Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Größte Blume der Welt öffnet sich in Kürze im Jenaer Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

28.06.2010
Der Titanenwurz (Amorphophallus titanum) ist eine der spektakulärsten Pflanzenarten weltweit, besitzt sie doch den größten Blütenstand im gesamten Pflanzenreich.

Die Pflanze, deren natürliches Vorkommen sich auf Urwälder der indonesischen Insel Sumatra beschränkt, ist sehr selten in der Kultur und blüht zum ersten Mal überhaupt in Thüringen: im Forschungsgewächshaus des Max-Planck-Institutes für chemische Ökologie in Jena. Die Pflanze blüht maximal 24 Stunden. Eine Information zum Blütenzeitpunkt wird kurzfristig, spätestens am Tag der Blüte, per E-mail an unseren Presseverteiler erfolgen. Dies wird voraussichtlich in den nächsten Tagen der Fall sein.


Blüte eines Titanenwurz
W. Barthlott, Botanischer Garten, Bonn

Der Blütenstand des Titanenwurzes stellt im blütenbiologischen Sinne eine Blume dar: Kleine stark reduzierte Einzelblüten sitzen im unteren Bereich der Blütenstandsachse und werden von einem riesigen trichterförmigen Hochblatt umgeben. Über dem Hochblatt thront der sterile konusförmige Teil der Blütenachse – die Keule. Zu Zeit der Blüte, die höchstens einen Tag dauert, heizt sich die Keule stark auf und gibt einen übel riechenden Aasgeruch ab, weshalb der Titanenwurz auch Riesenstinkwurz genannt wird.

Die Pflanze blüht im blattlosen Zustand. Erst nach der Blüte entfaltet sich aus der unterirdischen Knolle, die über 100 kg wiegen kann, ein einziges Blatt. Der Stiel dieses Blattes ähnelt eher dem Stamm einer kleinen Palme, das Blatt selbst ist im oberen Bereich mehrfach gefiedert. Ein Blatt kann eine Höhe von bis zu sechs Metern erreichen, grünt je nach Alter und Kulturbedingungen 9 bis 24 Monate und zieht dann wieder ein. Nach einer Ruhepause treibt ein neues Blatt. Die alte Knolle wird im Laufe einer Vegetationsperiode durch eine neue ersetzt.

Die riesigen Organe der Pflanze vergrößern sich im Laufe von aufeinander folgenden Generationen von Blättern und Knollen. Erst wenn eine Knolle genügend Reserven gespeichert hat, kommt es zur Blüte. Die größten bislang bekannten Blumen erreichten eine Größe von mehr als zweieinhalb Metern. Durch ihre Farbe und den unangenehmen Geruch, für den eine Reihe von schwefelhaltigen Verbindungen und Aminen verantwortlich ist, imitiert die Pflanze einen Tierkadaver. Auf diese Weise werden im natürlichen Lebensraum des Titanenwurzes kleine nachtaktive Aaskäfer und auch Bienen als Bestäuber angelockt. Die Tiere kriechen in die Blume, bestäuben die Blüten und legen Eier am Grunde der Blume ab. Ihre geschlüpften Larven sind allerdings zum Hungertod verurteilt, weil die Pflanze keine geeigneten Bedingungen für ihre Entwicklung bietet. Die Früchte des Titanenwurzes sind zweisamige rote Beeren, die wahrscheinlich in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet auf Sumatra von Nashornvögeln verbreitet werden.

Ein Forschungsprojekt der Abteilung Evolutionäre Neuroethologie des Max-Planck-Institutes für chemische Ökologie beschäftigt sich mit einer verwandten Gattung der Familie der Aronstabgewächse – der Gattung Arum. Im Mittelpunkt des Interesses steht die Evolution der faszinierenden Bestäubungsmechanismen dieser Gattung, deren verschiedene Blütenduftnoten von Urin oder Kot, über süße Weinaromen bis hin zu Düften reichen, die möglicherweise ähnlich den Sexuallockstoffen bestimmter Insekten sind, die vom Menschen gar nicht wahrgenommen werden können und deshalb geruchslos erscheinen. Eine wichtige Grundlage für diese Untersuchungen lieferte die in diesem Jahr von der Forschungsgruppe um Bill Hansson und Marcus Stensmyr erstmals aufgestellte veröffentlichte molekulare Phylogenie (Evolutionsgeschichte) aller Arten aus der Gattung Arum.

Der Titanenwurz im Forschungsgewächshaus des Institutes wurde aus Samen gezogen, die im Jahr 2003 im Palmengarten Frankfurt am Main gesammelt wurden. Die Knolle dieser Pflanze erreichte Ende Februar 2007 ein Gewicht von 13,3 kg, bei einem Durchmesser von 35 cm, und im August 2009 ein Gewicht von 24,9 kg, bei einem Knollenumfang von 136 cm. Die Pflanze befindet sich im sechsten Vegetationszyklus nach der Aussaat und blüht nun zum ersten Mal. Sie kann am Tag der Blüte, der noch bekannt gegeben wird, am Ende der Feuerwehrzufahrt zum Gewächshaus im Freien bewundert werden. [TK, AO]

Eine Information zum Blütenzeitpunkt wird kurzfristig, spätestens am Tag der Blüte, per E-mail an unseren Presseverteiler erfolgen. Dies wird voraussichtlich in den nächsten Tagen der Fall sein.

Literatur:
Linz, J., Stökl, J., Urru, I., Krügel, T., Stensmyr, M. C., Hansson, B. S. (2010). Molecular phylogeny of the genus Arum (Araceae) inferred from multi-locus sequence data and AFLPs. Taxon, 59(2), 405-415.
Weitere Informationen
Dr. Tamara Krügel, MPI für chemische Ökologie, Hans-Knöll-Str. 8, 07743 Jena, Tel.: 03641 57-1900, kruegel@ice.mpg.de
Bildmaterial:
Angela Overmeyer M.A., MPI für chemische Ökologie, Hans-Knöll-Str. 8, 07743 Jena, Tel.: 03641 57-2110, overmeyer@ice.mpg.de

Dr. Jan-Wolfhard Kellmann | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.ice.mpg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Designerviren stacheln Immunabwehr gegen Krebszellen an
26.05.2017 | Universität Basel

nachricht Wachstumsmechanismus der Pilze entschlüsselt
26.05.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften