Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Heilsame Forschung

05.05.2010
Chemiker der Universität Jena koordinieren neues Schwerpunktprogramm „Design and Generic Principles of Self-Healing Materials“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)

Verletzungen heilen, jedenfalls in der Natur: Biologischen Strukturen (wie Zellen oder Geweben) wohnt die Fähigkeit zur Selbstheilung inne, ganz gleich ob ein abgeknickter Pflanzenhalm oder ein gebrochener menschlicher Arm wieder zusammenwächst.

„Reparatur und Regeneration sind Prinzipien, die sich im Laufe der Evolution entwickelt haben und permanent optimiert wurden“, weiß Prof. Dr. Ulrich S. Schubert von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. „Diese Heilungsprozesse umfassen sowohl Mechanismen auf molekularer Ebene, etwa bei der Reparatur von DNA-Molekülen, als auch die Regeneration ganzer Gewebe oder Organe“, so der geschäftsführende Direktor des Instituts für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie weiter.

Die Prinzipien der Selbstheilung auch auf Materialien zu übertragen, die nicht von der Natur, sondern von Menschen geschaffen sind, ist das Ziel, das die Chemiker um Prof. Schubert im Rahmen des neueingerichteten Schwerpunktprogramms (SPP) „Design and Generic Principles of Self-Healing Materials“ verfolgen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Programm, das von Prof. Schubert koordiniert wird, in den kommenden drei Jahren mit jährlich rund zwei Millionen Euro (die Schwerpunktprogramme der DFG arbeiten in der Regel sechs Jahre). Im Laufe des Jahres 2010 wird eine Ausschreibung der DFG erfolgen, bei der sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz Deutschland beteiligen können. Neben den Chemikern der Uni Jena sind als Leitungsteam Prof. Dr. Peter Greil (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg), Prof. Dr. Christoph Leyens (Technische Universität Dresden) und Prof. Dr. Sybrand van der Zwaag (Technical University Delft, Niederlande) an dem neuen SPP beteiligt.

Für die Friedrich-Schiller-Universität Jena bedeutet die Koordination dieses Schwerpunktprogrammes einen weiteren Ausbau ihres Forschungsprofils, wie Forschungsprorektor Prof. Dr. Herbert Witte betont. „Dies bringt uns zusätzlichen Rückenwind für die geplanten Anträge im Rahmen der Exzellenzinitiative wie auch für die Umsetzung unseres Zukunftskonzeptes“.

Materialien, die einen mechanischen Schaden ausheilen können und dadurch ihre ursprüngliche Funktion ganz oder teilweise wieder erlangen, sind nicht nur von wissenschaftlichem Interesse, sondern auch von enormer wirtschaftlicher Bedeutung. So bietet sich beispielsweise im Bereich langlebiger Baumaterialien ein weites Feld möglicher Anwendungen, speziell an schwer zugänglichen Orten (wie Tunneln oder U-Bahn-Schächten). Auch als Beschichtung von stark beanspruchten Oberflächen, z. B. Straßenbelägen oder Autolacken, bieten selbstheilende Materialien deutliche Vorteile gegenüber bisherigen Werkstoffen.

„Wir wollen uns im Rahmen des Schwerpunktprogramms besonders auf die Entwicklung neuer Konzepte für selbstheilende Materialien und die Erforschung der allgemeinen Prinzipien und Mechanismen der Selbstheilungsprozesse konzentrieren“, kündigt Schubert an, der auch den Forschungsschwerpunkt „Innovative Materialien und Technologien“ an der Jenaer Uni leitet. „Unser Ziel ist es, die verschiedenen Materialklassen – Polymere, Metalle, Keramiken und Beton – gemeinsam in einem Programm zu untersuchen.“ Als Inspirationsquelle nutzen die Chemiker die Natur: Sie wollen z. B. davon lernen, wie etwa die menschliche Haut nach einem Schnitt wieder zusammenwächst oder Knochen nach einem Sturz.

Kontakt:
Prof. Dr. Ulrich S. Schubert
Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Humboldtstraße 10, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948200
E-Mail: ulrich.schubert[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de/foerderung/programme/listen/index.jsp?id=SPP
http://www.materials.uni-jena.de
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie