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Heilende Pflanzen - Inventur der Flora in Burkina Faso

14.04.2015

Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Frankfurt haben in Zusammenarbeit mit Kollegen von der Universität Ouagadougou die Pflanzenwelt Burkina Fasos untersucht. In der kürzlich im „Journal of Ethnobiology and Ethnomedicine“ veröffentlichten Studie präsentieren die Forscher erstmals genaue Zahlen zur Pflanzennutzung in dem westafrikanischen Staat: 50 Prozent aller Pflanzenarten werden verwendet, davon 36 Prozent für traditionelle Medizin. Die Studie ist wichtig für erfolgreiche Schutzkonzepte, kann aber auch bei der Entwicklung von Medikamenten helfen.

Das Schmerzmittel Aspirin hat seinen Ursprung in der Rinde von Weiden, der zur Krebsbehandlung eingesetzte Wirkstoff Taxol wird aus Eibenrinde gewonnen und Malaria-Erreger bekämpft man mit Artemisinin – gewonnen aus dem Einjährigen Beifuß.


Die Rinde des Afrikanischen Mahagonibaums Khaya senegalensis wird medizinisch verwertet.

© Marco Schmidt/Senckenberg


Wird in Burkina Faso zur Behandlung von Schlangenbissen eingesetzt: Der Wilde Veilchenbaum Securidaca longipedunculata

© Marco Schmidt/Senckenberg

„Viele moderne Medikamente haben ihren Ursprung in pflanzlichen Wirkstoffen“, erzählt Prof. Dr. Georg Zizka, Abteilungsleiter Botanik und Molekulare Evolutionsforschung am Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt und ergänzt: „Wir haben in unserer Studie die Flora in Burkina Faso untersucht, erfasst und auch hinsichtlich ihres medizinischen Nutzens bewertet.“

In dem westafrikanischen Staat Burkina Faso lebt ein Großteil der 17 Millionen Einwohner in ländlichen Regionen und ist abhängig von lokalen Pflanzenerzeugnissen. „50 Prozent der 2067 bekannten Pflanzenarten werden in Burkina Faso von der Bevölkerung genutzt. Am häufigsten werden die Pflanzen für traditionelle Medizin, als Lebensmittel und Tierfutter verwendet“, ergänzt Zizka.

Gemeinsam mit seinen Frankfurter und Göteborger Kollegen Dr. Marco Schmidt, Dr. Stefan Dressler und Alexander Zizka in langjähriger Kooperation mit der Universität Ouagadougou wurden bereits veröffentlichte Pflanzenlisten mit ethnobotanischer Literatur kombiniert und so erstmalig eine umfassende, landesweite Aufstellung der Flora Burkina Fasos ermöglicht.

„Mehr als ein Drittel aller Pflanzenarten in Burkina Faso werden für traditionelle medizinische Behandlungen eingesetzt“, erklärt Schmidt und ergänzt: „Das ist vom Anteil her durchaus vergleichbar mit der weit besser dokumentierten und bekannten traditionellen chinesischen Medizin.“

Beim Einsatz der pflanzlichen Heilmittel geht es vor allem um die Behandlung von Infektionskrankheiten wie Malaria, Magen-Darm-Beschwerden sowie Erkrankungen der Harn- und Geschlechtsorgane. Botaniker Dressler fügt hinzu: „In einem Land wie Burkina Faso, in dem jährlich etwa 3,5 Millionen Fälle von Malaria auftreten und 50 Prozent der Malaria-Patienten unter 5 Jahren alt sind, ist der schnelle Zugriff auf günstige medizinische Hilfsmittel essentiell.“ Anhand der Malaria wird zudem die Bedeutung von traditioneller Medizin und natürlichen Produkten für die Entwicklung und Überprüfung von neuen Arzneimitteln deutlich. Vor dem Hintergrund, dass immer mehr Menschen resistent gegen bisherige Medikamente werden, werden neue Wirkstoffe benötigt.

„Wir haben den Nutzwert jeder einzelnen Art in Burkina Faso quantifiziert, so dass eine solide Grundlage zur Bewertung von pflanzlichen Ökosystemdienstleistungen, aber auch für pharmazeutische Screenings geschaffen wurde“, erläutert Zizka.
Entstanden sind dabei Ranglisten, die den jeweiligen Nutzen der Pflanzen bewerten. Am nützlichsten für die Bevölkerung Burkina Fasos wurden der Afrikanische Mahagonibaum (Khaya senegalensis), der Afrikanische Affenbrotbaum (Adansonia digitata) und das Ebenholzgewächs Diospyros mespiliformis bewertet. Hierbei stand besonders die Vielfalt der Nutzungsmöglichkeiten im Fokus: So wird beispielsweise die Rinde von Khaya senegalensis medizinisch verwertet, Früchte und Blätter von Adansonia digitata dienen als Vitamin C-reiche Nahrungsmittel.

„Unsere Listen sind wichtige Hilfsmittel, um zukünftige Schutzkonzepte für die Pflanzenwelt Burkina Fasos zu entwickeln oder auch um neue Arzneimittel entwickeln zu können“, resümiert Schmidt.

Kontakt
Prof. Dr. Georg Zizka
Abteilung Botanik und molekulare Evolutionsforschung
Tel. 069-798 42176 oder
0172-6848630
georg.zizka@senckenberg.de

Dr. Stefan Dressler
Abteilung Botanik und molekulare Evolutionsforschung
Tel. 069 97075-1135
stefan.dressler@senckenberg.de

Dr. Marco Schmidt
Abteilung Botanik und molekulare Evolutionsforschung
Tel. 069 97075-1615
marco.schmidt@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation
Zizka, A., Thiombiano, A., Dressler, S., Nacoulma, B.M.I., Ouédraogo, A., Ouédraogo, I., Ouédraogo, O., Zizka, G., Hahn, K., Schmidt, M. (2015). Traditional plant use in Burkina Faso (West Africa): a national-scale analysis with focus on traditional medicine. Journal of Ethnobiology and Ethnomedicine 11 (9). doi: 10.1186/1746-4269-11-9


Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert.

Mehr Informationen unter www.senckenberg.de 

Judith Jördens | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

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