Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Große Fortschritte bei Entwicklung von Haut-Stammzell-Therapie für Schmetterlingskinder

27.11.2014

Wissenschaftlern am IMBA – Institut für Molekulare Biotechnologie der ÖAW in Wien ist ein großer Schritt für eine zukünftige Behandlung von Schmetterlingskindern gelungen: eine Therapie mit Fibroblasten aus induzierten pluripotenten Stammzellen zeigte bei der Maus großen Erfolg. Der nächste Schritt ist die Etablierung der Methode beim Menschen.

„Schmetterlingskinder“ leiden an einer folgenschweren Hautkrankheit, der sogenannten Epidermolysis Bullosa (EB). Die Ursache ist ein Gendefekt, der zu einem Fehlen oder Mangel von verschiedenen Struktureiweißen führt. Bei einer besonders schweren Form ist das Protein Kollagen 7 nicht oder zu wenig vorhanden.

Fehlt diese Verbindung zwischen den Schichten der Haut, reißt diese bei geringster mechanischer Belastung oder bildet Blasen. Das führt zu Entzündungen und Wunden, die aufwändig mit Verbänden und Cremes versorgt werden müssen. Sehr oft kommt es durch die ständigen Läsionen auch zu aggressiven Formen von Hautkrebs.

Derzeit kann die Krankheit nicht geheilt werden. Allerdings gibt es vielversprechende Ansätze, die in Zukunft zu einer erfolgreichen Behandlung führen könnten. Einer davon ist die Methode der sogenannten „Fibroblasteninjektion“. Bei diesem Verfahren werden Fibroblasten zwischen die Hautschichten gespritzt, wo sie das notwendige Kollagen 7 produzieren sollen.

Forschern am IMBA unter der Leitung von Arabella Meixner ist es gelungen, diese Methode auszubauen und die an EB erkrankten Mäuse damit zu behandeln. In jahrelanger Laborarbeit wurden die einzelnen Schritte der Therapie ausgetüftelt und sorgfältig getestet, die Ergebnisse werden nun im wissenschaftlichen Magazin „Science Translational Medicine“ veröffentlicht.

Zunächst führten die Wissenschaftler Hautzellen der erkrankten Mäuse in das Stadium von Stammzellen zurück. In diesen wurde der genetische Defekt, die Kernursache der Krankheit, repariert. Anschließend wurden die reparierten Stammzellen wieder zu Fibroblasten differenziert.

Bevor die reparierten Fibroblasten in den Organismus zurückgeschleust werden konnten, musste sichergestellt sein, dass es zu keinen Entzündungs- oder Abstoßungsreaktionen kommt. Nach Beobachtung über mehrere Monate konnten keine unerwünschten Immunreaktionen beobachtet werden und auch das Hautkrebsrisiko erhöhte sich nicht. Da bei „Schmetterlingskindern“ dieses Risiko ohnehin stark erhöht ist, ist das ein wichtiger Faktor.

Der größte Erfolg für die Wissenschaftler war schließlich die deutlich erhöhte Reißfestigkeit der Haut. Forschungsleiterin Arabella Meixner freut sich sehr über die guten Ergebnisse: „Unser mechanischer Belastungstest mit einem weichen Radiergummipinsel zeigte, dass die Haut der mit Stammzell-Therapie behandelten Mäuse stabil war und keine Wunden mehr entstanden. Es war also genug Kollagen 7 zwischen den Hautschichten vorhanden, um diese auch wirklich ordentlich zusammenzuhalten. Somit zeigt unsere Studie eindeutig, dass die vorliegende Methode für eine zukünftige Therapie von „Schmetterlingskindern“ geeignet ist.“

Der nächste Schritt ist somit die Etablierung der Haut-Stammzell-Therapie im Menschen. Dafür wollen sich die IMBA Wissenschaftler Partner mit Erfahrung im klinischen Bereich suchen. Für schwere Formen der Epidermolysis Bullosa muss zudem noch eine systemische Applikation entwickelt werden, bei der die Zellen über die Blutbahn in den gesamten Körper geschleust werden.

Hier sind nämlich auch schwer zugängliche Epithelien betroffen, wie Schleimhäute in Mund oder Darm. Bei „Schmetterlingskindern“ mit leichteren Formen der Erkrankung sind oft nur einzelne Hautareale betroffen. Hier könnte die an den Mäusen erfolgreich getestete Haut-Stammzell-Therapie mit lokalen Injektionen sehr bald zu einer wertvollen Behandlungsmethode werden.

Das von den IMBA Wissenschaftlern durchgeführte Projekt wurde von der Patientenorganisation DEBRA Austria initiiert und wird seit 2009 vom Verein und großzügigen Förderpartnern finanziell unterstützt. DEBRA sorgt dafür, dass "Schmetterlingskinder" kompetente und spezialisierte medizinische Versorgung bekommen und treibt die Forschung nach Linderungs- und Heilungsmöglichkeiten für EB voran. Weiterer Dank geht an den Förderpartner „Österreichische Lotterien“, sowie an den FK Austria Wien für seine Unterstützung im Rahmen des Projektes „Fußball kann heilen“.

Originalpublikation:
Wenzel et. al., iPSC-based cell therapy for Recessive Dystrophic Epidermolysis Bullosa. Science Translational Medicine. 2014.

Wissenschaftlicher Kontakt:
Dr. Arabella Meixner, Projektleitung
Tel. +43 664 2018084
arabella.meixner@imba.oeaw.ac.at


Weitere Informationen:

http://www.imba.oeaw.ac.at

Evelyn Devuyst | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften