Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Göttinger Chemiker untersuchen spezielle Verbindungen des Lithiums

14.04.2009
Forschungsarbeiten mit besonderer Bedeutung für Medikamentensynthese und Katalyse

Spezielle Verbindungen des chemischen Elements Lithium haben Wissenschaftler der Universität Göttingen mit Hilfe von Röntgenstrahlung untersucht: Dabei ist es ihnen gelungen, mit der Verteilung der Elektronendichte die Bindungsverhältnisse und damit die Reaktivität des Picolyl-Lithiums aufzuklären.

Diese metallorganische Lithium-Verbindung wurde bislang nie isoliert, sondern nur als Zwischenstufe für andere Produkte sofort weiter umgesetzt. Sie ist ein wichtiger Baustein zum Beispiel bei der Medikamentensynthese und in der Katalyse. Die Ergebnisse dieser Forschungen unter der Leitung von Prof. Dr. Dietmar Stalke wurden in der internationalen Fachzeitschrift "Angewandte Chemie" veröffentlicht.

Als leichtestes aller Metalle ist Lithium mit seinen besonderen Eigenschaften aus dem alltäglichen Leben nicht mehr wegzudenken: So werden beispielsweise Handys und Laptops mit umweltschonenden Lithium-Ionen-Akkus betrieben; zudem ist Lithiumcarbonat ein wirksames Medikament gegen manische Depression. Metallorganische Verbindungen des Lithiums wie das Picolyl-Lithium sind sehr energiereiche Vorstufen, die sich zur Reaktion mit weiteren chemischen Stoffen in viele Richtungen lenken lassen. Kenntnisse über die Elektronendichteverteilung in einem lithiumorganischen Molekül bieten dabei die Möglichkeit, dessen Reaktionsverhalten und damit auch das Eigenschaftsprofil eines neuen Produktes zu steuern.

Mittels Röntgenstrahlung lassen sich im Beugungsexperiment grundlegende Fragen der Lithium-Verbindungen aufklären: Wo in einem organischen Molekül wird das Lithium gebunden und welcher Natur ist diese Bindung? Wie reagiert darauf ein weiterer chemischer Stoff als hinzutretender Bindungspartner? Im Fall des Picolyl-Lithiums zeigen Molekülstruktur und Reaktivität ein auf den ersten Blick widersprüchliches Verhalten. So greift der Reaktionspartner - anders als angenommen - nicht am Ort des Lithiumatoms, sondern an einer anderen Stelle im Molekül an. Den Forschern am Institut für Anorganische Chemie ist es gelungen, dieses zunächst contraintuitiv erscheinende Phänomen mit Hilfe der Elektronendichteverteilung schlüssig zu erklären.

Die Göttinger Veröffentlichung wurde von Gutachtern der Zeitschrift als "Very Important Paper" eingestuft.

Originalveröffentlichung:
H. Ott, U. Pieper, D. Leusser, U. Flierler, J. Henn, D. Stalke: Carbanion or Amide? First Charge Density Study of Parent 2-Picolyllithium, Angew. Chem. Int. Ed. 2009, 48, 2978 - 2982, DOI:10.1002/anie.200806221
Kontaktadresse:
Prof. Dr. Dietmar Stalke,
Institut für Anorganische Chemie,
Telefon (0551) 39-3000
e-mail: dstalke@chemie.uni-goettingen.de

Beate Hentschel | idw
Weitere Informationen:
http://www.stalke.chemie.uni-goettingen.de
http://www.uni-goettingen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie