Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Helfen neue biofunktionelle Lebensmittel gegen Bluthochdruck?

23.04.2009
An der TU Dresden wird die blutdrucksenkende Wirkung spezieller Peptide aus Milchprodukten erforscht

Volkskrankheit Bluthochdruck: in den Industrienationen ist heute jeder zweite Erwachsene über 50 Jahren von der "arteriellen Hypertonie" betroffen. Und den Zahlen nach liegt Deutschland statistisch noch vor allen anderen Ländern Europas.

Allein für die Verschreibung von Bluthochdruckmedikamenten, so genannter "ACE-Hemmer", gaben die Krankenkassen im Jahr 2005 ca. 750 Millionen Euro aus. Eine neue Studie an der Technischen Universität Dresden lässt da aufhorchen: in Experimenten konnten die Wissenschaftler zeigen, dass der Blutdruck von Ratten im Vergleich zu einer normal ernährten Kontrollgruppe signifikant absank, wenn an die Tiere eine mit speziellen Milchpeptiden angereicherte Nahrung verfüttert wurde. Die blutdrucksenkende Wirkung war sogar mit der eines häufig verschriebenen Medikaments zur ACE-Hemmung vergleichbar.

Wäre es auf der Basis dieser Vorarbeiten möglich, neue, auf natürlichen Wirkstoffen basierende Lebensmittel zu entwickeln, die hohen Blutdruck bekämpfen? Thomas Henle, Inhaber der Professur für Lebensmittelchemie an der TU Dresden, meint: "ja". In einem neuen Forschungsprojekt untersucht er gemeinsam mit Prof. Andreas Deußen (Institut für Physiologie) und Prof. Harald Rohm (Institut für Lebensmittel- und Bioverfahrenstechnik) die konkreten Wirkmechanismen bestimmter aus Molke gewonnener Peptide. Die Forscher wollen die Wirksamkeit entsprechend angereicherter Milchprodukte beim Menschen testen. Langfristig streben sie an, die neu entdeckten bioaktiven Effekte individueller Peptide in Lebens- und Futtermitteln nutzbar zu machen. Ein entsprechendes Patent hat die Universität bereits angemeldet.

"Unser Ziel ist es, medikamentöse Therapien gegen zu hohen Blutdruck in einem frühen Stadium durch Lebensmittel auf natürlicher Molkebasis in bestimmtem Umfang zu ersetzen und so auch einen maßgeblichen Beitrag zu Kostensenkungen im Gesundheitssystem zu leisten", erklärt Prof. Henle. "Unsere Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass aus dem Molkenprotein alpha-Lactalbumin Peptide gewonnen werden können, die einen funktionellen Bestandteil von Lebensmitteln oder auch Nahrungsergänzungsmitteln mit blutdrucksenkender Wirkung darstellen kann. Auch wenn wir die genauen Mechanismen noch nicht kennen, so dürfen wir aus den bisherigen Ergebnissen sogar weitergehende positive Effekte, etwa auf Herz und Gefäße, erwarten." Ein auf drei Jahre ausgelegtes Forschungsprogramm, an dem auch ein Milch- und ein Käsereiunternehmen beteiligt sind, wird nun durch die Initiative "Biomedizinische Ernährungsforschung" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Bis die Peptide im technischen Maßstab für Lebensmittelfirmen verfügbar und vielleicht eine entsprechend "veredelte Molke" zur Blutdrucksenkung auf dem Markt ist, müssen sich Verbraucher also noch gedulden. Trotzdem: "Schon jetzt können wir sagen, dass fermentierte Milchprodukte wie Joghurt und auch lang gereifte Käsesorten bioaktive Peptide enthalten", so der Dresdner Wissenschaftler, und fügt hinzu: "Auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind: als Teil einer gesunden Ernährung dürften diese Lebensmittel bereits jetzt die angestrebte Wirkung haben, wenn auch natürlich in geringerem Ausmaß." Wundern Sie sich also nicht, wenn die Joghurtregale in nächster Zeit spürbar leerer aussehen, die Käsetheken geplündert sind.

Informationen für Journalisten:
Prof. Thomas Henle,
Tel.: 0351 463-34647
Mobil: 0172-8618267
E-Mail: thomas.henle@chemie.tu-dresden.de

Kim-Astrid Magister | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-dresden.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wasserbewegung als Hinweis auf den Zustand von Tumoren
19.04.2018 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden
19.04.2018 | Max-Planck-Institut für Polymerforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nachhaltige und innovative Lösungen

19.04.2018 | HANNOVER MESSE

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur optischen Kernuhr

19.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics