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Gütesiegel für hygienisches Equipment

01.09.2009
In Reinräumen gelten strengste Hygienevorschriften – es dürfen keine Keime oder Verunreinigungen hineingelangen. Forscher testen Betriebsmittel nun auf ihre Reinraumtauglichkeit und listen geeignete Produkte in einer Online-Datenbank.

Bevor er den Reinraum betritt, legt der Forscher spezielle Schutzkleidung an. Diese soll verhindern, dass Keime oder andere Verunreinigungen in die hochempfindliche Umgebung gelangen. Doch nicht nur für die Mitarbeiter gelten strenge Anforderungen an die Hygiene. Auch die gesamte Ausstattung muss international festgesetzte Richtlinien erfüllen – von der Lithographieanlage bis hin zum Drehstuhl.


Verschiedene Pilzkulturen auf einem Nährboden. © Fraunhofer IPA

Am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart können Hersteller von Betriebsmitteln ihre Produkte überprüfen und zertifizieren lassen. »Das war anfangs vor allem für die Halbleiterindustrie interessant. Mittlerweile kommen viele Kunden aus anderen Branchen wie der Pharmazie oder der lebensmittelverarbeitenden Industrie, wo die Hygienestandards sehr hoch sind«, sagt Markus Keller.

In der Abteilung für Reinst- und Mikroproduktion testet er Betriebsmittel auf ihre Reinraumtauglichkeit – von Wand- und Bodenbelägen über Werkzeuge bis hin zur kompletten Inneneinrichtung. »Um beispielsweise herauszufinden, ob sich eine Oberfläche gut desinfizieren lässt, untersuchen wir unter dem Mikroskop ihre Rauheit – je glatter, desto besser. Das Material muss außerdem unempfindlich gegen bestimmte Chemikalien sein«, erläutert Keller. Auch die Konstruktion nimmt er genau unter die Lupe: Gibt es schwer zugängliche Winkel, wo sich Verschmutzungen ablagern können? Sind irgendwo Schrauben nicht korrekt angezogen? Falsch konzipierte Rohrverbindungen – dazu gehören etwa Verschraubungen – führen dazu, dass Fett- oder Eiweißreste in winzige Hohlräume gepresst werden, die auf den ersten Blick oft gar nicht zu sehen sind – beste Bedingungen für Keime. Darüber hinaus messen die Wissenschaftler, ob Werkstoffe Partikel absondern oder bei hohen Temperaturen Gase freisetzen. »Unsere Prüfvorrichtungen sind so genau, dass wir Partikelemissionen im sub-Mikrometer-Bereich detektieren können«, sagt Keller.

Erfüllen die Produkte alle relevanten Kriterien, bekommen sie ein Zertifikat. Das »Fraunhofer IPA tested device« gilt in Branchenkreisen als zuverlässiges Gütesiegel. Das Stuttgarter Institut veröffentlicht die zertifizierten Produkte in einer frei zugänglichen Online-Datenbank. Die Kunden entscheiden dabei selbst, ob und in welchem Umfang die Untersuchungsergebnisse ihrer Produkte eingesehen werden können. Keller sieht für beide Seiten einen Nutzen: »Interessenten können bequem nach geeigneten Produkten recherchieren, für die Unternehmen ist die Listung in der Datenbank eine gute Referenz, auf die sie verweisen können.« Die Datenbank enthält bereits über 600 Produkte.

Markus Keller | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2009/09/GuetesiegelFuerHygienischesEquipment.jsp

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