Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Höchster DNA-Barcode Deutschlands von der Zugspitze gewonnen

20.03.2014

Barcoding-Projekt erfolgreich ins sechste Jahr gestartet

Mit der Gendatenbank können Wissenschaftler künftig unbekannte Arten kostengünstig, schnell und zuverlässig identifizieren.


Der Felsenblümchen-Schleierfalter Plutella geniatella

Foto: J. Moriniere ZSM

Jörg Spelda, Stefan Friedrich und Roland Melzer, Forscher der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM) unternahmen im vergangenen Sommer eine Exkursion auf Deutschlands höchsten Berg, die Zugspitze, mit dem Ziel die dortige Gipfelfauna umfassend zu beproben.

Dort fingen sie im Gipfelbereich auf fast 3000 Meter Höhe ein Exemplar des Felsenblümchen-Schleierfalters Plutella geniatella. Dieser seltene Kleinschmetterling ist nur von den höheren Berggipfeln der Alpen und Karpaten bekannt und in Bayern zuletzt im Jahr 1989 beobachtet worden.

Das Falter-Exemplar steuert seinen Gencode zum Forschungsprojekt „Barcoding Fauna Bavarica“ bei, mit dem die Münchener Forscher derzeit den Genbestand aller 34.000 Tierarten in Bayern erfassen.

"Durch moderne genetische Methoden kann man heute die kompletten Artenbestände ganzer Bundesländer sehr effektiv erfassen. So konnten allein durch das Barcoding in den letzten fünf Jahren mehrere Dutzend Arten als neu für Bayern und Deutschland nachgewiesen werden" sagt Axel Hausmann, Schmetterlingsforscher an der Staatssammlung.

In diesem innovativen Projekt untersuchen Wissenschaftler einen bestimmten Genabschnitt des Cytochrom Oxidase-I Gens und speichern diesen in einer Online-Datenbank ab. Dieser Genabschnitt besitzt für die Art eine ähnliche Bedeutung wie ein Barcode auf einem Produkt im Supermarkt. Mit diesem genetischen Barcode lassen sich später andere Individuen der gleichen Art zweifelsfrei bestimmen. Die bayerischen Forscher konnten bisher 15.000 einheimische Tierarten in die DNA-Bibliothek einstellen.

Das vom Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst finanzierte Projekt „Barcoding Fauna Bavarica“ (www.faunabavarica.de) wurde jetzt um weitere fünf Jahre verlängert, so dass die Wissenschaftler zuversichtlich sind, einen großen Anteil der bayerischen Fauna genetisch erfassen zu können. Die so gewonnenen Daten dienen der Grundlagenforschung oder werden in der Land- oder Forstwirtschaft, in der Naturschutzplanung sowie in der medizinischen Insektenkunde benötigt.

Das bayerische Barcoding-Projekt ist seit 2009 Teil des Verbundprojektes „International Barcode of Life (iBOL)“ mit Sitz in Guelph/Kanada, welches genetische Barcodes aller Tierarten weltweit erfasst, sowie der deutschlandweiten Initiative GBOL (www.bolgermany.de). Mit der Gendatenbank können Wissenschaftler künftig unbekannte Arten kostengünstig, schnell und zuverlässig identifizieren.

Ansprechpartner:
Jerome Moriniere (Koordinator, Presse); moriniere@zsm.mwn.de – 089-8107-121
Axel Hausmann – Lepidoptera; Axel.hausmann@zsm.mwn.de – 089-8107-158

Weitere Informationen:

http://www.faunabavarica.de - Projekt Barcoding Fauna Bavarica
http://www.zsm.mwn.de - Zoologische Staatssammlung München
http://www.snsb.de - Staatliche Naturwissenschatfliche Sammlungen Bayerns

Dr. Eva-Maria Natzer | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Designerviren stacheln Immunabwehr gegen Krebszellen an
26.05.2017 | Universität Basel

nachricht Wachstumsmechanismus der Pilze entschlüsselt
26.05.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften