Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hühnchen oder Hähnchen?

14.03.2011
Das Geschlecht des künftigen Kükens ist einem Hühnerei noch nicht anzusehen. Leipziger Wissenschaftler und interdisziplinäre Verbundpartner entwickeln derzeit ihre gerade zweifach patentierten Verfahren zur möglichst frühen Geschlechtsbestimmung weiter. "Mit endokrinologischen Methoden gelingt uns das bereits ab dem achten Bebrütungstag. Wir wollen aber noch weiter gehen und eine Geschlechtsdiagnose schon am unbebrüteten, dann noch verwertbaren Ei erreichen", sagt Maria-Elisabeth Krautwald-Junghanns, Professorin an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig und Koordinatorin des Forschungsprojektes.

Bei keinem anderen landwirtschaftlichen Nutztier habe die Spezialisierung im Nutzungsziel ein vergleichbares Maß erreicht wie beim Huhn, so die Tiermedizinerin an der Klinik für Vögel und Reptilien.

Hähne aus Rassen, die zum Eierlegen gezüchtet werden, finden keine Abnehmer und sind so schlichtweg überflüssig. Jährlich werden deshalb allein in Deutschland mehr als 40 Millionen gerade geschlüpfte, männliche Küken getötet.

Die routinemäßige Tötung betrifft dabei sämtliche Bereiche der Legehennenhaltung einschließlich des Bio-Sektors. "Das ist sowohl aus Sicht des Tierschutzes als auch für die Industrie ein Problem mit gesellschaftspolitischer Tragweite", sagt Krautwald-Junghanns.

Doch die früher verbreiteten Zweitnutzungsrassen, bei denen Hennen nach einer gewissen Legeleistung ebenso wie Hähne der Fleischproduktion dienen, haben - jenseits des ökologischen Landbaus - unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ausgedient. Statt dem "Mehrzweckhuhn" werden Mastlinien, die bereits nach 30 Tagen ein Schlachtgewicht von 1500 Gramm erreicht haben, und hoch spezialisierte Legelinien gezüchtet. Allerdings schlüpfen bei der Zucht von Legehennen nicht nur die zur Eierproduktion benötigten Hennen, sondern auch etwa ebenso viele, mangels wirtschaftlicher Nutzungsmöglichkeiten allerdings unerwünschte Hähnchen aus den Eiern.

Im Forschungsverbundprojekt mit Zoologen, Physikern, Chemikern und Ingenieuren der Universität Jena, der TU Dresden, des Frauenhofer Instituts, der arxes Information Design Berlin GmbH und der Lohmann Tierzucht GmbH Cuxhaven rücken die Leipziger Forscher ihrem Ziel Stück für Stück näher, ein verlässliches Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im unbebrüteten Hühnerei zu entwickeln. Im Januar/Februar 2011 wurden nunmehr für zwei schwingungsspektroskopische Verfahren Patente erteilt.

Dieser derzeit international viel versprechendste Forschungsstand des Ende Juni endenden Projektes erregt in der Fachwelt großes Interesse.

Das im Bereich "Innovationsförderung" von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) für drei Jahre mit einer Fördersumme von rund einer Millionen Euro finanzierte Forschungsvorhaben endet im Juni 2011. In einem neuen Antrag soll danach die Verlässlichkeit der neuen Methoden des Projektes "Möglichkeiten der In Ovo-Geschlechtsbestimmung beim Haushuhn als Alternative zur routinemäßigen Tötung männlicher Eintagsküken aus Legehennenlinien" abgesichert werden. "Wir wollen bei weiterführenden Studien deshalb unter anderem drei neue Ansätze hinsichtlich der Einsatzmöglichkeiten optischer und schwingungsspektroskopischer Analysemethoden verfolgen", erklärt die Koordinatorin.

Für die derzeit präferierten spektroskopischen Verfahren dient ein mittels Laser in der Eischale erzeugtes Loch als Zugang für die weitere, lichtgestützte Analyse. Allerdings wurden die Schlüpfraten aus beprobten Eiern bislang nur im kleinen Rahmen getestet. "Wichtig ist nun, auch die Auswirkungen der einzelnen Untersuchungsschritte auf den Brutverlauf und -erfolg, auf die postnatale Entwicklung der Küken sowie die Tiergesundheit und Legeleistung der Hennen genau zu analysieren."

Im Tierschutzgesetz steht, dass kein Tier ohne Grund getötet oder gequält werden darf. Aber auch der Wirtschaft selbst ist an der Vermeidung der Tötung von jährlich Abermillionen gesunder Hähnchen gelegen. "Für mich steht die ethische Komponente im Vordergrund, es geht schließlich um lebende Tiere, deren einziger Makel es ist, männlich zu sein", so die Tiermedizinerin. Die Unterstützung von wirtschaftlicher Seite sei dennoch entscheidend: "Viele Projekte sind immer dann gestorben, wenn ökonomische Aspekte nicht ausreichend berücksichtigt wurden."

Bislang existieren noch keine praxistauglichen Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Hühnerei, die dieses möglichst unbeschädigt lassen. Das könnte sich mit den angestrebten, völlig neuen endokrinologischen, spektroskopischen und bildgebenden Methoden mittelfristig ändern. "Dann könnten im Idealfall auch unbebrütete Eier, aus denen einmal Hähnchen schlüpfen würden, dem Markt noch zugeführt werden", so Krautwald-Junghanns. Und das würde nicht zuletzt auch dazu beitragen, die Zahl der für die Versorgung der Bevölkerung mit Eiern und Eiprodukten benötigten Legehennen wieder zu verringern.

Veranstaltungstipp zum Thema:

Zur 12. Leipziger Buchmesse-Akademie, am Buchmessefreitag, den 18. März 2011, 15.00 Uhr, hält Prof. Dr.
Maria-Elisabeth Krautwald-Junghanns zum Thema einen Vortrag mit dem Titel "Wird es ein Junge oder ein Mädchen? - Geschlechtsbestimmung im Hühnerei."
Ort: Leipziger Messe, Halle 3, Stand G201/H200 Messe-Allee 1
04356 Leipzig
Veranstaltungstipp Buchmesse-Akademie der Universität Leipzig:
Die Buchmesse-Akademie Universität Leipzig mit 25 verschiedenen Veranstaltungen und der Präsentation aktueller Publikationen findet auf der Leipziger Buchmesse vom 17.03.2011 bis 20.03.2011 statt.
Ort: Leipziger Messe, Halle 3, Stand G201/H200 Messe-Allee 1
04356 Leipzig
Die Eröffnungsveranstaltung: "Selbstverständlich säkular?
Oder: Wie viel Religion verträgt eine moderne Gesellschaft?" findet bereits am Mittwoch, den 16.03.2011, um 17.00 Uhr statt.
Ort: Rektoratsgebäude, Alter Senatssaal Ritterstraße 26
04109 Leipzig
Weitere Informationen:
weitere Informationen zur Pressemeldung:
Prof. Dr. Maria-Elisabeth Krautwald-Junghanns
Telefon: +49 341 97-38401
E-Mail: krautwald@vetmed.uni-leipzig.de

Katrin Henneberg | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://vogelklinik.uni-leipzig.de/
http://www.uni-leipzig.de/presse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten
08.12.2016 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Herz-Bindegewebe unter Strom
08.12.2016 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops