Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hochgeborene Hyänen-Söhne profitieren ihr Leben lang

24.08.2010
Söhne von Müttern mit hohem Sozialstatus genießen während der Aufzucht Privilegien und erzielen dadurch einen besonders hohen Fortpflanzungserfolg.

Dies zeigte jetzt ein Team um Forscher des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin zum ersten Mal bei einem sozialen Säugetier, der Tüpfelhyäne. Die Resultate werden in der neuesten Ausgabe des wissenschaftlichen Fachjournals „Nature Communications“ vorgestellt.

Bei vielen sozialen Säugetieren gibt es eine strikte Rangordnung unter den Gruppenmitgliedern. In diesen Gesellschaften haben hochrangige Mütter bevorzugten Zugang zu Ressourcen und können mehr in ihre Nachkommen investieren als tieferrangige. Dadurch überleben ihre Nachkommen meist besser als die Nachkommen tieferrangiger Mütter. Ob hochrangige Mütter auch langfristig den Erfolg ihrer Söhne beeinflussen können, war bislang unbekannt. Um diese Frage zu untersuchen, verglichen die Forscher Wachstum, Verhalten und Fortpflanzungserfolg von Söhnen hoch- und tiefrangiger Mütter bei Tüpfelhyänen in Tansania.

„Die Söhne hochrangiger Mütter wuchsen schneller, wanderten in Gruppen mit mehr zeugungswilligen Weibchen ein, zeugten früher Junge und hatten einen höheren Fortpflanzungserfolg als die Söhne tieferrangiger Mütter“ sagt Dr. Oliver Höner vom IZW. Hochrangige Mütter investieren also tatsächlich mehr in ihre Söhne als tieferrangige Mütter und dies hat einen weitreichenden Einfluss auf den langfristigen Erfolg der Söhne.

Die Studie ist die erste, die den Einfluss von mütterlichem Sozialstatus und mütterlicher Investition auf Nachkommen zeigt, die ihre Geburtsgruppe in jungem Alter verlassen. Die Studie zeigt auch, dass der mütterliche Einfluss auf die Nachkommen wichtiger und weiter verbreitet ist, als bisher bekannt. Frühere Studien berichteten, dass Mütter die Größe und Stärke von Söhnen beeinflussen können. Bei Tüpfelhyänen hängt der Fortpflanzungserfolg der Männchen jedoch nicht von ihrer Größe und Stärke ab. „Die Männchen müssen sich vielmehr den Vorlieben der Weibchen anpassen und gute Beziehungen mit ihnen aufbauen, denn die Weibchen dominieren die Männchen und bestimmen allein den Vater ihrer Jungen“, so Dr. Höner. Dass Mütter auch großen Einfluss darauf haben, in welche Gruppe ihre Söhne einwandern und in welchem Alter sie sich zum ersten Mal fortpflanzen, deutet darauf hin, dass sie nicht nur physische Merkmale, sondern auch das Verhalten ihrer Söhne beeinflussen.

„Bisher war nicht bekannt, ob es sich für Mütter langfristig lohnt, viel in ihre Söhne zu investieren. Das liegt an der praktischen Schwierigkeit, sowohl den mütterlichen Einfluss als auch den Fortpflanzungserfolg der Söhne zu bestimmen, denn bei den meisten Säugetieren verlassen die Söhne ihre Geburtsgruppe wenn sie erwachsen werden und entziehen sich so üblicherweise der weiteren Beobachtung durch Forscher“, erklärt Dr. Bettina Wachter vom IZW. Dr. Marion East vom IZW ergänzt: „Ungewöhnlich an dieser Studie ist daher auch, dass der Lebensweg so vieler männlicher Hyänen verfolgt werden konnte. Die Resultate verbessern unser Verständnis zu mütterlichen Effekten bei sozialen Säugetieren“. Für die Studie beobachteten die Wissenschaftler alle Hyänen der acht Clans des Ngorongoro-Kraters in Tansania (momentan mehr als 500 Tiere) über einen Zeitraum von 14 Jahren, bestimmten die Hierarchien innerhalb der Clans, sammelten Proben des Erbguts von mehr als 800 Individuen und ermittelten die Väter von 650 Nachkommen mittels molekulargenetischer Methoden. „Nur mit dieser großangelegten und langjährigen Studie konnten wir die Lebensgeschichten einer ausreichenden Anzahl Söhne verfolgen und mit ihrem Reproduktionserfolg in der neuen Gruppe in Zusammenhang bringen“, so Dr. Wachter.

Die Studie erfolgte in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universität Bielefeld und der Universität Sheffield in Großbritannien und wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt.

Originalveröffentlichung:
Höner OP, Wachter B, Hofer H, Wilhelm K, Thierer D, Trillmich F, Burke T, East ML (2010): The fitness of dispersing spotted hyaena sons is influenced by maternal social status. Nature Communications, doi:10.1038/ncomms1059
Informationen und weitere Fotos:
Dr. Oliver Höner, +49 (0) 30 5168 516, hoener@izw-berlin.de
Dipl.-Soz. Steven Seet, +49 (0) 30 5168 108, seet@izw-berlin.de
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) im Forschungsverbund Berlin e.V., Alfred-Kowalke-Str. 17, D-10315 Berlin, GERMANY

Christine Vollgraf | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.izw-berlin.de
http://www.fv-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Licht zur Herstellung energiereicher Chemikalien nutzen
22.05.2018 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Junger Embryo verspeist gefährliche Zelle
22.05.2018 | Rudolf-Virchow-Zentrum für Experimentelle Biomedizin der Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics