Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hormone entscheiden über Bruterfolg von Vögeln

20.01.2011
Manche Tierarten haben mehr, andere weniger Nachkommen. Hormone wie Prolaktin und Kortikosteron können das Verhalten in der Brutsaison und damit den Fortpflanzungserfolg eines Elternpaares entscheidend beeinflussen.

Nun haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell und ihre Kollegen der Universitäten Princeton und Edinburgh nachgewiesen, dass die Hormonwerte nicht nur während der Brutzeit von Bedeutung sind,sondern bereits lang davor entscheiden, wann, wie oft und wie viel Eier ein Vogelpaar legt.Die hormonelle Verfassung eines Tieres ist daher von großer Bedeutung für seinen Fortpflanzungserfolg und ist möglicherweise eine wichtige Schaltstelle der Evolution.

Auch in der Vogelwelt gibt es große Unterschiede in der Anzahl der Jungen. Verschiedene Individuen einer Art beginnen darüber hinaus zu unterschiedlichen Zeiten mit der Balz und der Brut. Hormone, winzige Botenstoffmoleküle mit großen Auswirkungen auf den Organismus, können hier eine wichtige Steuerungsfunktion haben. Zum Beispiel steigt die Kortikosteron-Konzentration leicht an, wenn ein Tier sehr aktiv ist, etwa bei der Brutpflege. Ist es aber einer plötzlichen Gefahr und damit großem Stress ausgesetzt, erhöhen sich die Werte stark. In dieser Situation können für das Überleben unwichtige Funktionen wie die Fortpflanzung unterdrückt werden. Das Hormon Prolaktin dagegen regt die Vögel an, verstärkt in die Fortpflanzung zu investieren, es steuert die Anzahl der Eier pro Gelege und die Intensität der Brutpflege.

Jenny Ouyang von der Princeton Universität und Michaela Hau vom Max-Planck-Institut für Ornithologie untersuchten deshalb gemeinsam mit ihren Kollegen der Universität Edinburgh an frei lebenden Haussperlingen (Passer domesticus), in welcher Weise die individuellen Hormonkonzentrationen vor und während der Brutzeit mit dem Fortpflanzungserfolg zusammenhängen. Diese Vögel unterscheiden sich oft erheblich in der Anzahl der Gelege und darin, wie viel Eier sie in einer Brutsaison legen und wie viele Junge insgesamt flügge werden. Da Haussperlinge standorttreu sind, kann man besonders gut gezielt einzelne Individuen über einen längeren Zeitraum untersuchen.

Die Wissenschaftler zählten für jedes Brutpaar die Anzahl der Eier und der Gelege sowie die Zahl der ausgeflogenen Nachkommen. Parallel entnahmen sie drei Wochen vor Brutbeginn und während der Aufzucht des ersten Geleges in natürlichen Situationen und unter künstlich herbei geführtem Stress regelmäßig Blutproben, um die jeweiligen Konzentrationen der Hormone Kortikosteron und Prolaktin zu bestimmen. „Wir waren überrascht, dass wir drei Wochen vor der Brutsaison anhand der gemessenen Hormonwerte voraussagen konnten, wie viel Nachkommen ein Elternpaar haben würde“, freut sich Jenny Ouyang. „Sperlinge, die vor der Brutsaison niedrige Kortikosteron-Werte hatten, zogen die meisten Jungen auf. Insbesondere Vögel mit niedrigen Werten vor, aber erhöhten während der Brutsaison, hatten großen Fortpflanzungserfolg: Sie investierten offensichtlich viel Arbeit in die Brut.“ Die Tiere dagegen, die hormonell sehr stark auf Stress reagierten, fütterten weniger und hatten entsprechend weniger Nachkommen.

Prolaktin ist den Wissenschaftlern zufolge das entscheidende Hormon für den Zeitpunkt der ersten Eiablage: Weibchen mit höheren Prolaktinwerten begannen früher zu legen, und hatten deshalb auch mehr Nachkommen. „Besonders spannend ist für uns ebenso die Tatsache, dass die Elternpaare sehr ähnliche Hormonwerte aufwiesen“, fügt Jenny Ouyang hinzu „Ob sich die Paare gegenseitig in ihrem Hormonstatus beeinflussen, oder ob sie sich Partner mit ähnlichen Hormonwerten aussuchen, ist noch unklar.“

Die Ergebnisse dieser Untersuchung verbessern das Verständnis der physiologischen Mechanismen, die darüber entscheiden, wann, wie viel Eier pro Gelege und wie oft ein Vogel brütet. Dabei sind die Hormone Prolaktin und vor allem Kortikosteron von größerer Bedeutung für die Regelung individueller Investitionen vor Beginn der Fortpflanzung als bisher angenommen wurde. Sollte die individuelle Höhe der Hormonwerte vererbbar sein, könnte dies eine grundlegende Erklärung dafür sein, warum manche Individuen eine hohe Anzahl von Nachkommen hinterlassen und damit evolutionär erfolgreicher sind als andere.

MH/LA/HR

Originalveröffentlichung:
Jenny Q. Ouyang, Peter J. Sharp, Alistair Dawson, Michael Quetting, Michaela Hau, "Hormone Levels predict individual differences in reproductive success in a passerine bird"

Proceedings of the Royal Society B., Online veröffentlicht 19. Januar 2011, DOI: 10.1098/rspb 2010-2490 R1

Ansprechpartner:
Jenny Ouyang, Princeton University
Telefon: 805 703 01712, E-Mail: jqouyang@gmail.com
Dr. Michaela Hau, Max-Planck-Institut für Ornithologie, Radolfzell
Telefon: +49 7732 1501-13,E-Mail: mhau@orn.mpg.de
Leonore Apitz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Max-Planck-Institut für Ornithologie, Radolfzell

Telefon: +49 7732 1501-74, E-Mail: apitz@orn.mpg.de

Leonore Apitz | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.orn.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers
28.04.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Forschungsteam entdeckt Mechanismus zur Aktivierung der Reproduktion bei Pflanzen
28.04.2017 | Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie