Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hodgkin-Lymphom - neue Eigenschaften entdeckt

08.10.2008
Forscher entdecken immer neue Eigenschaften des Hodgkin-Lymphoms, eines häufigen Lymphdrüsenkrebs, der von weißen Blutzellen (B-Zellen) abstammt, aber viele Merkmale dieser Immunzellen verloren hat. Es ist deshalb einzigartig in seinem Erscheinungsbild und seinen Eigenschaften.

In den Tumorzellen des Hodgkin-Lymphoms haben Björn Lamprecht und Dr. Stephan Mathas (Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, MDC, Berlin-Buch und Charité - Universitätsmedizin Berlin) die Produktion von Interleukin 21 (IL-21) nachgewiesen. Dieser Botenstoff (Zytokin) des Immunsystems fördert das Wachstum der Krebszellen und hilft ihnen, dem Immunsystem zu entkommen (Blood*, Vol. 112. Nr. 8, 2008, 3339-3347).

Bislang galt, dass IL-21 nur von T-Zellen, einer anderen Gruppe von Immunzellen, produziert wird. Die Blockade von IL-21 könnte nach Ansicht der Forscher aus dem Labor von Prof. Bernd Dörken in Zukunft zur Entwicklung neuer Therapiestrategien des Hodgkin Lymphoms führen. Sie kooperierten bei dieser Arbeit mit der Universität Tor Vergata, Rom (Italien).

Die Tumorzellen des Hodgkin-Lymphoms, die Hodgkin-/Reed-Sternberg- (HRS) Zellen, haben ihr Erscheinungsbild und ihre Eigenschaften durch Umprogrammierungen so verändert, dass Forscher erst 160 Jahre nach der Beschreibung der Krankheit durch den britischen Arzt Sir Thomas Hodgkin (1832) mit Hilfe molekularbiologischer Methoden 1994 herausfanden, dass der nach ihm benannte Lymphdrüsenkrebs von weißen Blutzellen (B-Zellen) abstammt. Obwohl HRS-Zellen aus B-Zellen hervorgegangen sind, haben sie die Expression der meisten B-Zell-Gene verloren.

Arbeitshypothese für die jetzt publizierte Arbeit war, daß die Tumorzellen durch den Verlust vieler B-Zell spezifischer Gene alternative Signalwege benötigen, um ihr bösartiges Wachstum aufrecht zu erhalten. "Die Reprogrammierung kann den Zellen des Hodgkin-Lymphoms diesen Überlebensvorteil verschaffen", erläutert Dr. Mathas. Die Forscher suchten deshalb nach Faktoren, die normalerweise nicht von B-Zellen stammen. Sie wurden fündig mit dem Gen für den Botenstoff IL-21.

Unterschiedliche Funktionen von IL-21
IL-21 ist erst vor wenigen Jahren bei T-Zellen entdeckt worden. Die Funktion von IL-21 ist aber je nach Zellart sehr unterschiedlich. IL-21 bringt in einigen Zelltypen etwa das Schutzprogramm des Körpers auf Trab, das Forscher den programmierten Zelltod oder Apoptose nennen. Dieses Selbstmordprogramm trägt jede Zelle in sich, damit sie sich, wenn sie verändert oder defekt ist, umbringt. Dadurch wird verhindert, dass der gesamte Organismus durch die kranke Zelle geschädigt wird.

So kurbelt IL-21 die T-Zellen das Immunsystem an und treibt zum Beispiel Zellen der chronisch-lymphatischen Leukämie vom B-Zell-Typ (B-CLL) in den Selbstmord. Bei T-Zell-Leukämien hingegen macht IL-21 genau das Gegenteil und fördert das Krebswachstum.

Erstmals konnten die Forscher aus Berlin und Rom zeigen, daß IL-21 von lymphatischen Zellen, die ursprünglich aus B-Zellen hervorgegangen sind, produziert wird. IL-21 aktiviert einen bestimmten Signalweg (STAT3) und schaltet darüber in HRS-Zellen eine Gruppe verschiedener Gene an, die das ungebremste Wachstum und Überleben der HRS-Zellen unterstützen.

IL-21 aktiviert auch Lockstoff für Zellen, die das Immunsystem unterdrücken
Damit nicht genug. IL-21 aktiviert nach den weiteren Erkenntnissen der Forscher in den HRS-Zellen außerdem ein Protein (MIP-3 alpha), das eine Gruppe von T-Zellen zu dem Tumor lockt, die das Immunsystem unterdrücken. Diese regulatorischen T-Zellen halten im gesunden Organismus das Immunsystem in Schach und verhindern, dass es zu überschießenden Immunreaktionen kommt.

In der Umgebung der HRS-Zellen findet sich eine Vielzahl dieser regulatorischen T-Zellen. Angelockt von MIP-3-alpha, können sie eine wirksame Immunabwehr des Körpers gegen die HRS-Zellen unterdrücken. Die Produktion solcher Lockstoffe könnte, so die Forscher, auch eine Ursache dafür sein, dass das Hodgkin-Lymphom so wenige Tumorzellen enthält. Sie machen lediglich 0.1 bis ein Prozent des Gewebes aus.

Im Tierversuch hat sich bei immunologischen Erkrankungen wie zum Beispiel der rheumatoiden Arthritis oder des Lupus erythematodes, einer Krankheit, die unter anderem mit Hautveränderungen sowie Entzündungen von Gefäßen und Gelenken einhergeht, gezeigt, dass sich die Symptome deutlich verbessern können, wenn IL-21 blockiert wird. "Gelänge es," so Dr. Mathas, "beim Menschen IL-21 oder auch MIP-3 alpha in den Tumorzellen zu hemmen, könnte dies möglicherweise ein neuer Therapieansatz für das Hodgkin-Lymphom sein." Bisher ist das Hodgkin-Lymphom insbesondere mit Chemotherapie auch im fortgeschrittenen Stadium zwischen 80 und 90 Prozent heilbar. Diese Therapien können jedoch schwere Nebenwirkungen haben und eine erneute Krebserkrankung auslösen. Erst kürzlich waren Dr. Mathas und Dr. Martin Janz für ihre Arbeiten zum Hodgkin-Lymphom mit dem Curt-Meyer-Gedächtnis-Preis der Berliner Krebsgesellschaft ausgezeichnet worden.

*Aberrant expression of the Th2 cytokine IL-21 in Hodgkin lymphoma cells regulates STAT3 signaling and attracts Treg cells via regulation of MIP-3 alpha

Björn Lamprecht1,2, Stephan Kreher1,2, Ioannis Anagnostopoulos4, Korinna Jöhrens4, Giovanni Monteleone3, Franziska Jundt1,2, Harald Stein4, Martin Janz1,2, Bernd Dörken1,2 and Stephan Mathas1,2

1Max-Delbrück-Center for Molecular Medicine, Robert-Rössle-Str. 10, 13125 Berlin;2Hematology, Oncology and Tumorimmunology, Charité, Medical University Berlin, CVK, Augustenburger Platz 1, 13353 Berlin; 3Dipartimento di Medicina Interna e Centro di Eccellenza per lo Studio delle Malattie Complesse e Multifattoriali, Università Tor Vergata, Rome, Italy; 4Institute for Pathology, Charité, Medical University Berlin, CBF, Hindenburgdamm 30, 12200 Berlin, Germany; prepublished online August 6, 2008; DOI 10.1182/blood-2008-01-134783

Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 94 06 - 38 96
Fax: +49 (0) 30 94 06 - 38 33
e-mail: presse@mdc-berlin.de

Barbara Bachtler | Max-Delbrück-Centrum
Weitere Informationen:
http://www.mdc-berlin.de/
http://www.mdc-berlin.de/de/news/2005/index.html
http://www.lymphome.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Superkondensatoren aus Holzbestandteilen
24.05.2018 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Was einen guten Katalysator ausmacht
24.05.2018 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Was einen guten Katalysator ausmacht

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Superkondensatoren aus Holzbestandteilen

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Schaltschrank-Plattform für die Energiewelt

24.05.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics