Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Green Chemistry: Auf der Suche nach neuen Wegen

14.05.2009
Chemiker der Universität Jena sind Partner im internationalen "Marie Curie Initial Training"

Umweltaspekte und Nachhaltigkeit werden heute in der chemischen Forschung bewusst und gezielt in den Mittelpunkt gestellt. Das Bestreben, bei der Herstellung und dem Einsatz chemischer Substanzen die Umwelt und deren Ressourcen zu schonen, hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Gleichzeitig sollen die verwendeten Verbindungen wieder vollständig in den Stoffkreislauf zurückgeführt und Prozesse mit geringem Energieaufwand eingesetzt werden.

"Green Chemistry, also nachhaltige Chemie, ist ein Forschungsfeld, das immer mehr an Bedeutung gewinnt", weiß Prof. Dr. Thomas Heinze von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. In seiner Arbeitsgruppe (AG) im Kompetenzzentrum Polysaccharidforschung der Friedrich-Schiller-Universität Jena suchen Nachwuchswissenschaftler nach neuen Wegen der Funktionalisierung von Polysacchariden. "Es geht insbesondere um ionische Flüssigkeiten als alternative Lösemittel für Cellulose und andere Polysaccharide, die als Reaktionsmedium für chemische Reaktionen unter homogenen Bedingungen erforderlich sind", so Heinze weiter. Darüber hinaus sollen die Eigenschaften von Polysaccharid-Derivaten durch die gezielte Einführung von funktionellen Gruppen maßgeschneidert werden.

Nun ist die Friedrich-Schiller-Universität Jena Partner im "Marie Curie Initial Training" der Europäischen Union (EU) "Shaping and Transformation in the Engineering of Polysaccharides (STEP)". Der Ausbau des Wissens um die Nutzung nachwachsender Rohstoffe als Basis vielseitig einsetzbarer und hochwertiger Materialien ist Ziel des von der Universität Innsbruck koordinierten Projekts, das acht renommierte Vertreter aus der Polysaccharidforschung und -verarbeitung aus ganz Europa vereint. Das Projekt wird im 7. Rahmenprogramm der EU mit insgesamt 3,4 Millionen Euro gefördert. "Im Sinne der nachhaltigen Chemie sollen umweltfreundliche Synthese- und Umformungsstrategien für Polysaccharide und Derivate unter Berücksichtigung anwendungsorientierter Aspekte entwickelt werden", so der AG-Leiter. "Das Projekt kombiniert aktuelle Themen der Polysaccharidforschung und -technologie mit der Herstellung Cellulose-basierter Textilien und der Anwendung von Polysacchariden in Lebensmitteln und Hygieneartikeln mit dem langfristigen Ziel, Polymere aus fossilen Rohstoffen zu ersetzen."

Vor allem ausländische Wissenschaftler, die strenge Auswahlkriterien erfüllen müssen, soll das Projekt ansprechen. Taha Genco ist der erste Jenaer Doktorand, der seit April am Marie Curie Initial Training mitarbeitet. Der Chemiker, der aus der Stadt Aleppo im nördlichen Teil Syriens stammt und an der University of Aleppo sein Chemie-Studium erfolgreich abschloss, wird bis September 2010 in der AG von Prof. Heinze mitarbeiten. Er wird am Jenaer Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie Derivate synthetisieren: "Die Struktur der Polysaccharide enthält reaktionsfähige Gruppen, die durch schrittweise chemische Reaktionen verändert werden können", erläutert der Syrer. "Das entstehende semi-synthetische Material kann durch 'Green Chemistry' zu einem niemals endenden regenerativen Stoff werden."

In einem zweiten Projektteil an der University of Maribor in Slowenien wird sich der 34-Jährige der anwendungsorientierten Forschung widmen. Hier sollen die hergestellten Polysaccharide auf ihre "medizinische und biomedizinische Anwendbarkeit hin untersucht werden". Beispielsweise wird Genco gemeinsam mit den slowenischen Kollegen an Textilfasern testen, inwieweit die synthetisierten Stoffe das Wachsen von Mikroorganismen verhindern können.

Es sei die Kombination aus exzellenten Forschungsbedingungen und dem wissenschaftlichen Arbeiten an einer "altehrwürdigen Universität, an der bereits Ernst Abbe Vorlesungen hielt", die Taha Genco an seinem Jenaer Forschungsaufenthalt reizt. Deshalb will er auch nach seiner Projektmitarbeit, die im März 2010 enden wird, in Jena bleiben, um hier seine Forschungsergebnisse zu Papier zu bringen.

Kontakt:
Prof. Dr. Thomas Heinze
Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie der Universität Jena
Humboldtstr. 10, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948270
E-Mail: thomas.heinze[at]uni-jena.de

Katrin Czerwinka | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neuer Mechanismus der Gen-Inaktivierung könnte vor Altern und Krebs schützen
23.02.2017 | Leibniz-Institut für Alternsforschung - Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI)

nachricht Alge im Eismeer - Genom einer antarktischen Meeresalge entschlüsselt
23.02.2017 | Universität Konstanz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie