Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Göttinger Forscher entdecken neue Methanquelle zwischen Tropenbäumen

18.10.2010
Trichter-Bromelien erhöhen Gaskonzentration über tropischen Regenwäldern
Im Jahr 2003 wurden weltweit erhöhte Methankonzentrationen über tropischen Regenwäldern entdeckt, deren Ursprung bis heute ungeklärt ist. Nun hat eine Forschergruppe um Prof. Dr. Edzo Veldkamp von der Universität Göttingen in Zusammenarbeit mit Forschern des Max-Planck-Instituts Marburg untersucht, wie es zu dieser Methanansammlung kommt. Die Wissenschaftler haben eine bisher unbekannte Quelle von Methanemissionen in den Baumkronen der Bergregenwälder Süd-Ekuadors entdeckt: sogenannte Trichter-Bromelien (Ananas-Gewächse).

Trichter-Bromelie
Foto: Uni Göttingen

Pressemitteilung Nr. 208/2010

Nach Kohlenstoffdioxid trägt das Gas Methan am meisten zum Wandel des Klimas und zur Erderwärmung bei. Dabei ist die Hälfte der weltweiten Methanemissionen natürlichen Ursprungs. Im Jahr 2003 wurden weltweit erhöhte Methankonzentrationen über tropischen Regenwäldern entdeckt, deren Ursprung bis heute ungeklärt ist. Nun hat eine Forschergruppe um Prof. Dr. Edzo Veldkamp von der Universität Göttingen in Zusammenarbeit mit Forschern des Max-Planck-Instituts Marburg untersucht, wie es zu dieser Methanansammlung kommt. Die Ergebnisse erscheinen am Sonntag, 17. Oktober 2010, in der Online-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Nature Geoscience.

Die Wissenschaftler haben eine bisher unbekannte Quelle von Methanemissionen in den Baumkronen der Bergregenwälder Süd-Ekuadors entdeckt: sogenannte Trichter-Bromelien (Ananas-Gewächse). Durch ihre runde Trichterform sind diese Pflanzen in der Lage, in den feuchten Wäldern der Tropen Regenwasser und herabfallende Blätter aufzufangen. Dadurch entsteht in den Trichtern der Bromelien ein einzigartiges Feuchtbiotop, das Heimat für zahlreiche Amphibien, Insekten und Mikroorganismen ist. Aus diesem Biotop versorgt sich die Pflanze mit Nährstoffen und Wasser. Nachdem die Forscher starken Gärungsgeruch in den Trichtern wahrgenommen hatten, führten sie erste Methanmessungen durch und wurden fündig. Weitere Nachforschungen ergaben, dass das Methan über die Blätter der Trichter-Bromelie in die Atmosphäre gelangt. Dabei gibt die Pflanze mehr Methan ab, als durch den Boden wieder aufgenommen wird. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Trichter-Bromelien aus dem Tieflandregenwald möglicherweise noch mehr Methan produzieren als die im Bergregenwald.

Die Pflanzen könnten also die Ursache dafür sein, dass über den tropischen Regenwäldern Latein-Amerikas erhöhte Methankonzentrationen gemessen werden, für die es bisher keine Erklärung gab. „Die Entdeckung von Methanquellen in den Baumkronen tropischer Regenwälder zeigt, dass wir noch längst nicht alles über dieses einzigartige Ökosystem wissen“, so Prof. Veldkamp. Auch die Baumkronen anderer tropischer Wälder könnten Lebensraum für methanproduzierende Mikroorganismen bieten – das wäre eine Erklärung für die weltweit erhöhten Methankonzentrationen über tropischen Regenwäldern. Die Erkenntnisse der Wissenschaftler könnten dazu beitragen, die Vorhersagen über zukünftige Veränderungen der natürlichen Methanemissionen und damit auch über die globale Erderwärmung zu präzisieren.

Die Forschergruppe „Biodiversität und nachhaltige Bewirtschaftung von Bergregenwäldern in Süd-Ekuador“ wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

Originalveröffentlichung: Martinson et al. Methane emissions from tank bromeliads in neotropical forests. Nature Geoscience. AOP – advance online publication. DOI: 10.1038/NGEO980.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Edzo Veldkamp
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie
Büsgen-Institut – Ökopedologie der Tropen und Subtropen
Büsgenweg 2, 37077 Göttingen
Telefon (0551) 39-7339, Fax (0551) 39-3310
E-Mail: eveldka@gwdg.de

Dr. Bernd Ebeling | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=3674
http://www.uni-goettingen.de/de/81316.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Reize auf dem Weg ins Bewusstsein versickern
22.09.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lebendiges Gewebe aus dem Drucker
22.09.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie