Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hoffnung für Alzheimer-Patienten?

04.12.2008
Dipeptid blockiert die Bildung toxischer Aggregate des Amyloid-beta-Peptids in Mäusen

Die Alzheimer-Krankheit ist die Hauptursache altersbedingter Demenz. Weltweit sind ca. 15 Millionen Menschen von dieser neurodegenerativen Erkrankung betroffen. Bisher lassen sich die Ursachen der Alzheimer-Krankheit noch nicht wirksam bekämpfen.

Israelische Forscher haben nun einen neuartigen Ansatz für eine Therapie entwickelt. Wie sie in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten, verbessert der neue Wirkstoff, ein Molekül aus zwei nichtphysiologischen Aminosäuren, die kognitiven Leistungen von Alzheimer-Mäusen und reduziert die Amyloid-Plaques in ihren Hirnen.

Bereits viele Jahre bevor erste klinische Symptome sichtbar werden, bilden sich im Gehirn von Alzheimer-Patienten als Plaques bezeichnete faserartige Ablagerungen aus vielen fehlerhaft gefalteten Amyloid-beta-Peptiden. Ging man bisher davon aus, dass diese Plaques die Degeneration der Nervenzellen auslösen, deuten neuere Erkenntnisse darauf hin, dass kleinere, lösliche Aggregate des amyloidbildenden Peptids die eigentliche Ursache für die gestörten Lern- und Erinnerungsfunktionen darstellen. Diese Oligomere aus etwa zwölf Peptideinheiten wirken stark toxisch auf Nervenzellen. Der neue Therapieansatz der Forscher um Ehud Gazit von der Universität Tel Aviv soll die Bildung dieser toxischen Oligomere blockieren.

Ein Wirkstoff-Molekül wurde gezielt so entworfen, dass es zum einen eine aromatische Aminosäure, zum anderen einen so genannten beta-Brecher enthält. Bei der der Zusammenlagerung amyloidbildender Peptide spielen aromatische Seitengruppen eine Schlüsselrolle. Der Wirkstoff sollte daher mit seinem aromatischen Baustein an den aromatischen Kern des beta-Amyloid-Peptids binden können. In Amyloidaggregaten liegen Proteine als ziehharmonikaartig geriffelte beta-Faltblätter vor. Der Wirkstoff sollte deshalb als beta-Brecher wirken, also verhindern, dass Proteine sich zum beta-Faltblatt falten. Das Molekül sollte zudem klein sein, damit es bei oraler Einnahme über den Verdauungstrakt aufgenommen werden kann. Dabei darf es vom Organismus nicht so schnell wieder abgebaut werden und darf nicht toxisch sein.

Alle diese Anforderungen erfüllt das kleine Dipeptid, ein Molekül aus zwei Aminosäuren, das die Forscher entworfen haben: Als beta-Brecher dient die nicht physiologische Aminosäure alpha-Aminoisobuttersäure. Die zweite Aminosäure ist D-Tryptophan. Sie enthält eine Indol-Gruppe, die ein wirkungsvoller Aromatenbinder ist. Gleichzeitig stabilisiert sie das Dipeptid, denn D-Aminosäuren werden vom Körper wesentlich langsamer abgebaut als die physiologischen L-Aminosäuren.

Werden genetisch veränderte Mäuse, die Alzheimer entwickeln, mit dem Dipeptid behandelt, normalisieren sich deren gestörte kognitive Leistungen wieder. In ihren Hirnen konnte eine deutliche Abnahme der Konzentration der amyloidbildenden beta-Peptide und der Größe der Plaques festgestellt werden.

Angewandte Chemie: Presseinfo 47/2008

Autor: Ehud Gazit, Tel Aviv University (Israel), http://www.tau.ac.il/lifesci/departments/biotech/members/gazit/gazit.html

Angewandte Chemie, doi: 10.1002/ange.200802123

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69495 Weinheim, Germany

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de
http://www.tau.ac.il/lifesci/departments/biotech/members/gazit/gazit.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zebras: Immer der Erinnerung nach
24.05.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Wichtiges Regulator-Gen für die Bildung der Herzklappen entdeckt
24.05.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten