Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Globale Erwärmung macht den Tropen zu schaffen

15.10.2010
Die größte Erderwärmung gibt es im Norden, den größten Einfluss hat sie jedoch in den Tropen

Viele biologische Veränderungen der nördlichen Hemisphäre – vom Artensterben bis hin zu Verschiebungen der geographischen Barrieren – wurden in den letzten Jahrzehnten der globalen Erwärmung zugeschrieben.


Obwohl die Temperaturzunahme in den Tropen geringer ist als in den gemäßigten Zonen des Nordens, hat sie dort weit größeren Einfluss auf das Leben. Tim Vickers; Wikimedia Commons

Diese Entwicklung wurde erwartet, da die globale Erwärmung in den nördlichen gemäßigten Zonen und der Arktis am schnellsten voranschreitet. Amerikanische Wissenschaftler haben nun zusammen mit ihren Kollegen am Tübinger Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie entdeckt, dass die Temperaturzunahme in den Tropen zwar geringer ist, sie dort jedoch einen weit größeren Einfluss auf das Leben haben könnte als im kühleren Norden. (Nature, 8. Oktober 2010)

Die neue Studie der deutschen und amerikanischen Wissenschaftler konzentriert sich auf wechselwarme Tiere, wie Reptilien, die ihre Körpertemperatur der Umgebungstemperatur anpassen. George Wang vom Max-Planck-Institut in Tübingen und sein Kollege Michael Dillon von der Universität in Wyoming bedienten sich der fast 500 Millionen Temperaturmessungen von mehr als 3000 Klimastationen weltweit um die Erwärmung von 1961 bis 2009 auszuwerten. Diese Daten wurden vom Klimazentrum der Nationalen Ozeanischen und Atmosphärischen Verwaltung (NOAA) in den USA aufgezeichnet. Die Daten decken sich mit weiteren jüngst erstellten Studien: Die Temperaturen in der Arktis stiegen im Vergleich zu den Tropen am schnellsten.

Daraufhin untersuchten die Wissenschaftler die Auswirkungen auf den Metabolismus der Tiere. „Wir erwarteten, dass die physiologische Veränderungen, ebenso wie bei den Temperaturen, in den arktischen Zonen am stärksten ausgeprägt sind“, erzählt Michael Dillon. „Doch unsere Daten stellten unsere Hypothese auf den Kopf.“

Die Stoffwechselveränderungen, vor allem der Tiere, deren Metabolismus temperaturabhängig ist, sind der Schlüssel, um den Einfluss der Klimaänderung zu verstehen. „Ein erhöhter Stoffwechsel benötigt mehr Nahrung und mehr Sauerstoff“, erläutert Raymond Huey, Biologieprofessor an der Universität von Washington. „Wenn ein Lebewesen mehr Zeit für das Essen aufbringen und Energie- schonender leben muss, hat es weniger Zeit und Energie für die Reproduktion.“

Die Stoffwechselrate sagt viel über die Lebensintensität aus. Bei wechselwarmen Tieren nimmt sie umso schneller zu, je wärmer es wird. So stellten die Wissenschaftler fest, dass die Auswirkungen der Erderwärmung bei Tieren in den Tropen größer sind als auf die der Arktis. „Nur weil die Temperaturzunahme in den Tropen geringer ist, bedeutet das nicht, dass die biologischen Einflüsse auch gering sein müssen, " erklärt Huey. „Alle unsere Studien deuten auf das Gegenteil hin.“

Frühere Studien der Universität Washington zeigen sogar, dass die globale Erwärmung dazu führen kann, dass die Körpertemperatur tropische Tiere über ihrem Optimum liegt. Dieser Zustand, ähnlich einem Fieber, führt zu permanentem, körperlichem Stress. Lebewesen in gemäßigten und arktischen Regionen sind hingegen in der Lage viel größere Temperaturänderungen zu tolerieren, da sie bereits durch die saisonalen Schwankungen daran gewöhnt sind.

Originalpublikation:
M.E. Dillon, G. Wang, R.B. Huey; Global metabolic impacts of recent climate warming, Nature (2010), doi: 10.1038/nature/09407
Kontakt:
Dr. George Wang
Tel.: 07071 601-1418
E-Mail: george.wang@tuebingen.mpg.de
Stephanie Bertenbreiter (Presse- & Öffentlichkeitsarbeit)
Tel.: 07071 601-472
E-Mail: presse@tuebingen.mpg.de
Das Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie betreibt Grundlagenforschung auf den Gebieten der Biochemie, Molekularbiologie, Genetik sowie Zell- und Evolutionsbiologie. Es beschäftigt rund 325 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hat seinen Sitz auf dem Max-Planck-Campus in Tübingen. Das MPI für Entwicklungsbiologie ist eines der 80 Institute und Forschungseinrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Stephanie Bertenbreiter | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.tuebingen.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise