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Herbststürme brachten Sauerstoff in die Ostsee

27.02.2012
Nach zehnjähriger Stagnation endlich wieder ein nennenswerter Salzwassereinbruch

Die Physikalischen Ozeanographen und Meereschemiker des IOW bringen von ihrer letzten Messfahrt (2.-14.2.2012) Neuigkeiten mit: die Herbststürme im November/Dezember 2011 haben große Mengen von Nordseewasser in die Ostsee schwappen lassen. Mit dem Salzwasser kommt Sauerstoff in die tiefen Bereiche der Ostsee, die ohne die Zufuhr mit diesem lebenswichtigen Stoff unterversorgt sind.

Die Begeisterung hält sich allerdings in Grenzen: zum einen bleibt die eingetragene Menge von etwa einer Milliarde Tonnen (1 Gt) an Salz deutlich hinter den letzten großen Salzwassereinbrüchen in den Wintern 2003 (2,0 Gt) und 1993 (3,4 Gt) zurück. Das neu eingeströmte Wasser findet man zurzeit als eine 20 m dicke, sauerstoffreiche Schicht am Grund östlich von Bornholm.

„Wir gehen davon aus, dass dieser Einstrom später im Frühjahr auch das Gotlandbecken – also die zentrale Ostsee – erreichen wird, aber nicht genug Sauerstoff mitbringt, um das gesamte Wasser dort ebenfalls nachhaltig zu belüften" meint Rainer Feistel, Physikalischer Ozeanograph am IOW zu der Situation.

Durch das Ausbleiben großer Einströme seit 1983 hatte sich der Salz- und Sauerstoffgehalt der tiefen Ostsee bis 1993 stark verringert. Fische wie der Dorsch, die zum Laichen salziges und sauerstoffreiches Wasser benötigen, gingen in der Folge deutlich zurück.

Durch Einströme 1993, 1997 und 2003 sowie häufige neuartige, auffällig warme kleine Einströme im Spätsommer nahm der Salzgehalt inzwischen wieder normale Werte an, der Sauerstoff aber immer nur kurzzeitig für jeweils 1-2 Jahre nach einem großen Winter-Einstrom. Entsprechend erhöhten sich Dorschfänge jeweils in den Folgejahren. Darauf dürfen wir nun auch in ein paar Jahren als Ergebnis des aktuellen Einstroms hoffen.

Kontakte für Rückfragen:
Dr. Rainer Feistel, 0381 / 5197 152, Sektion Physikalische Ozeanographie, IOW
Dr. Barbara Hentzsch, 0381 / 5197 102, Öffentlichkeitsarbeit, IOW
Das IOW ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, zu der zurzeit 87 Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung gehören. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Bund und Länder fördern die Institute gemeinsam. Insgesamt beschäftigen die Leibniz-Institute etwa 16.800 MitarbeiterInnen, davon sind ca. 7.800 WissenschaftlerInnen, davon wiederum 3.300 NachwuchswissenschaftlerInnen. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,4 Mrd. Euro, die Drittmittel betragen etwa 330 Mio. Euro pro Jahr.

Dr. Barbara Hentzsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.leibniz-gemeinschaft.de

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