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HPV-Antikörpertest als Frühwarnsystem für Krebs im Mund-Rachen-Raum

18.06.2013
Der Nachweis von Antikörpern gegen Humane Papillomviren des Hochrisiko-Typs HPV 16 könnte in Zukunft dazu beitragen, die Gefahr einer Tumorerkrankung im Mund-Rachen-Raum lange vor Ausbruch des Krebses aufzudecken.

Dies ist das Ergebnis einer internationalen Studie von Forschern des Deutschen Krebsforschungszentrums, der International Agency for Research on Cancer (IARC) und des amerikanischen National Cancer Institute, die jetzt in der Fachzeitschrift „Journal of Clinical Oncology“ veröffentlicht wurde.

Humane Papillomviren stehen nachweislich mit Gebärmutterhalstumoren und anderen Krebsarten des Ano-Genitalbereichs in Verbindung. In den letzten Jahren wird jedoch auch in zunehmendem Maße die Diagnose „Krebs des Mund-Rachen-Raums“ im Zusammenhang mit HPV-Infektionen gestellt – vor allem bei Männern treten diese teilweise virus-bedingten Tumoren gehäuft auf. Unter den Humanen Papillomviren ist der HPV-Typ 16 als besonders gefährlich einzustufen. Sind Antikörper gegen das Protein E6 dieses Virustyps im Blut nachweisbar, besteht ein sehr hohes Risiko, infolge der Virusinfektion Tumoren des Mund-Rachen-Raums zu entwickeln.

Die Früherkennung von Krebs besitzt einen sehr hohen Stellenwert, denn je früher ein Tumor entdeckt wird, desto eher lässt er sich vollständig entfernen und damit der Patient heilen. Michael Pawlita, HPV-Forscher am Deutschen Krebsforschungszentrum, und seine Gruppe verfügen über große Expertise beim Nachweis von Antikörpern gegen Humane Papillomviren. „Unser Labor hat einen speziellen Test entwickelt und ist eine von weltweit ganz wenigen Einrichtungen, die dieses Nachweisverfahren durchführen können“, sagt Pawlita. Mit seinem Test konnten die Studienpartner prüfen, ob sich die Antikörper gegen HPV 16 als Biomarker zur Früherkennung von HPV-verursachtem Krebs des Mund-Rachen-Raums eignen. Paul Brennan, Leiter der Sektion und Gruppe für Genetische Epidemiologie der IARC und Senior-Autor der Studie, zeigt sich begeistert: „Unsere Ergebnisse sind in dieser Hinsicht sehr vielversprechend. Lange wussten wir nicht, ob Antikörper gegen HPV 16 zu einem Zeitpunkt im Blut vorkommen, zu dem noch gar keine klinischen Anzeichen der Krebserkrankung erkennbar sind. Nun haben wir nachgewiesen, dass bereits 12 Jahre vor Ausbruch von Tumoren im Mund-Rachen-Raum Antikörper im Serum auftreten.“ Bisher gab es für diese seltene Krebsart keine derartig präzise Möglichkeit der Früherkennung.

Eine weitere wichtige Erkenntnis der Studie betrifft die Überlebenszeit nach der Diagnose. Patienten mit Mund-Rachen-Tumoren, die Antikörper gegen das HPV 16-spezifische Protein E6 im Blut aufwiesen, haben offenbar eine bessere Prognose als Patienten, bei denen dies nicht der Fall war. Die Wahrscheinlichkeit, fünf Jahre nach der Krebsdiagnose noch am Leben zu sein, war bei den positiv getesteten Patienten dreimal so hoch.

Für den Antikörper-Nachweis untersuchten die Wissenschaftler Blutproben von knapp 2600 Teilnehmern der EPIC-Studie (European Prospective Investigation Into Cancer and Nutrition), die zum Zeitpunkt der Blutentnahme noch nicht an Tumoren im Mund-Rachen-Raum litten. Die Untersuchungsergebnisse von knapp 1000 Personen, die in den Folgejahren an dieser Krebsart erkrankten, wurden anschließend denen einer Vergleichsgruppe von rund 1600 gesunden Individuen gegenübergestellt.
Tumoren des Mund-Rachen-Raums zählen zu den eher seltenen Krebsarten. Klassische Auslöser sind starker Tabak- und Alkoholkonsum. In den letzten Jahrzehnten tritt dieser Krebs in etlichen Regionen der Welt, vor allem Europa und Amerika, vermehrt auf. Es ist anzunehmen, dass dieser Zuwachs auf der gestiegenen Zahl von HPV-assoziierten Tumoren beruht. Zudem scheinen veränderte Sexualpraktiken wie Oralverkehr das Auftreten von HPV-assoziiertem Krebs im Mund-Rachen-Raum zu begünstigen. Studien deuten darauf hin, dass bis zu zwei Drittel der Patienten mit dieser Krebsart Antikörper gegen das HPV-Protein E6 gebildet haben,

AR Kreimer et al. Evaluation of Human Papillomavirus Antibodies and Risk of Subsequent Head and Neck Cancer. Journal of Clinical Oncology, 2013. http://dx.doi.org/10.1200/JCO.2012.47.2738

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Dr. Stefanie Seltmann
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
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