Kontakt:
Dr. Nicole Yvonne P. Souren
Tel. 0681/302-2881
E-Mail: Nicole.Souren@GEN.unimaas.nl
Prof. Dr. Jörn Walter
Tel. 0681/302-4367
E-Mail: j.walter@mx.uni-saarland.de

Irina Urig | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise